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Unsichtbare Gefahr? Edelgas Radon

Medien berichten immer wieder über eine Gefahr, die man weder schmecken, riechen noch sehen kann: Radon. Das Edelgas entsteht als Zerfallsprodukt aus natürlichem Uran in Böden. Es kann sich in Gebäuden ansammeln. Dort erhöht es vor allem das Lungenkrebsrisiko der Bewohner. Dr. Bernd Hoffmann ist Physiker und Leiter des Radon-Fachgebiets im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erklärt im Interview mit Anna Florenske, wie groß diese unsichtbare Gefahr ist.

Dr. Bernd Hoffmann, Physiker und Leiter des Radon-Fachgebiets im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

Dr. Bernd Hoffmann, Leiter des Radon-Fachgebiets im BfS Bundesamt für Strahlenschutz

In den Medien las man von erhöhten Radonwerten und dass Sie deshalb Messungen durchführen, stimmt das?
Ja, das stimmt. Um den Überblick über die Radon-Konzentrationen in Wohnungen in Deutschland zu verbessern, lässt das Bundesamt für Strahlenschutz im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Messungen in zufällig ausgewählten Haushalten durchführen. Das radioaktive Gas Radon entsteht im Erdreich und kann von dort unbemerkt in Innenräume gelangen. Weil Radon das Lungenkrebsrisiko erhöht, kann es besonders in Wohnräumen zum Problem werden. Ziel aktueller Gesetzgebung ist daher, die Radon-Konzentrationen zu senken. Die Studie des BfS soll die bundeseinheitliche Datengrundlage hierfür weiter ausbauen.

Studie: machen Sie mit

Für die Studie sollen in 6.000 zufällig ausgewählten Wohnungen zeitgleich Radon-Messgeräte aufgestellt werden. Dabei ist das BfS auf die Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen: Ende Mai wurden Haushalte im gesamten Bundesgebiet angeschrieben und darum gebeten, an der Studie teilzunehmen. Absender der Briefe ist die Firma Dr. Kemski Sachverständigenbüro. Sie führt die Studie im Auftrag des BfS durch.

Wer sich für eine Teilnahme entscheidet, erhält im Sommer zwei kleine Dosen, in denen sich die Messeinrichtung befindet, und stellt sie in die Wohnung. Nach einem Jahr werden sie an das Sachverständigenbüro zurückgeschickt. Da die Radon-Belastung mit den Jahreszeiten schwankt, ist diese lange Messdauer erforderlich, um einen Jahresdurchschnitt der Radon-Wert zu erhalten.

Radon-Messgerät

Die verwendetetn Radon-Messgeräte sind kleine Plastikbehälter, die in der Wohnung aufgestellt werden. Bundesamt für Strahlenschutz

Infos zur Studie

Das BfS berücksichtigt gern Freiwillige, die an der Studie zur Radon-Konzentration teilnehmen möchten, auch wenn sie nicht von Dr. Kemski Sachverständigenbüro angeschrieben wurden. Interessierte können sich dazu gern per E-Mail beim BfS (radon@bfs.de ) oder direkt bei Dr. Kemski Sachverständigenbüro (fv-kontakt@kemski-bonn.de ) melden. Weitere Informationen zur Radon-Studie des BfS finden Sie hier: http://www.bfs.de/radon-studie-2020

In welchen Regionen besteht erhöhte Gefahr?
Radon ist ein sehr bewegliches, radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran entsteht und das aus allen Materialien freigesetzt wird, in denen Uran vorhanden ist - so auch aus dem Boden und aus Gesteinen, da Uran in allen Böden und Gesteinen vorhanden ist. In einigen Gebieten entsteht allerdings deutlich mehr Radon im Boden als in anderen Gegenden. In Deutschland sind z.B. insbesondere das Erzgebirge und einige Regionen in Sachsen-Anhalt betroffen, in Süddeutschland vor allem der Bayerische Wald, das südliche Bayern und Teile des Schwarzwalds. Radon bindet sich nicht an andere Elemente und es kann über Risse und Spalten aus dem Erdreich in die Atemluft entweichen.

Dabei gilt zu beachten: Die Radon-Konzentrationen im Boden, in der Luft und in Innenräumen sind lokal und regional sehr unterschiedlich. Aussagen zu einzelnen Gebäuden sind aus den Karten nicht ableitbar. Welche Radon-Konzentrationen in den Aufenthaltsräumen eines Hauses tatsächlich vorkommen, kann nur durch Messungen geklärt werden.

