Präsident Löseke zur Namensdiskussion des Verbands

1. Oktober 2004

Präsident Alfons Löseke
Alfons Löseke
Präsident
Verband Wohneigentum  
Liebe Mitglieder,
liebe Siedlerfreunde!


„Warum macht Ihr das?“ werde ich seit gut einem halben Jahr immer wieder gefragt. Die Frage zielt auf den Vorschlag des Präsidiums, den DSB umzubenennen in „Verband Wohneigentum e.V.“ Manche lehnen jede Änderung rundherum ab, andere sind neugierig und abwartend, wiederum andere halten eine Änderung für dringend notwendig und manche schlagen ganz andere neue Namen vor.

In den vielen Gesprächen mit Siedlerfreunden kommen wir immer ganz schnell darin überein, dass unser Verband Werte pflegt, die wir gern als „den Siedlergedanken“ zusammenfassen: Nachbarschaftshilfe, Gemeinsinn, gemeinsame Feiern, Förderung junger Familien und Schutz des Eigentums und so weiter. Werden diese Werte „verraten“, wenn wir unserem Verband einen neuen Namen geben?

Nun begegne ich – wie Sie auch – nicht nur Siedlern. So traf ich Anfang August während eines Spaziergangs am Stadtrand meiner Heimatstadt Arnsberg einen ehemaligen Kollegen. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen und er fragte gleich, was ich so mache, mit meiner vielen freien Zeit als Ruheständler. Ich erklärte ihm, ich sei Präsident des Deutschen Siedlerbunds. „Was ist denn das für ein Verein? Was mit Aussiedlern?“ kam die Frage. Nach unserem Gespräch wusste der Kollege Bescheid und fand unseren Verband doch ganz interessant.

Bei verschiedenen Veranstaltungen anderer Verbände, auf denen ich den DSB repräsentiere, kann es mir auch passieren, dass mich ein Vertreter der Industrie anspricht: „Siedlerbund… da sind Sie doch für die Gartenbesitzer zuständig…“ und gemeint ist für die Kleingärtner. Erkläre ich, dass wir nicht Mieter vertreten, die einen Kleingarten gepachtet haben, sondern der Verband für Eigenheimbesitzer sind, die einen Hausgarten bestellen, braucht es mehr als drei Sätze, den Unterschied der Mitgliederstruktur und der Interessen deutlich zu machen.
Auf diese Art von Unkenntnis und Missverständnis stoße ich seit vielen Jahren. Wenn ich Gespräche mit Abgeordneten des Bundestags oder der Landtage oder auch mit Mitarbeitern der Ministerien führe, sind bei der ersten Begegnung ein paar Worte zu unserer Tätigkeit notwendig. Und das, obwohl die Termine von der Bundesgeschäftsstelle mit vorbereitet werden und entsprechendes Material versandt wird. „Siedlerbund? – Ach so, selbstnutzende Wohneigentümer.“

Auch das Präsidium besteht aus Siedlern


Die anfangs zitierte Frage wird auch schon einmal erweitert: „Warum macht Ihr das – mit unserem Verband?“ Hier muss ich einmal deutlich werden: Die Mitglieder des Präsidiums – und natürlich auch ich – sind durchweg langjährige Mitglieder des DSB. Auch wir sind Siedler im Sinne des Verbands. Als Vorsitzender des Siedlerbunds Westfalen-Lippe habe ich mich für die Erweiterung unseres „Hauses der Siedler“ eingesetzt. Es gibt keinen Gegensatz von „einfachem Mitglied“ und ehrenamtlichem „Funktionär“. Und wir tragen alle gemeinsam Verantwortung für den Bestand des Verbands. Natürlich: Das Präsidium trägt mehr Verantwortung für die Entwicklung des Gesamtverbands. Zu diesem Zweck ist es gewählt.

In der Diskussion um ein zeitgemäßes Auftreten unseres Verbands stelle ich gerne die Gegenfrage: Welche Zukunft stellen Sie sich für den DSB vor? Noch haben wir bundesweit jährliche Mitgliederzuwächse. Dennoch lag schon vor sechs Jahren der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder etwa bei 56 Jahren, nur 51 Prozent waren (noch) berufstätig und nur bei 17 Prozent der Mitglieder lebten Kinder unter 14 Jahren. Obwohl wir uns besonders für junge Familien einsetzen, ist diese Gruppe also unterrepräsentiert. Andere Siedlerverbände haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Der „Bayerische Siedler- und Eigenheimerbund“ berichtet in seinem Juni-Heft ebenfalls vom Unverständnis derjenigen, die mit Siedlern noch keine Berührung hatten und ruft zur großen Werbeaktion auf. Vom „Ring Deutscher Siedler“ war im zweiten Quartals-Heft von „stetig fallenden Mitgliederzahlen“ zu lesen, etwa 60 Prozent der RDS-Mitglieder seien älter als 65 Jahre.

Die wenigsten der jungen Generation können den Begriff „Siedler“ auf sich selbst beziehen, auch wenn sie gerade mitten im Hausbau stecken. Warum sollten sie neugierig sein auf einen „Siedlerbund“? Nachdem der alte Name als „Hemmschwelle“ erkannt ist, ist es unsere Pflicht, darüber nachzudenken, wie der Zugang zu uns erleichtert werden kann. Unser Verband hat etwas zu bieten. Er muss sein Angebot an Verbraucherberatung und Dienstleistungen ebenso an den Mann und die Frau bringen wie seine wohnungspolitischen Vorstellungen an die zuständigen Politiker und die Öffentlichkeit.

Nur als starker Verband können wir unsere Werte – das heißt das, was den Siedlergedanken ausmacht – weitertragen, nämlich Gemeinschaft fördern und das Wohneigentum schützen. Hierin sehe ich mich als Präsident des Deutschen Siedlerbunds in die Pflicht genommen: für die heutigen Siedlerfreunde, für die nachfolgende Generation – für die Zukunft des Verbands.

Mit herzlichem Siedlergruß
Ihr

Alfons Löseke
Präsident