Altersgerechte WohnungsgestaltungBedarfsgerecht nicht nur für das Wohnen im Alter

1. Oktober 2009


Wohnen im Alter verbinden viele mit dem Wohnen im Heim. Jedoch nur rund 7 Prozent der älteren Menschen leben in Sonderwohnformen – also in Alten- und Pflegeheimen, im Betreuten Wohnen oder in gemeinschaftlichen Wohnformen. Die häufigste Wohnform im Alter ist die normale Wohnung, hier leben 93 Prozent der älteren Menschen. Die meisten älteren Menschen leben auch dann noch in normalen Wohnungen, wenn sie auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Von den rund 1,7 Mio. Pflegebedürftigen über 65 Jahren werden nach der aktuellen Pflegestatistik etwa zwei Drittel zu Hause versorgt. Überdurchschnittlich häufig leben ältere Menschen dabei im Wohneigentum. Laut Mikrozensus wohnen rund 48 Prozent (bundesdurchschnittlich 42 Prozent) der Haushalte der Altersgruppe 65+ im Eigenheim und 52 Prozent zur Miete.

Viele der von Älteren genutzten Wohnungen entsprechen jedoch nicht den besonderen Wohnbedarfen im Alter:

Schätzungen gehen davon aus, dass nur 1 Prozent der rund 40 Mio. Wohneinheiten altersgerecht gestaltet ist. Alle anderen Wohnungen weisen zum Teil erhebliche Barrieren auf. Diese Barrieren können im Alter die Gesundheit gefährden, die Nutzungsmöglichkeit der Wohnung einschränken und die selbstständige Lebensführung erheblich beeinträchtigen. Unter Umständen besteht die Gefahr, die Wohnung verlassen zu müssen und aufgrund dieser Barrieren in eine andere Wohnung weg aus dem vertrauten Wohnviertel, oder vielleicht sogar in ein Heim umziehen zu müssen.


Durch eine rechtzeitige Anpassung der Wohnung an die besonderen Bedarfslagen im Alter können die oben genannten Risiken vermieden werden. In den vergangenen Jahren sind viele Möglichkeiten entwickelt worden, die Wohnungen an die veränderten Bedarfe im Alter anzupassen. Mittels Rampen oder Treppenliften lassen sich Stufen und Schwellen überwinden, unterfahrbare Waschbecken oder bodengleiche Duschen ermöglichen eine Nutzung des Bades auch bei Mobilitätseinschränkungen. Es gibt spezielle Haltegriffe oder leicht bedienbare Armaturen, die die Wohnqualität verbessern.


Anpassungsmaßnahmen müssen nicht immer kostspielig sein, schon mit kleinen Maßnahmen kann man mehr Sicherheit und Bewegungsfreiheit erreichen. So kosten Stützgriffe im WC zwischen 300 und 400 Euro und ein beidseitiger Handlauf um 700 Euro. Für behindertengerechte Türen können inklusive Einbau zwischen 800 und 900 Euro Kosten entstehen. Für die Montage eines unterfahrbaren Waschbeckens muss man mit etwa 800 Euro rechnen. Der Einbau von Rampen zur Überwindung von Stufen vor oder hinter einem Wohngebäude beläuft sich je nach Länge, Material und sonstigen Gegebenheiten auf Kosten zwischen 500 und 7.500 Euro. Eine bodengleiche Dusche kostet einschließlich Einbau zwischen 3.000 und 3.500 Euro. Der Einbau eines Treppenliftes ist mit 6.000 bis 20.000 Euro kostspieliger.

Damit alles so bleiben kann wie es ist, sind solche Veränderungen häufig notwendig und hilfreich. Vor allem sollte bei ohnehin anstehenden Renovierungsarbeiten ein barrierearmer Umbau mitgeplant werden. Noch mehr Kosten kann man sparen, wenn man direkt barrierefrei neu baut.

Zur Finanzierung solcher Umbaumaßnahmen können bei unterschiedlichen Kostenträgern Finanzmittel beantragt werden:


Die Vermeidung von Stufen und Schwellen, die Schaffung ausreichender Bewegungsflächen und Türbreiten aber auch der Einbau einer bodengleichen Dusche ist nicht nur für Ältere attraktiv. Auch für junge Familien bringen solche barrierefreien oder barrierearmen Wohnungen mehr Wohnqualität mit sich. Mit dem Kinderwagen sind keine Stufen und Schwellen zu überwinden, mehr Bewegungsflächen und Sicherheit im Bad kommen auch kleinen Kindern zugute.

Investoren können zudem den Marktwert einer Immobilie angesichts der wachsenden Zahl älterer Menschen in Zukunft steigern, wenn sie diese barrierefrei oder barrierearm gestalten. Bis 2020 wird im Bundesdurchschnitt mit einer Zunahme der über 65jährigen um 20 Prozent und der über 80jährigen um etwa 50 Prozent gerechnet. Angesichts der Zunahme der älteren Bevölkerung und der Barrieren, die in vielen von älteren Menschen genutzten Wohnungen bestehen, wird in Zukunft der Mangel an barrierefreien und barrierereduzierten Wohnungen noch größer werden.

Ursula Kremer-Preiß
Kuratorium Deutsche Altershilfe

Der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung hat, unterstützt durch das Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung eine Sachverständigenkommission einberufen, an deren Sitzungen auch der Verband Wohneigentum teilnimmt. Die Kommission analysiert mit Blick auf die notwendigen Anpassungsmaßnahmen den staatlichen Handlungsbedarf und erarbeitet entsprechende Politikempfehlungen. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe www.kda.de begleitet diesen Prozess wissenschaftlich und setzt sich seit über 40 Jahren für die Gestaltung altersgerechter Wohn- und Versorgungsangebote für ältere Menschen ein. Das KDA entwickelt altersgerechte Wohnkonzepte und berät und begleitet Investoren und Dienstleister bei der Umsetzung. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat es aktuell die Informationsbroschüre "Leben und Wohnen für alle Lebensalter – bedarfsgerecht, barrierefrei, selbst bestimmt" entwickelt, die vielfältige Informationen und Praxisbeispiele zur altersgerechten Gestaltung von Wohnangeboten enthält und in Kürze über das Bundesfamilienministerium www.bmfsfj.de bezogen werden kann.

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