Das ändert sich 2022 Gebäude, Wohnen, Energie & Klimaschutz

In diesem Jahr ändert sich so einiges. Zum Beispiel: Die Anforderungen an den Klimaschutz im Gebäudesektor und der CO2-Preis für fossile Brennstoffe steigen. Dafür gibt es mehr Fördergelder. Neue Vorgaben sind bei der Heizkostenabrechnung zu beachten. Die EEG-Umlage sinkt.

Landschaft Steppe - Gras
Um die Folgen des Klimawandels aufzuhalten, ändert sich in diesem Jahr einiges. Der VWE verfolgt alle Prozesse aufmerksam und engagiert sich dafür, dass Klimaschutz bezahlbar bleibt.   © PantherMedia mihtiander

- Der CO2-Preis für Kraftstoff, Heizöl und Gas steigt

Die Abgabe steigt in diesem Jahr von 25 auf 30 € pro Tonne CO2. Der höhere CO2-Preis soll Anreiz sein, bestehende Heizsysteme zu optimieren und den Heizungswechsel hin zu erneuerbaren Energien attraktiver machen. Für beide Maßnahmen gibt es staatliche Förderungen. Welche für Ihr Vorhaben infrage kommen, zeigt der FördermittelCheck des Verbraucherschutzportals co2online.

- Neue Heizkostenverordnung: digitale Zähler Pflicht

Seit dem 1. Dezember 2021 müssen neu eingebaute Heizkostenverteiler auch aus der Ferne ablesbar sein. Messdienstleister brauchen dann die Wohnung nicht mehr zu betreten, sondern erfassen die Verbrauchsdaten via Funk oder über das Internet. Zudem müssen Geräte verschiedener Hersteller nun vollständig miteinander kompatibel sein und Daten untereinander austauschen können. Wird lediglich ein einzelner Zähler ausgetauscht, der Teil eines Verbunds mit anderen im Übrigen nicht fernablesbaren Geräten ist, greift die Pflicht nicht.

Vorhandene und nicht fernablesbare Heizkostenverteiler müssen bis Ende 2026 entweder

Ausnahmen: Der Austausch ist durch besondere Umstände technisch unmöglich oder der Aufwand ist unangemessen hoch.

Tipp: Überprüfen Sie Ihre Heizkostenabrechnung!

- Informationspflicht bei Vermietung

Wenn fernablesbare Messgeräte installiert sind, haben Vermieter und Vermieterinnen die Pflicht, ihre Mieter monatlich über die Abrechnungen und Verbrauch zu informieren. Heizkostenabrechnungen müssen jetzt folgende Informationen enthalten:

Wichtig:

Kommen Eigentümer den gesetzlichen Installations- und Informationspflichten nicht nach, können Mieter ihren Kostenanteil um 3 % kürzen.

- EEG-Umlage sinkt spürbar

So niedrig war die EEG-Umlage seit 10 Jahren nicht: Zum 1. Januar 2022 sinkt sie von 6,5 Cent/kWh auf 3,72 Cent/kWh. Der Grund: Strom aus Erneuerbaren wird immer wirtschaftlicher, deshalb geht der Förderbedarf zurück. Die Förderung von erneuerbaren Energien wurde seit 2021 teilweise durch den Bundeshaushalt finanziert.

Hinweis von co2online

"Ob dadurch der Strompreis für Kund*innen stabil bleibt oder sich sogar vergünstigt, hängt vom jeweiligen Energieversorger ab. Ökostrom ist trotzdem oft günstiger als der Grundversorger-Tarif. Mit unserer Ökostrom-Suche finden Sie Anbieter für Ihre Region."

- Ende der Einspeisevergütung für Ü20-Anlagen

Photovoltaik-Anlagen, die vor oder im Jahr 2001 ihren Betrieb aufgenommen haben und Strom ins öffentliche Netz einspeisen, erhalten keine zusätzlichen EEG-Förderungen mehr. Zwar muss der jeweilige Netzbetreiber den eingespeisten Strom weiterhin abnehmen, die Vergütung hängt dann jedoch alleinig vom Börsenstrompreis ab.

Wenn die alten Anlagen noch recht gut funktionieren, gilt im Einzelfall zu prüfen, was sich wirtschaftlich am meisten lohnt: Entweder den kompletten Strom wie gehabt ins öffentliche Netz einspeisen oder die Anlage auf Eigenverbrauch umstellen, einen Stromspeicher nachrüsten und nur noch den überschüssigen Strom einspeisen. Sprechen Sie am besten den Fachbetrieb an, der die Anlage aufgebaut hat.

