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Anbieterwechsel ohne Probleme

2. November 2007
Interview mit Dr. Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter Energie, Bauen, Umwelt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv)

FuG: Auf dem Strommarkt soll seit fast 10 Jahren Wettbewerb herrschen. Den Verbrauchern wurde immer weisgemacht, dass sie davon profitieren würden. Das ist bisher nicht eingetreten. Die Strompreise z.B. sind seit 2000 um fast 50 % gestiegen. Warum hatten die Verbraucher bisher so wenig von der Liberalisierung des Strommarktes?

Dr. Krawinkel: Die Liberalisierung der Strommärkte geht auf eine Richtlinie der EU aus dem Jahr 1996 zurück. Zwar konnte die EU eine Öffnung der Strommärkte erzwingen, bei der Festlegung der notwendigen Spielregeln ist sie aber an nationalen Widerständen gescheitert. Am Ende wurde es den Anbietern selber überlassen, den Wettbewerb zu regeln. Es kam, was kommen musste: Die großen Konzerne haben sich den Markt aufgeteilt und lebten damit prächtig. In gleichem Maße, wie die Gewinne der Stromriesen in immer neue Rekordhöhen stiegen, kletterten auch die Strompreise der Haushaltskunden immer weiter.

FuG: Wie hat die Politik reagiert?

Dr. Krawinkel: Politisch hat sich durch den massiven öffentlichen Druck einiges bewegt und den Stromkonzernen weht ein neuer Wind entgegen. Wir haben eine Bundesnetzagentur, die schrittweise die hohen Netzentgelte senkt. Das Kartellrecht soll verschärft werden, um die schädlichen Auswirkungen des Oligopols der Stromerzeuger abzumildern. Parallel dazu will die Europäische Kommission die Energiekonzerne von den Netzbetreibern vollständig abtrennen. Aber dies alles bringt wenig, wenn die Kunden nicht aufwachen: Sie müssen ihren Einfluss geltend machen und durch einen Wechsel des Stromanbieters ein Zeichen für mehr Wettbewerb und gute Angebote setzen.

FuG: Bisher haben nur etwa 6 % der deutschen Haushalte ihren Stromanbieter gewechselt. Warum sind das so wenige? Ist der Stromanbieterwechsel denn mit irgendwelchen Risiken verbunden?

Dr. Krawinkel: In den letzten Monaten ist die Zahl der Wechsler schon deutlich gestiegen. Immer mehr Kunden erkennen, dass man bei einem neuen Anbieter keine Angst zu haben braucht, irgendwann im Dunkeln zu sitzen.

FuG: In unserer letzten Ausgabe haben wir unsere Leser bereits ermuntert, sich durch Anbieterwechsel gegen zu hohe Stromrechnungen zu wehren. Worauf sollte man Ihrer Meinung nach beim Wechsel achten?

Dr. Krawinkel: Die Kunden sollten Anbieter meiden, die eine Vorauskasse verlangen, und solche, die keine Preisgarantien für die Laufzeit des Vertrages abgeben. Die Laufzeit selbst sollte nicht über 12 Monaten liegen.

FuG: Wie geht man beim Wechsel im Detail vor?

Dr. Krawinkel: Hat man sich für einen Anbieter entschieden, ist der Anbieterwechsel sehr einfach: Der Kunde muss lediglich Zählernummer und Zählerstand dem neuen Anbieter mitteilen, den Rest erledigt dieser für den Kunden. Um den günstigsten Anbieter zu ermitteln, benötigt man den Jahresstromverbrauch. Der steht auf der letzten Abrechnung. Einen Überblick über die günstigsten Stromanbieter und deren Stromprodukte liefern verschiedene Strompreisrechner im Internet.

FuG: Wer hilft mir weiter, wenn ich beim Wechseln Probleme mit meinem Stromanbieter habe?

Dr. Krawinkel: Bei allen wichtigen Fragen rund um einen Anbieterwechsel hilft die nächstgelegene Verbraucherzentrale.

Informationen unter: http://www.verbraucherzentrale.de

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