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Fragebogen
2. Januar 2008
An der Spitze des Verbands Wohneigentum hat ein umfassender Wechsel stattgefunden. Hans Rauch, zuletzt Zweiter Vizepräsident, wurde zum Präsidenten gewählt. Als Mitglied des Präsidiums seit 1991 konnte er schon einige Erfahrung auf Bundesebene sammeln. Von seinen ehemaligen Präsidiumskollegen und -kolleginnen haben vier nicht mehr kandidiert. Wir haben mit dem Präsidenten der neuen siebenköpfige Mannschaft gesprochen.
Verband Wohneigentum: Herr Rauch, zunächst unsere herzliche Gratulation zu Ihrer Wahl zum Präsidenten des Verbands Wohneigentum! Unsere Leserinnen und Leser interessiert natürlich: Wer ist Hans Rauch?

Rauch: Ich komme aus Rastatt in Baden-Württemberg. Mit meiner Frau Marianne bin ich seit nahezu 35 Jahren verheiratet. Wir haben einen erwachsenen Sohn, der ein Studium für das höhere Lehramt absolviert hat, er ist verheiratet und in Pforzheim als Studienassessor tätig und wohnhaft. Da ich in der Rastatter Siedlung geboren und aufgewachsen bin, bin ich seit Kindesbeinen mit dem Gemeinschaftsleben in unserer Gemeinschaft vertraut. Erste Einsätze hatte ich bereits ab dem zarten Alter von sieben Jahren, als wir Siedlerkinder zum jährlichen Siedlerfest mit bunt geschmückten Fahrrädern in den Nachbargemeinden auf Werbetour unterwegs waren. Außerdem wirkten wir Siedlerkinder bei den Siedlerfesten mit Aufführungen aktiv mit. So ist es nicht verwunderlich, dass ich bereits mit knapp 22 Jahren Vorstandsmitglied in der Siedlergemeinschaft Rastatt-Münchfeld wurde. In den seither vergangenen fast 43 Jahren nahm ich die Aufgaben Gartenwart, stellvertretender Gemeinschaftsleiter und Beisitzer wahr.
Beruflich konnte ich nach einer Lehre als Fernmeldehandwerker beim Fernmeldeamt in Freiburg verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen durchlaufen, wodurch ich im gehobenen Fernmeldetechnischen Dienst als Technischer Fernmeldeamtsrat bei der Media&Broadcast GmbH, einer Enkel-Tochter der Deutschen Telekom AG, noch bis Ende April 2008, meinem Eintritt in den Ruhestand, derzeit beschäftigt bin.
Verband Wohneigentum: Sie haben sich also praktisch Ihr ganzes Leben ehrenamtlich für den Verband und seine Ziele eingesetzt. Die Perspektive der Bundesebene kennen Sie seit 16 Jahren. Dennoch werden Sie als Präsident des gesamten Verbandes neue Verpflichtungen übernehmen. Wie sehen Sie Ihre künftige Rolle als Repräsentant nach außen und innen?
Rauch: Die berechtigten Interessen der selbstnutzenden Wohneigentümer und unserer 373.000 Mitglieder in Politik und Gesellschaft wirkungsvoll zu vertreten, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Präsidenten. In dieser Aufgabe stecke ich bereits mittendrin. Mehrere Termine in Berlin zu den aktuellen Themen, wie „Energieeffizienz von Wohngebäuden“ und „Bundesimmissionsschutz-Verordnung“, habe ich bereits in den vergangenen Wochen mit dem Ziel wahrgenommen, dass die selbstnutzenden Wohneigentümer nicht mit Zwangsmaßnahmen bedroht werden, sondern dass die Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen für Investitionen entsprechend seiner persönlichen Lebens- und Einkommenssituation durch finanzielle Anreize unterstützt wird. Des Weiteren habe ich mir als Ziel gesetzt, in den drei Jahren meiner Wahlperiode möglichst alle Landesverbände zu besuchen.
Verband Wohneigentum: Neben der Politikberatung ist die Information des selbstnutzenden Wohneigentümers als Verbraucher zunehmend wichtiger geworden. Welche wohnungspolitischen Schwerpunkte halten Sie für die nächsten Jahre als vordringlich?
