Einkommensteuer kann fällig werdenEine frühzeitige Selbstprüfung schützt vor Fragen des Finanzamtes

Die Informationskampagne im Zusammenhang mit der neuen Rentenbesteuerung ab 2005 hat dazu geführt, dass viele Ruheständler Ihre steuerliche Situation überprüft haben. Sie hat aber offensichtlich noch nicht jeden Betroffenen erreicht. Die Ansicht, dass Rentner nicht mehr steuerpflichtig sind, ist immer noch weit verbreitet. Darum machen sich auch viele Ruheständler keine Gedanken über Steuererklärungen oder Steuern. Renten sind aber mit einem Teilbetrag steuerpflichtig!

Seit 2005 ist es Pflicht: Private und gesetzliche Rentenversicherungen, berufsständische Versorgungseinrichtungen und sonstige Versicherer müssen alle Rentenzahlungen an eine Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) melden. Die ZfA wiederum leitet die Daten an die Finanzbehörden weiter – ein Prozess, der sich über die Jahre, zum Teil aus technischen Gründen, verzögert hat. Im Oktober 2008 jedoch wurden die alten Steuernummern durch Steueridentifikationsnummern ersetzt. Und diese Nummern erhalten nicht nur Bürger, die bisher schon beim Fiskus erfasst waren, sondern jeder – vom Baby bis zum Ruheständler. Dadurch wird die Steuerpflicht des Einzelnen transparenter und die Finanzämter sind in der Lage, steuerpflichtige Rentner zur Abgabe einer Steuererklärung aufzufordern.

Die Deutsche Steuergewerkschaft (DStG) geht davon aus, dass mittlerweile 30 bis 40 Prozent der rund 15 Millionen Rentnerhaushalte in Deutschland Einkommensteuern zahlen müssten. Ungefähr 2 Millionen davon waren aber bisher noch nicht erfasst.

Kontrollen ab 2009

Grundsätzlich gilt, wie für alle Einkommen, auch für Alterseinkünfte der Steuerfreibetrag von 7.664 € (für zusammen veranlagte Paare 15.328 €). Bei Rentenauszahlungen ist rund die Hälfte steuerpflichtig. Beiträge zur Kranken- und Pflegekasse können abgezogen werden. Zu den Einkünften zählen auch Zinsen, Dividenden oder Mieten. Bei den zu erwartenden neuen Kontrollen ab 2009 wird dies alles auf dem Tisch des Finanzamts liegen. Zählt man dies zusammen, kann es bei dem einen oder anderen Rentner dazu kommen, dass die Freibeträge überschritten werden und als Folge Einkommensteuer zu zahlen ist. Häufig folgen auch Nachfragen der Behörden zu vergangenen Jahren und zu den Gründen für das bisherige Verschweigen von steuerpflichtigen Einkünften.

Bei geringfügiger Überschreitung der Freibeträge kommt es häufig nur zu einer geringen Steuerbelastung. Bis heute gibt es aber keine Bagatellgrenze, sodass auch bei geringen Steuerbeträgen, z.B. unter 500 €, ein Steuerfall entsteht – mit allen Konsequenzen wie Steuererklärung, Nachfragen, Steuerbescheid usw.

Das selbstgenutzte Wohneigentum an sich fällt jedenfalls nicht unter die Einkommensteuerpflicht. Zu den übrigen steuerpflichtigen Einkunftsarten kann und sollte jetzt noch jeder in sich gehen, seine Einkünfte prüfen und eventuell erforderliche steuerliche Konsequenzen ziehen, bevor die Kontrollnachfrage des Finanzamtes kommt.

H.-Jochen Gerlach
Steuerberater