Hausnummern retten Leben

Abb.Hausnummer
© M.Kühn
Im Notfall können wenige Minuten über Leben oder Tod entscheiden: Wenn die Feuerwehr oder der Rettungsdienst die Hausnummer nicht auf Anhieb findet, kann es schnell zu spät sein. Dass die Helfer auf eine gut sichtbare Hausnummer angewiesen sind, versteht sich deshalb von selbst.
Für Taxifahrer und Paketboten ist es ein Ärgernis, wenn die angegebene Adresse, Straßenname oder Hausnummer, schlecht zu finden ist. Schlimmere Folgen hat es aber, wenn Rettungsdienste oder Polizei bei einem Notruf wertvolle Zeit mit dem Suchen nach dem richtigen Haus und Eingangs verlieren. Mittlerweile nutzen die Blaulichtorganisationen natürlich moderne Navigationstechnik, aber auf den letzten Metern stockt die schnelle Hilfe im Notfall oft an der schlechten Kennzeichnung vor Ort. Die Einsatzkräfte verlieren wertvolle Minuten und Sekunden, die schlichtweg Leben oder Tod bedeuten können.

Unser Verband unterstützt die Initiative von Notärzten

Die Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Notärzte e.V. (agswn) hat einen Aufruf gestartet, den unser Verband sehr gerne unterstützt. Mit dem Slogan "Zeig´ mir Deine Nummer!" soll auf die Wichtigkeit deutlich sichtbarer Hausnummern aufmerksam gemacht werden. "Eine gut erkennbare Hausnummer kann (auch Ihr) Leben retten!", so Prof. Dr. Matthias Fischer, Vorsitzender der agswn e.V., und der Referent für Öffentlichkeitsarbeit Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker (Verbandsmitglied in seinem Heimatort Buchen) ergänzt: "Aller modernen Navigationstechnik zum Trotz ist die Hausnummer weiterhin ein wichtiger Baustein für schnelle Hilfe im Notfall." Mit ihrer Initiative wollen die Notfallmediziner auf diesen Sachverhalt hinweisen und zur Überprüfung der guten Sichtbarkeit von Hausnummern an Wohngebäuden und Gewerbebetrieben aufrufen. Für die Aktion wurde eigens eine Homepage www.zeigmirdeinenummer.de eingerichtet.

Im Baugesetzbuch (BauGB) findet sich in Paragraph 126 bezüglich der Pflichten des Eigentümers ein entsprechender Hinweis: "Der Eigentümer hat sein Grundstück mit der von der Gemeinde festgesetzten Nummer zu versehen. Im Übrigen gelten die landesrechtlichen Vorschriften." Die Regelungen in den Bundesländern unterscheiden sich dabei jedoch erheblich - in manchen Landesbauordnungen werden die Hausnummern überhaupt nicht erwähnt. In Baden-Württemberg ist die Regelung zur Anbringung von Hausnummern Sache der Kommunen.

Sehr detaillierte Vorgaben macht beispielsweise die Stadt Karlsruhe in einer eigenen "Satzung über die Anbringung und Gestaltung von Hausnummern", die bereits 1974 erlassen wurde. Hausnummernschilder sollen beim Grundstückszugang so angebracht werden, dass sie von der Straße aus gut sichtbar und lesbar sind. Sie sollen mindestens 0,5 m hoch und nicht höher als 2,50 m über Boden angebracht werden, und für zurückliegende Grundstücke oder Gebäude sind an geeigneter Stelle Hinweisschilder anzubringen. Auch die Beschaffenheit der Hausnummernschilder wird in dieser Satzung geregelt: „Die Hausnummernschilder müssen aus Metall, Glas, Kunststoff oder anderem wetterbeständigen Material angefertigt sein. Statt Schilder können auch nur Nummern verwendet werden. Die Mindesthöhe der Schilder bzw. Nummern beträgt 10 cm.“

Eigentümer müssen sich also bei ihrer Gemeinde oder Stadt erkundigen, welche genauen Vorschriften es bezüglich der Hausnummern in ihrem Wohnort gibt. Bei Unklarheiten helfen hier gerne auch unsere Gemeinschaften vor Ort.

Kennzeichnung im eigenen Interesse

Unabhängig von den Vorschriften sollten alle Bürgerinnen und Bürger ein Interesse daran haben, im Notfall schnell erreichbar zu sein. Für viele Wohneigentümer gehört die Auswahl des passenden Hausnummernschildes zum Einzugsritual. Wer die Hausnummer anbringt, macht deutlich: Wir sind fertig! Wir haben es geschafft!

„Denken Sie aber bereits in der Bauphase an eine Kennzeichnung“, mahnen gerade auch die Notärzte. Manchmal vergeht beispielsweise einige Zeit zwischen dem Bezug und dem Verputzen. Später gerät die Hausnummer dann oft in Vergessenheit. Freunde und Bekannte brauchen sie nicht, die Hecke wächst - und schon ist die einst sorgfältig ausgewählte und angebrachte Kennzeichnung schlecht oder gar nicht mehr sichtbar. Reden Sie darüber auch mit Ihren Nachbarn, vielleicht freuen diese sich auch über entsprechende Hinweise.

… und nachts mit Licht?

Bei Dunkelheit sind Hausnummern ebenfalls schlechter zu erkennen, gerade wenn eher unauffällige Modelle gewählt wurden. Eine Beleuchtungspflicht besteht bisher nicht, und entsprechende Bestrebungen einzelner Bundesländer sind an juristischen Hürden gescheitert. Auch hier gilt aber: Das Sicherheitsbedürfnis der Bewohner sollte im Vordergrund stehen. Diese sollten entweder selbst aktiv werden oder ggf. auf den Vermieter zugehen.

Wohneigentümer sollten allerdings auch aus einem anderen Grund aufpassen: Wenn zum Beispiel die Feuerwehr aufgrund schlecht erkennbarer Hausnummern verspätet bei einem Brand ankommt, droht richtig Ärger. Wie genau das juristisch aussieht - das klären Mitglieder im Verband Wohneigentum Baden-Württemberg am besten in einer professionellen Rechtsberatung über ihren Verband.

Straßenschilder

Neben den Hausnummern sind fehlende oder schlecht erkennbare Straßenschilder eine weitere Hürde für Helfer im Notfall. „Wir möchten im weiteren Verlauf unserer Aktion auch auf diese Thematik hinweisen und die Menschen bitten, die zuständigen Behörden zu kontaktieren, wenn es hier Defizite gibt“, so Dr. Genzwürker. Wie für die Hausnummer gelte auch hier die einfache Regel „nicht verdeckt, nicht verdreckt“. Gerade auch bei nachträglichen baulichen Verdichtungen in gewachsenen Wohngebieten entstehen oft, bedingt durch Baulücken, bei der Hausnummernvergabe unklare Situationen, die durch Ergänzungen an den Straßenschildern behoben werden könnten. Die Gemeindeverwaltungen sind hier dankbar für Hinweise ihrer Bürger. Auch hier sind unsere Gemeinschaften vor Ort gerne zur Unterstützung bereit.

Verhalten im Notfall

Der schnelle Notruf über die 112 bringt die Rettungskette in Bewegung, diese Nummer sollte allen Bürgerinnen und Bürgern ebenso bekannt sein wie die 110 der Polizei.

Eine wichtige Bitte haben die Notfallmediziner und -medizinerinnen noch, um das Erreichen von Notfallpatienten zu erleichtern: „Schicken Sie eine einweisende Person an die Straße - das hilft uns gerade in größeren Objekten, schneller Hilfe zu leisten.“


Verhalten im Notfall
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