Rauch: Trotz des langfristig prognostizierten Bevölkerungsrückgang in unserem Land darf nicht übersehen werden, dass in den nächsten Jahrzehnten sowohl der Bedarf an zusätzlichen Wohnungen als auch der weitere Anstieg der Wohnfläche je Einwohner zusätzliche große Anstrengungen im Wohnungsbau erforderlich machen. Dabei fällt dem selbstgenutzten Wohneigentum eine zentrale Aufgabe zu. Der Verband Wohneigentum steht weiterhin zu dem Grundsatz: „So viele Mietwohnungen wie nötig, aber soviel Wohneigentum wie möglich!“. Nach dem Wegfall der Eigenheimzulage erwarten wir nunmehr rasch die Umsetzung einer diskriminierungsfreien Einbeziehung des selbstgenutzten Wohneigentums in die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Des Weiteren müssen wir die selbstnutzenden Wohneigentümer immer wieder vor unseriösen Geschäftemachern schützen. Hierzu hat sich unsere Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband und den Verbraucherzentralen der Länder bestens bewährt.
Im Jahr 2009 treten wir mit dem 24. Bundeswettbewerb unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Verkehr, Wohnungsbau und Stadtentwicklung, der unter dem Motto steht: „Wohneigentum – heute für morgen“ wieder erneut an die breite Öffentlichkeit, um aufzuzeigen, dass Siedlungen auch unter den veränderten Klimaschutzzielen und der demographischen Entwicklung eine Zukunft haben.
Verband Wohneigentum: Sie haben aktiv im Arbeitskreis Zukunft des Verbands mitgewirkt und besonders für den 2005 beschlossenen neuen Verbandsnamen geworben. Wie sehen Sie die künftige interne Verbandsentwicklung?
Rauch: Nachdem der Neubau von Gruppensiedlungsmaßnahmen nahezu zum Erliegen gekommen ist, musste sich der Verband gegenüber allen selbstnutzenden Wohneigentümern klar positionieren. Als äußeres Zeichen dieses Veränderungsprozesses muss der neue Verbandsname verstanden werden. Dies bedeutet aber auch, dass sich die Landesverbände neben den Mitgliedern in Gemeinschaften, auch stärker als in der Vergangenheit Direktmitgliedern bzw. Einzelmitgliedern öffnen müssen, welche unmittelbar von den Landes-, Regional- oder Bezirksverbänden betreut werden. Obwohl örtliche Gemeinschaften auch künftig wichtige Säulen unseres Verbandes sind, stehen Direktmitglieder diesem Ziel nicht entgegen. Denn nur in funktionierenden Gemeinschaften können Nachbarschaftshilfe, Bürgersinn und die Interessenvertretung gegen{über den Kommunen wirklich gelebt und erfahren werden. Häufig schon konnten Direktmitglieder zur Gründung neuer Gemeinschaften gewonnen werden. Des Weiteren erfahren auch Direktmitglieder den vollen Schutz eines starken Verbandes, der sich für die Belange aller selbstnutzenden Wohneigentümer einsetzt.
Verband Wohneigentum: Wenn Sie drei Wünsche für Ihre Amtszeit frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Rauch: Erstens, dass sich die Rahmenbedingungen für das selbstgenutzte Wohneigentum nicht weiter verschlechtern. Wichtig ist mir, dass dem Teil der Bevölkerung, der sich teilweise über Jahrzehnte unter größten persönlichen Opfern und Konsumverzicht den Traum vom Wohneigentum erfüllt hat, und dadurch nicht nur zur Wohnraumversorgung, sondern auch zur Beschäftigung des heimischen Handwerks wesentlich beigetragen hat, der ihm gebührende Stellenwert eingeräumt wird. Zweitens wünsche ich mir, auf der Grundlage eines ehrlichen, freundschaftlichen und demokratischen Umgangs miteinander den Verband Wohneigentum in eine gute Zukunft begleiten zu können. Drittens hoffe ich, dass mir meine Gesundheit erhalten bleibt, damit ich diese wichtige und arbeitsintensive Aufgabe als Präsident im erforderlichen Umfang wahrnehmen kann.
Verband Wohneigentum: Wir wünschen Ihnen, dass sich alles gut erfüllen möge! Herr Rauch, vielen Dank für das Gespräch.
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