Netzwerk aus Biotopen

Eine Initiative, die ausstrahlt, die Nachahmer findet, die vielleicht einen Stein ins Rollen bringt. Das wünschen sich die Macher von "Natur in den Garten", ein Ende des vergangenen Jahres gestartetes Projekt des Verband Wohneigentum Niedersachsen, das jetzt in der Umsetzungsphase ist.

Gartenberater Hans Willi Heitzer
© Heitzer

Rund 20 Millionen private Gärten gibt es in Deutschland, zusammengerechnet ist ihre Fläche größer als die aller Naturschutzgebiete in unserem Land. Ein enormes Potential, das zur Unterstützung der heimischen Artenvielfalt genutzt werden kann.

Vor diesem Hintergrund hat der VWE Niedersachsen das Projekt "Natur in den Garten" konzipiert. Gartenberater Hans-Willi Heitzer erläutert die dahinterstehende Idee und die einzelnen Schritte der Kampagne, die unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies steht und von der Bingo-Umweltstiftung unterstützt wird.

Kleine Inseln bilden

"Jeder Siedlung ihr Biotop" - diese Vision verfolgen die Projektmacher aus Niedersachsen. "Damit greifen wir das in der Landschaft- und Freiraumplanung bekannte Instrument der Biotopvernetzung auf, das wir auf die Siedlungsflächen herunterskaliert haben", erklärt Heitzer.

Klassischerweise wird die Idee der Biotopvernetzung genutzt, weil natürlich nicht ganz Deutschland unter Naturschutz gestellt werden kann. Möglich ist es aber, kleine Inseln zu bilden, sogenannte Biotop-Trittsteine, wo Umweltschutzmaßnahmen umgesetzt werden, also beispielsweise Feuchtbiotope entstehen, Wildhecken gepflanzt oder Bäche renaturiert werden. "Auf diesen Inseln können sich die Bestände erholen, und wenn dieses Netz engmaschig gestaltet wird, können sich die Tiere von einer Insel zu nächsten bewegen", erläutert Heitzer.

Plakat
© Heitzer

Ideale Strukturen

Ein Vorbild: der unter Leitung der Sielmann Stiftung in der Nähe von Konstanz entstandene Biotopverbund Bodensee. Dort gibt es nun neue, qualitativ hochwertige Lebensräume, die zunächst jeweils nur relativ kleine Populationen von Tieren und Pflanzen beheimateten, aber so angelegt waren, dass diese sich vernetzen konnten. So entstanden stabile Meta-Populationen.

Ein weiteres Beispiel: die gartenübergreifende Aktion "Jeder Gemeinde ihr Biotop", die der renommierte Ornithologe Professor Peter Berthold vor Jahren ins Leben gerufen hat und die auf viele kleine Lebensräume setzt, die überall in der Republik entstehen sollen (einen Beitrag dazu finden Sie hier).

Für die Realisierung der Vernetzungsidee sind die verknüpften Strukturen des VWE, der sich für den Artenschutz einsetzt und sich das naturnahe und artenreiche Gärtnern auf die Fahne geschrieben hat, besonders geeignet.

Gruppenarbeit ist gefragt

In mehreren öffentlichen Auftaktveranstaltungen hat Heitzer über die Aktion informiert und auch die Kommunalpolitik mit ins Boot geholt, "die fanden das klasse". Konzipiert ist die Kampagne als Gruppenprojekt, um tatsächlich Siedlungsbiotope schaffen zu können. Alle Gartenbesitzer im Landesverband Niedersachsen waren zur Teilnahme aufgerufen, 50 Gärten wurden schließlich in das Projekt aufgenommen, "nur so können wir eine fundierte Betreuung gewährleisten", so Heitzer. Allerdings seien alle Interessenten in den Informationspool aufgenommen worden.

Die Teilnehmer haben sich dann in sieben Gruppen zusammengeschlossen, jeweils vor Ort betreut von einem ehrenamtlichen Gartenberater.

Vom Steckbrief zur Maßnahme

In einem ersten Schritt wurden die Gärten erfasst und kartiert: Lage, Größe, Bodenbeschaffenheit und klimatische Bedingungen sowie die Bepflanzung. Diese Eckdaten hat Heitzer analysiert - und auf Grundlage dieser Analyse schließlich Maßnahmen empfohlen (s. Kasten "Artenvielfalt bewahren"). Vorab hatten sich die Teilnehmer bereits verpflichtet, mindestens drei und bis zu fünf der empfohlenen Schritte zu realisieren. Diese - coronabedingt leicht verzögerte - Umsetzungsphase wird fotografisch dokumentiert und schriftlich festgehalten.

Plakette für den Gartenzaun
© Heitzer

Mit einem Fotowettbewerb unter dem Motto "Wir haben neue Nachbarn" sollen nun im Anschluss die gelungenen Projekte vorgestellt und andere Gartenbesitzer zur Nachahmung motiviert werden, damit das Biotop-Netzwerk noch engmaschiger geknüpft werden kann. Jeder teilnehmende Garten bekommt zudem eine Plakette.

Neue Netzwerke

Über allem steht der Gedanke der Vernetzung. Für Heitzer ist es verwunderlich, dass viele Menschen diese Idee "eher über die Digitalisierung verstehen als über die Natur. Die Natur ist doch eigentlich das Vorbild, die Netzwerke der Natur". Die Kampagne zeige, wie sich Gruppen finden und zusammen Dinge erarbeiten. "Auch hier haben sich erste Netzwerke gebildet, die wir langfristig ausbauen wollen".

Zu sehen sein soll das dann alles in einer digitalen, laufend aktualisierten Karte der teilnehmenden Gärten, die verdeutlicht, wie das Modell des Siedlungsbiotopverbandes umgesetzt wird. Geplant ist, das Projekt weiterzuentwickeln - im Idealfall kann mal also das Netzwerk online wachsen sehen.

Artenvielfalt bewahren

  • Pflanzung heimischer Vogelnährgehölze, die während ihrer Blüte Nahrung für Insekten bieten

  • Umwandlung ökologisch minderwertiger Gartenbereiche in insektenfreundliche Staudenbeete

  • Umgestaltung von Rasenflächen zu Blumenwiesen

  • Anlage von Totholzhaufen oder Trockenmauern für Igel und Reptilien

  • Platzierung mehrerer Vogelnisthilfen an verschiedenen Stellen im Garten

  • Platzierung von Insektennisthilfen für Wildbienen

  • Ansiedlung von Fledermauskolonien unterstützen durch mehrere Fledermausröhren

  • Verzicht auf den Einsatz von Torf, synthetischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern

Wer sich über das Projekt informieren möchte, kann das hier tun.
via E-Mail: h.heitzer@meinvwe.de
Facebook: Gruppe "Natur in den Garten"

Seifenkraut
Beispiel für eine Insektenstaude: das Seifenkraut   © Heitzer

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