Radon Grafikkarte

Radon kommt im Boden in Deutschland regional in unterschiedlichen Konzentrationen vor. Bundesamt für Strahlenschutz

Welche Gefahr geht von Radon für Hausbesitzern aus?
Im Freien vermischt sich Radon schnell mit der Umgebungsluft, so dass die Radon-Konzentration dort gering ist. In Innenräumen können jedoch hohe Radon-Konzentrationen erreicht werden. Atmet man Radon und seine radioaktiven Folgeprodukte Polonium, Wismut und Blei über einen längeren Zeitraum in erhöhtem Maße ein, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Dort wo Radon und seine kurzlebigen Folgeprodukte in der Luft vorhanden sind, können sie eingeatmet werden. Die Folgeprodukte lagern sich in der Lunge ab. Die beim Zerfall entstehenden Alpha-Teilchen treffen auf die strahlenempfindlichen Zellen des Lungengewebes und können diese schädigen.

Rund fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs in der deutschen Bevölkerung können Radon zugeschrieben werden. Damit ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs (und für lebenslange Nichtraucher die häufigste Ursache).

Weitere Informationen

zu gesundheitlichen Wirkungen finden Sie hier.

Was können Betroffene gegen Radon tun? Gibt es Grenzwerte, die beim Überschreiten Handlungen nötig machen?
Oft reichen kleine Maßnahmen aus, um den Radongehalt in Innenräumen und damit das Erkrankungsrisiko deutlich zu senken. Ist zu viel Radon im Haus, hilft es als Erstmaßnahme, regelmäßig und intensiv zu lüften. Da hohe Radon-Konzentrationen in der Regel dadurch entstehen, dass aus dem Baugrund radonhaltige Bodenluft eindringt, sollten neue Gebäude durchgehend gegen Bodenfeuchte und damit auch gegen das Eindringen von Radon abgedichtet und undichte Stellen in Bestandsgebäuden identifiziert und beseitigt werden.

Der Schutz vor Radon und seinen Risiken für die Gesundheit ist im Strahlenschutzgesetz und in der Strahlenschutzverordnung geregelt. Ziel ist es, den Eintritt von Radon in Gebäude weitgehend zu verhindern oder deutlich zu erschweren - insbesondere in Gebieten, in denen in vielen Gebäuden eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten ist. In diesen Gebieten gelten Schutzvorschriften, die für Wohngebäude und Arbeitsplätze unterschiedlich sind. Ein Referenzwert soll gemäß Strahlenschutzgesetz als Maßstab für die Angemessenheit von Schutzmaßnahmen dienen.

"Oft reichen kleine Maßnahmen aus, um den Radongehalt in Innenräumen und damit das Erkrankungsrisiko deutlich zu senken. Ist zu viel Radon im Haus, hilft es als Erstmaßnahme, regelmäßig und intensiv zu lüften."

Dr. Bernd Hoffmann, BfS

Als Maßstab für die Prüfung der Angemessenheit von Maßnahmen zum Schutz vor Radon dient gemäß Strahlenschutzgesetz ein Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft. Wird dieser so genannte Referenzwert überschritten, sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Radon-Konzentration im Gebäude zu senken. Ein Referenzwert ist jedoch kein Grenzwert, der nicht überschritten werden darf. Die Definition von "Referenzwert" ist international unterschiedlich. Allen Definitionen gemein ist, dass nicht erst bei Überschreitung des Referenzwertes gehandelt werden soll - Schutzmaßnahmen sind auch vorher sinnvoll.

Bis Ende 2020 müssen die Bundesländer ermitteln und bekanntgeben, in welchen Gebieten in vielen Gebäuden eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten ist. Das bedeutet, dass in diesen Gebieten der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter in mindestens jedem zehnten Haus, so die Strahlenschutzverordnung, überschritten wird. In diesen Gebieten gelten unterschiedliche Regelungen zum Schutz vor Radon - je nachdem, ob es sich um ein Wohngebäude oder einen Arbeitsplatz handelt.

Interview: Anna Florenske

Weitere Informationen:

Auf der Website des Bundesamts für Strahlenschutz finden Sie weitere Informationen zu Schutzmaßnahmen, gesetzlichen Regelungen und gesundheitlichen Wirkungen.

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