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Wohnen im AlterBestand entspricht nicht der Bevölkerungsentwicklung

1. Februar 2009

Die Menschen werden immer älter, sie bleiben länger fit. Dennoch: Irgendwann stellen sich kleinere und größere Beschwerden ein, die im Alltag zu Hemmnissen werden. Vor allem das unmittelbare Umfeld, sprich der Wohnraum, muss daher den Bedürfnissen der älter werdenden Gesellschaft angeglichen werden. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung lud gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. und der KfW am 4. Dezember 2008 zu einem Symposium mit dem Thema „Wohnen im Alter“ ein.

W. Szubin
Wolfgang Szubin
Präsidiumsmitglied

Experten aus Städtebau, Wohnungswesen und Raumordnung fanden sich in Berlin zusammen, um die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen zum Thema „Wohnen im Alter“ zu beleuchten. Den Verband Wohneigentum konnte ich als Präsidiumsmitglied, zuständig für Verbraucherschutz in baulichen Angelegenheiten, während dieses Forums vertreten. Das gemeinsame Ziel aller Teilnehmer war es, auch älteren Bürgern ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben im eigenen Heim zu ermöglichen.

Ausgangspunkt der Diskussionen waren neue statistische Daten und Informationen: Zum einen wurde festgestellt, dass eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur zu vermerken ist. Demnach lebten 2008 in Deutschland 16,7 Millionen Menschen, die über 65 Jahre alt sind. Dies entspricht 20 Prozent der deutschen Bevölkerung. Prognosen zufolge werden es im Jahr 2025 bereits 20,1 Millionen sein und 2038 sogar 23,7 Millionen, also 32 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zum anderen zeigt sich immer deutlicher, dass insbesondere im städtischen Umland die Alterung der Gesellschaft zu einem Problem wird. Hier gibt es oft keine „gesunde“ Durchmischung der Alters- und Sozialstruktur. Aus diesen Fakten ergab sich die Frage: Ist unser Wohnungsbestand überhaupt funktional geeignet, der demographischen Entwicklung gerecht zu werden?

Ist-Situation
In Deutschland gibt es 39 Millionen Wohnungen, von denen nur etwa 250.000 altersgerechten Standard besitzen. Rund ein Drittel davon, also 13 Millionen, sind selbstgenutztes Wohneigentum. Dieses Ungleichgewicht lässt sich ganz klar erkennen: Mit 16,7 Millionen Bürgern über 65 Jahren hat der Anteil an alten oder sogar hochbetagten Menschen in Deutschland eine neue Dimension angenommen. Die vorhandenen 250.000 altersgerecht angepassten Wohnungen sind bei Weitem nicht auf den enormen und stetig steigenden Bedarf an barrierefreien Immobilien ausgerichtet.

Auf die Wohnungen der Mitglieder im Verband Wohneigentum, die überwiegend im Ein- bis Zwei-Familienhaus in Bestandsgebäuden leben, trifft dies sicherlich in besonderer Weise zu. Denn diese Häuser stammen weitestgehend aus den 50er und 60er Jahren, einige sogar aus den 30ern. In jenen Zeiten spielten Überlegungen zum altengerechten Bauen und Wohnen keine Rolle, es standen andere Schwerpunkte, wie z.B. die rasche Schaffung von Wohnraum, im Vordergrund. Gerade für diese Bestandsgebäude ist ein erhöhter Modernisierungsaufwand festzustellen, will man die Anforderungen an altersgerechtes Wohnen erfüllen.

Im Hinblick auf barrierefreies Wohnen sind dabei folgende Probleme an den Bestandsgebäuden festzustellen:

  • Keine stufenlosen Hauseingänge (z.B. für Rollstühle oder Gehwagen)

  • Enge Eingangsflure

  • Schmale Türen

  • Keine ausreichenden Bewegungsflächen in Küche und Bad für Rollstuhlfahrer

  • Keine Wohnungsabschlüsse der einzelnen Etagen möglich, um das Wohnen auf nur einer Ebene mit kurzen Wegen, z.B. im Erdgeschoss, zu ermöglichen. Entsprechende Raumreserven dafür sind ebenfalls nicht vorhanden, um z.B. das Schlafzimmer ins Erdgeschoss zu verlegen.

Zukunftsinvestition
Während des Symposiums in Berlin war allen Teilnehmern das herrschende Missverhältnis zwischen Bedarf und Bestand deutlich. Und auch die Bundesregierung hat die Probleme offenbar erkannt, da sie für 2009 den Förderungsbetrag für seniorengerechtes Bauen und Wohnen von 50 Millionen auf 80 Millionen Euro erhöhte. Doch das Erkennen des Problems kann nur der erste Schritt sein. Daher erörterte die Expertenrunde auch, wie die flächendeckende Anpassung des Wohnraums an die Bevölkerungsentwicklung in der Praxis aussehen kann. Verhältnismäßig einfach geht dies bei Neuplanungen. Hier sollte das Ziel sein, bereits von vornherein großzügiger zu konzipieren.

Eine vorausschauende, an alle Lebensalter der Bewohner angepasste Planung muss nicht immer mit höheren Baukosten verbunden sein. So spart z.B. der Verzicht auf einen erhöhten Sockel ohne Eingangsstufen Geld, das der Bauherr in den Innenausbau, z.B. in breitere Türen, investieren kann. Für großzügigere Durchgänge wäre sicher nicht nur ein Rollstuhlfahrer, sondern auch eine junge Familie mit Kinderwagen dankbar. Und dies ist nur ein Beispiel dafür, dass die Forderungen nach altersgerechtem Wohnen generationsübergreifend gesehen werden sollten.

Bestandsmodernisierung
Größere Herausforderungen birgt die Modernisierung des Bestands. Wie dessen Anpassung an die Bedürfnisse konkret aussehen kann, soll eine neue Expertenkommission „Wohnen im Alter“ erarbeiten. Eine zentrale Frage, mit denen sich die Kommission beschäftigen wird, lautet: Was bedeutet altersgerechte Wohnungspolitik für den Markt und den Staat? Und ganz praktisch gefragt: Was sind die größten Herausforderungen für Politik und Wohnungsmarkt? Welche räumlichen Dimensionen sind zu berücksichtigen? Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?

Die Mitglieder des Verbands Wohneigentum, die, wie beschrieben, häufig nicht in altersgerechten Eigenheimen leben, und natürlich sämtliche Eigenheimbesitzer müssen von den politischen Bestrebungen und neuen Fördermitteln profitieren können. Der Verband wird bei den Gesprächen mit der Politik nachdrücklich darauf drängen, dass gerade die Modernisierungs- und Fördernotwendigkeiten für das selbstgenutzte Wohneigentum erkannt werden müssen. Über die weiteren Entwicklungen zum Thema „Wohnen im Alter“ werden wir Sie informieren.

Wolfgang Szubin
Mitglied im Präsidium des
Verbands Wohneigentum e.V.

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