- Förderung für KfW "Effizienzhaus 55" entfällt

Ab 1. Februar 2022 gibt es über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) nicht länger Förderung für Neubauten der Effizienzhaus-Stufe 55. Nach dem Förderstopp werden die Neubau-Standards an den strengeren Standard "KfW-Effizienzhaus 40" angeglichen. Die Förderung der anderen Effizienzhaus-Stufen sowie Gebäudesanierungen bleibt unverändert.

- Strengere Vorgaben für Recycling von alten Elektrogeräten

Verbraucherinnen und Verbraucher können alte Elektrogeräte nun auch bei vielen Lebensmitteleinzelhändlern kostenlos abgeben. Für kleine Elektroaltgeräte, wie Handys oder Taschenlampen, gilt dies unabhängig vom Neukauf eines Produkts, für größere Altgeräte beim Kauf eines entsprechenden neuen Artikels. Hintergrund: Es gibt immer mehr ausgemusterte Geräte. Deren Rohstoffe gilt es möglichst umfassend zu recyceln. Die neue Behandlungsverordnung für Elektro- und Elektronik-Altgeräte schreibt detailliert und bundeseinheitlich vor, welche schadstoffhaltigen Bauteile zu welchem Zeitpunkt zu entfernen sind. Zuvor hatte die Bundesregierung die Novelle des Elektro- und Elektronikgeräte-Gesetzes auf den Weg gebracht. Die neue Behandlungsverordnung erfasst erstmals auch das Recycling von Solarmodulen.

- Neue Vorschriften für Schornsteine ab 2022

Eine Verordnung schreibt ab 2022 vor, dass neu errichtete Pelletheizungen, Kachelöfen oder Kamine einen so hohen Schornstein haben müssen, dass ihre Abgase von der Luftströmung fortgetragen werden. Bestandsanlagen sind von der Neuregelung ausgenommen.

- Innovationsprämie für E-Autos verlängert

Die aktuelle Innovationsprämie wird bis Ende 2022 verlängert. Wer ein reines E-Fahrzeug kauft, bekommt ab dem 1. Januar weiterhin bis zu 9.000 Euro Förderung. Plug-in-Hybride werden mit maximal 6.750 Euro gefördert - allerdings nur, wenn sie eine elektrische Mindestreichweite von 60 Kilometern aufweisen. Die CO2-Emissionsgrenze von 50 Gramm pro Kilometer bleibt bestehen.

- Bezahlen an E-Ladesäulen ist einfacher

Das Bezahlen an öffentlichen E-Ladesäulen wird einfacher und nutzerfreundlicher. Dafür sorgt die novellierte Ladesäulenverordnung, die am 1. Januar 2022 in Kraft tritt. Sie legt fest, dass Ladesäulen, die ab dem 1. Juli 2023 erstmalig in Betrieb genommen werden, mindestens das kontaktlose Bezahlen mit gängiger Kredit- und Debitkarte ermöglichen müssen.

- Kürzere Kündigungsfristen bei Energielieferverträgen

Bisher konnten bei vielen Energieanbietern die Laufzeitverträge nur 3 Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt werden. Ansonsten würden sie sich um ein Jahr verlängern. Für Verträge, die ab dem 1. März 2022 geschlossen werden, gilt dies nicht mehr: Diese Verträge dürfen nur noch eine Kündigungsfrist von einem Monat haben.

- Wohnungseigentum: Anspruch auf zertifizierten Verwalter

Ab Dezember 2022 gilt, dass Eigentümergemeinschaften mit mehr als acht Einheiten Anspruch auf einen zertifizierten Verwalter haben. Dies können die Mitglieder als Teil einer ordnungsgemäßen Verwaltung verlangen. Die Qualifikation ist durch einen Sachkundenachweis zu belegen. Als zertifizierter Verwalter darf sich nach dem Gesetz bezeichnen, wer vor einer Industrie- und Handelskammer durch eine Prüfung nachgewiesen hat, dass er über die für diese Tätigkeit notwendigen rechtlichen, kaufmännischen und technischen Kenntnisse verfügt. Für kleinere Gemeinschaften gilt dies weiterhin nicht.


Anna Florenske
Quellen: Bundesregierung/co2online/Verbraucherzentrale NRW