CO2-Gebäudesanierungsprogramm

1. Juni 2006


KArin Roth MdB
Karin Roth MdB (SPD)
Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtenwicklung  

Weltweit steigende Energiepreise und das Bestreben, unsere eigene Energieversorgung auch zukünftig sicher zu gewährleisten, unterstützen unser Bestreben nach Energieeinsparung.


Wir haben in Deutschland rund 17 Millionen Wohngebäude, hinzu kommen rund 1,5 Millionen Nichtwohngebäude wie Schulen, Kindergärten, Bürogebäude usw. Von den Wohngebäuden wurden 73 % vor 1978, also vor dem Wirksamwerden der ersten Wärmeschutzverordnung, errichtet.

Die Heiz- und Warmwasserkosten sind bei weitem die größten Posten bei den Wohnnebenkosten. Im Schnitt machen sie nach Angaben des Deutschen Mieterbundes 86 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat aus. Bei einer 80 qm großen Wohnung sind das 68,80 € pro Monat mit steigender Tendenz.

Das Einsparpotenzial im Wohngebäudebestand möchte ich an folgendem Beispiel verdeutlichen: Betrachtet man die weitverbreiteten kleineren Mehrfamilienhäuser näher, so sind solche mit einem Heizenergiebedarf um etwa 190 kWh (qm/a = je Quadratmeter und Jahr) – das sind vergleichsweise etwa 19 l Öl pro qm und Jahr – am häufigsten anzutreffen. Gerade in jüngster Vergangenheit wurde schon eine Reihe von Gebäuden mit weniger als 70 kWh/(qm/a) Heizenergiebedarf errichtet. Es existieren jedoch auch viele Gebäude mit über 400 kWh/(qm/a) – das sind umgerechnet 40 l Öl pro qm und Jahr. Die Absenkung des Heizenergiebedarfs unter 100 kWh je Quadratmeter und Jahr ist bei den meisten dieser Gebäude bereits heute technisch möglich. Dieses Beispiel verdeutlicht die große Herausforderung zur Energieeinsparung. Es verdeutlicht aber auch, dass es dazu keine Alternative gibt.

Energieeinsparung im Gebäudebereich ist daher ein Schwerpunkt der Bundesregierung im Rahmen der Wohnungs- und Baupolitik in dieser Legislaturperiode. Dafür sprechen vor allem drei Gründe:

Um diese Ziele zu erreichen, ist bereits eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht worden:


Das im Jahr 2001 aufgelegte CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW-Förderbank wird in den nächsten vier Jahren auf jeweils 1 Milliarde € aufgestockt. Das ist fast eine Verdreifachung gegenüber dem bisherigen Stand.

Eigentümer, die ihre Wohnung selbst nutzen, sollen künftig unter anderem energetische Maßnahmen, wie den Austausch von Heizkesseln, mit Lohnkosten bis zu 3000 € zu 20 % direkt von der Steuerschuld abziehen können, jährlich also bis zu 600 €. Die steuerliche Förderung umfasst dabei allein die Arbeitskosten. Materialkosten werden nicht berücksichtigt. Voraussetzung ist die Vorlage von Handwerkerrechnungen.

Auch bei öffentlichen Gebäuden soll Energie eingespart werden. Die KfW-Förderbank wird den Gemeinden zur energetischen Sanierung von solchen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten zinsgünstige Kredite anbieten. Gemeinden in strukturschwachen Gebieten sollen dabei einen noch günstigeren Zinssatz erhalten. Für Bauten des Bundes wird ein neues Programm aufgelegt. Die öffentliche Hand soll mit gutem Beispiel vorangehen.


Um für Mieter und Käufer den Energiebedarf von Gebäuden transparent zu machen, wird ein Energieausweis eingeführt. Diesem Ausweis kann dann der Energiebedarf oder der Verbrauch entnommen werden. Dem Energieausweis werden Empfehlungen für die kostengünstige energetische Modernisierung beigefügt.

Der Energieausweis, das CO2-Gebäudesanierungsprogramm und die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten werden im Baugewerbe und im Bauhandwerk einen erheblichen Investitionsschub auslösen. In den vier Jahren Laufzeit wird mit einem Investitionsvolumen von rund 28 Milliarden Euro gerechnet. Dabei sichert oder schafft jede in die Gebäudesanierung investierte Milliarde Euro rund 25.000 Arbeitsplätze.

Um einen Anstoß zur energetischen Sanierung zu geben, reicht es nicht, Energieeffizienz zu „verordnen“. Zumal wir in Deutschland zusätzlichen bürokratischen Aufwand durch aufwendige Kontrollen vermeiden wollen. Deswegen wollen wir dafür sorgen, dass die Menschen besser verstehen lernen: Investitionen in die energetische Gebäudesanierung sind Investitionen in die eigene Zukunft. Wo liegen dabei die Grenzen der Wirtschaftlichkeit, welche Maßnahme ist technisch sinnvoll und welche Fördermöglichkeiten gibt es im Einzelfall?

Antworten gibt unter anderem die Deutsche Energie-Agentur (dena). Sie ist z.B. beauftragt, mit einer Hotline und Informationsbroschüren zu informieren. Gemeinsam mit ihr und mit Unternehmen der Wohnungswirtschaft testen wir an zahlreichen Modellvorhaben in ganz Deutschland, was bei der Sanierung von Altbauten zu beachten ist, wie hoch die Kosten sind und wo zukünftige Forschung die noch offenen Fragen beantworten muss. Das Projekt „Niedrigenergiehaus im Bestand“, in dem bei Altbauten der energetische Neubaustandard oder ein besserer erreicht wird, ist mittlerweile über Deutschland hinaus bekannt. Hauseigentümer, Handwerker, Planer und Mieter können in ihrer heimatlichen Region am konkreten Projekt energieeffizientes Bauen erfahren. Dabei sollen die Modellvorhaben in ein Gesamtkonzept der energetischen Stadtentwicklung integriert werden.

Karin Roth