Ressourcen nachhaltig nutzen

1. September 2007
Rund 500 geladene Gäste aus Politik, Behörden, Verbänden – auch aus den europäischen Nachbarländern – fanden sich am 9. Juli 2007 zum ersten Deutschen Verbrauchertag in Berlin ein. Ans Rednerpult traten Bundespräsident Horst Köhler, Horst Seehofer als zuständiger Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Professor Klaus Töpfer, der unter anderem Bundesminister für Umwelt und Naturschutz sowie für Bauwesen war, bevor er internationale Verantwortung bei den Vereinten Nationen übernahm. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte unter dem Motto „Verbrauchermacht und Verantwortung“ ein Konzept entwickelt und hierbei die Verbraucherzentralen der Bundesländer und die Mitgliedsverbände einbezogen. So konnte eine bunte Palette verschiedener Aktionen zum nachhaltigen Konsum auf der Galerie des „ewerks“ präsentiert werden.

Bundespräsident Köhler
Alfons Löseke erläutert Bundespräsident Horst Köhler den Beitrag der Wohneigentümer zum nachhhaltigen Bau- und Siedlungswesen.  

Der Beitrag des Verbands Wohneigentum befasste sich mit der bedarfsgerechten Modernisierung von selbstgenutztem Wohneigentum. Mit dem Schlagwort „Ressourcen nachhaltig nutzen“ wurde die erprobte Praxis der Pflege des besonderen Wirtschaftsgutes „Familienheim“ aufgegriffen. Als nachhaltig wird eine Entwicklung dann bezeichnet, wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre jeweiligen Bedürfnisse zu befriedigen. Zu berücksichtigen sind hierbei drei Bereiche, nämlich Umwelt, soziales Zusammenleben und Wirtschaft – sowohl lokal als auch global. Jeder, der ein Haus gebaut oder saniert hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass ein Haus eine Investition fürs Leben ist und dass sich die Lebensdauer des Hauses durch zeitgemäße Anpassung an die Bedürfnisse seiner Bewohner erhöht. Ressourcen schonen und soziale Bindungen pflegen gelingt ganz offensichtlich beim Erhalt intakter Eigenheime und Siedlungsstrukturen.

Das „zweite Preisschild“

Bundespräsident Köhler bestärkte in seiner Rede die Verbraucherschutzverbände in ihrer Arbeit. Besonders hob er das Engagement des scheidenden Vorstands des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Professorin Edda Müller, hervor. Einfordern geeigneter Rahmenbedingungen durch die Politik sei so wichtig wie die Aufklärung der Konsumenten über die Produkte, deren Bestandteile, Produktionsweisen und Auswirkungen auf Ökologie und soziale Entwicklung. Das „zweite Preisschild“ müsse die Kosten aufzeigen, die durch Arbeitsbedingungen und Eingriff in die Natur entstehen. Lokale und globale Bezüge müssten den Verbrauchern bewusst werden, um nicht nur möglichst billig, sondern im eigentlichen Sinne „preis-wert“ kaufen zu können.

„Nachhaltiger Konsum ist keine Frage des Geldes, es ist eine Frage der Information und der richtigen Wahl“, betonte Köhler etwa im Hinblick auf eine alltagstaugliche Lebensweise, die auch jedem Haus- und Gartenbesitzer selbstverständlich ist: Gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, weniger Fleisch, Fett und Fertigprodukten, in denen viel Landschaftsverbrauch für Futtermittel und Energie für Konservierung und Verpackung aufgewandt werden, ist eher günstiger denn teurer für den Endverbraucher.

Alfons Löseke
Alfons Löseke, Präsident des Verbands Wohneigentum, inspiziert die Info-Wand, bevor der Bundespräsident die Ausstellung besucht.  

Macht durch Nachfrage

Den Einfluss des Verbraucherverhaltens stellte Edda Müller heraus. Die marktwirtschaftliche Logik gilt im globalen Markt wie auf jedem Wochenmarkt: Letztlich wird nur das produziert, was gekauft wird. Wenn bekannt würde, dass eine Ware unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werde, breche die Nachfrage umgehend ein, so Müller. Umgekehrt sei es ein Kaufanreiz, wenn Unternehmen die Qualität ihres Produkts mit der sozialen und ökologischen Qualität der Herstellung bewerben. Notwendig seien für die bewusste Entscheidung der Verbraucher überschaubare, verlässliche Informationen.

Projektdatenbank Nachhaltigkeit

Die Projekte der Verbraucherzentralen und der Mitgliedsverbände, zu denen der Verband Wohneigentum zählt, wollen durch Information und Beratung zu bewusster Verbraucherentscheidung verhelfen. Im Internet unter http://www.verbrauchertag.de in der Rubrik „Projektdatenbank Nachhaltigkeit“ ist eine Vielzahl verschiedenster Ideen und Angebote abrufbar. „Selbstgenutztes Wohneigentum – bedarfsgerecht modernisieren“ des Verbands Wohneigentum ist dabei. Präsident Löseke hatte die Gelegenheit, Bundespräsident Köhler auf den Beitrag der Eigenheimbesitzer zum ressourcenschonenden Wirtschaften hinzuweisen. Neben vielen anderen Tagungsteilnehmern nahmen Horst Köhler und Professor Klaus Töpfer die Präsentation interessiert zur Kenntnis.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband plant unter dem neuen Vorstand Gerd Billen, den Deutschen Verbrauchertag zukünftig regelmäßig zu einem zentralen verbraucherpolitischen Thema zu veranstalten. Er soll nach diesem Startschuss ein Forum für Fachleute werden, die drängende Fragestellungen, auch Rechtsfragen, gemeinsam erörtern.

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