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1. April 2010
Mit seiner Einladung an die Verbände der Wohnungswirtschaft am 8. Februar 2010 führte Bundesbauminister Dr. Peter Ramsauer den bewährten Immobilienwirtschaftlichen Dialog des Hauses fort und gab gleich bei der Begrüßung den Willen der Regierung bekannt: „Wir wollen die Eigentumsquote erhöhen. Wir brauchen guten, attraktiven und bezahlbaren Wohnraum, der dem Bedarf und den Ansprüchen der Menschen in der Stadt und in ländlichen Regionen entspricht.“ Damit verschiebt der Minister den Schwerpunkt der Baupolitik zugunsten derer, die sich ihren Wunsch nach den eigenen vier Wänden erfüllen wollen.

Die Verbändevertreter – soweit sie nicht überwiegend für Vermieterinteressen, wie große Wohnungsgesellschaften, oder für Mieterinteressen stehen – begrüßten diese Ausrichtung. Im Beisein des Parlamentarischen Staatssekretärs Jan Mücke, des Staatssekretärs Rainer Bomba und der Abteilungsleiterin Stadtentwicklung, Raumordnung und Wohnen, Oda Scheibelhuber, ergänzte Minister Ramsauer, außerdem werde das Wohnen im Bestand einen Schwerpunkt bilden. Dies betrifft den Erhalt und die Modernisierung des selbstgenutzten Wohneigentums. „Wir müssen zum Beispiel die Sanierungsquote erhöhen . Ziel ist es, noch mehr Gebäude energieeffizient zu sanieren und an die Ansprüche von Familien und älteren Menschen anzupassen. Das unterstütze ich mit den KfW-Programmen“, so der Minister. Dem müssen nun weitere Taten folgen, forderte so die Runde der Verbändevertreter, die anschließend ihre Standpunkte formulierten.

Für den Verband Wohneigentum griff die Bundesgeschäftsführerin Petra Uertz das Versprechen des Ministers auf, „Politik mit Augenmaß“ zu machen, und betonte, den privaten Wohneigentümern dürften keine Investitionslasten aufgebürdet werden. Der Verband unterstützt die Absicht, durch energetische Sanierung die bundespolitischen Klimaschutzziele zu erreichen. Richtig ist, durch Zuschussförderung Anreize für weitergehende Investitionen zu setzen: in moderne Heizungsanlagen, den Einsatz regenerativer Energie sowie die Dämmung der Wohnimmobilien. Dies gilt ebenso für die Anpassung des Bestands an altersgerechte Bedürfnisse, hin zu barrierereduziertem Wohnen. Zwang wirkt hingegen kontraproduktiv. Wo zusätzliche Auflagen bei einer sowieso geplanten Sanierung zu hoch sind, wird notfalls gar nichts saniert.
Seitens des Ministeriums wurde darauf hingewiesen, dass neben der stärkeren Berücksichtigung des Wohneigentums weiterhin die Entwicklung angemessenen Wohnraums im Mietbereich verfolgt wird. In welcher Art und Weise steuerliche Instrumente und das Mietrecht dem angepasst werden, wird noch Stoff für Auseinandersetzungen bieten.
Das nach der Bundestagswahl erste Werkstattgespräch im Rahmen des Immobilienwirtschaftlichen Dialogs fand anschließend am 22. Februar 2010 statt. Thema war der Wandel der Wohnungsmärkte, der anhand der aktuellen Wohnungsmarktprognose 2025 des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) betrachtet wurde. Insgesamt ist ein Rückgang der Bevölkerung zu beobachten, der allerdings regional unterschiedlich verläuft: Neben schrumpfenden wird es auch künftig weiterhin wachsende Regionen geben. Der Bevölkerungsrückgang schlägt sich nicht eins zu eins in der Zahl der Haushalte nieder. Die Ein-und-Zwei-Personen-Haushalte werden weiter zunehmen, indem die Elterngeneration nach Auszug der Kinder im Familienheim wohnen bleibt und sich weder räumlich verkleinert, noch in eine Senioren-Wohngemeinschaft strebt. Daneben ist zu registrieren, dass junge Leute recht spät und seltener Familien gründen. Auch dies führt zu relativ mehr Haushalten. Außerdem ist eine Verschiebung bei der Nachfrage zu beobachten, nämlich eine Zunahme von Wohneigentum anstelle von Mietwohnung und höhere Ansprüche an Qualität. Der Trend zu größeren Wohnflächen und verändertem Zuschnitt beeinflusst die Marktfähigkeit von Immobilien direkt. Dies führt beispielsweise dazu, dass im Bestand Wohnungen zusammengelegt werden und etwa auch Zweifamilienhäuser mit relativ geringer Wohnfläche zu Einfamilienhäusern zusammengeführt werden.
Die bestehenden Familienheime sind während der eigenen Nutzung ein wichtiger Baustein im Vermögen, bis hin zum mietfreien Wohnen im Alter. Eine Wertanlage im Sinne einer Rendite, die sich bei Verkauf realisieren lässt, sind Wohnimmobilien – je nach Zustand – vorwiegend noch in den Zuzugsregionen München, Berlin, Hamburg, Bonn und Stuttgart, in Teilen Brandenburgs (westlich von Berlin), Nordniedersachsens, Bayerns und Baden-Württembergs. In den Schrumpfungsregionen, wozu Teile Niedersachsens, Nordhessens, des Ruhrgebiets, Oberfrankens und der neuen Bundesländer zählen, wird man Abstriche machen müssen. Aber selbst in den schwierigen Gegenden werden künftig Menschen leben und arbeiten. Dort werden Immobilien in guter Lage, die in der Qualität an heutige Standards angepasst sind, weiterhin attraktiv sein. Bei Verkauf oder Vermietung spielt natürlich auch der Preis eine Rolle.
Die Politik ist gefordert, für die Entwicklung von Städten und ländlichem Raum zukunftstaugliche Unterstützung zu geben. Die Lebensqualität in Siedlungen hängt nicht zuletzt von einer bezahlbaren Infrastruktur ab. Aber ebenso sind Ideen vor Ort gefragt. Bund, Länder und Kommunen müssen die Betroffenen stärker einbeziehen, umgekehrt sind die Bürger aufgerufen, an der künftigen Gestaltung ihres Wohnumfelds aktiv mitzuarbeiten. Der Verband Wohneigentum hat das Thema aufgegriffen und wird im Sinne der Ökonomie des Wohneigentums die Mitglieder weiterhin über werterhaltende Modernisierung, aber auch Vererben, Verschenken und Verkaufen informieren. Die Gemeinschaften in den Kommunen sind aufgerufen, sich in die Stadt- und Siedlungsentwicklung vor Ort konstruktiv einzumischen.
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