Klimaveränderung in Deutschland

Der Begriff „Klimawandel“ ist in aller Munde. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Aufklärung gibt Dr. Hans Schippervom Helmholtz-Klimabüro in Karlsruhe. Er erläutert die Ursachen und weist praxistaugliche Tipps für den einzelnen Verbraucher auf.

Elf der zwölf Jahre von 1995 bis 2006 gehören global gesehen zu den wärmsten seit Beginn der instrumentellen Aufzeichnungen (1850). Dies ist ein Ergebnis des neuesten Sachstandsberichts des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) von 2007. Zwar war 2008 wieder etwas kälter als 2007, steht aber immer noch an neunter Stelle der wärmsten Jahre.


In den letzten 100 Jahren ist die Temperatur auf der Erd­oberfläche um durchschnittlich 0,74°C angestiegen. Ursache ist vor allem die Zunahme der Treibhausgase, wie z.B. Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4), in der Atmosphäre. Treibhausgase lassen zwar die Sonnenstrahlung durch, absorbieren aber die Wärmestrahlung der Erde und lassen so die Lufttemperatur ansteigen.


Die CO2-Konzentration liegt, mit momentan fast 380 ppm1 so hoch wie noch nie in den letzten 400.000 Jahren. Während dieses Zeitraums gab es Eiszeiten mit einer Konzentration von 180 ppm, in den wärmeren Perioden zwischen den Eiszeiten hingegen lag die Konzentration bei 280 ppm. Die momentane Konzentration ist eine Folge der zunehmenden Verbrennung von fossilen Energieträgern seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Da die Temperatur verzögert ansteigt (unter anderem bedingt durch den Einfluss der Ozeane), stehen wir erst am Anfang der Atmosphären-Erwärmung.

Ein Anstieg der Temperatur hat weitreichende Folgen, z.B. für die globale Niederschlagsverteilung und somit auch für die Pflanzen- und Tierwelt sowie die Landwirtschaft.


Um ein zukünftiges Klima abbilden zu können, werden weltweit verschiedene CO2-Szenarien durchgespielt. Entscheidend ist, wie viel CO2 in Zukunft ausgestoßen wird. Aktuelle Ergebnisse zeigen eine voraussichtliche Zunahme der Lufttemperatur für Deutschland zwischen 1,5 und 3,7°C bis Ende 2100.


Ein globaler Anstieg der Temperatur kann sich unterschiedlich auswirken. Man denke dabei an den massiven Rückgang des Meereises in der Arktis. In unseren Breiten werden der Rückgang der Gletscher, die Abnahme von Frosttagen und die Zunahme von Sommertagen als direkte Folgen gewertet.

Vielmehr noch als die Temperatur hat der Niederschlag Einfluss auf Industrie und Landwirtschaft. Der Sommer 2003 hat gezeigt, dass hohe Temperaturen in Kombination mit wenig Niederschlag z.B. in Landwirtschaft und Schifffahrt große Probleme verursachen.

Eine Folge des Klimawandels ist auch die Zunahme des Niederschlags im Winter, der aufgrund höherer Temperaturen eher in Form von Regen anstatt von Schnee fallen wird. Dies vergrößert die Gefahr von Bodenerosion und Überschwemmungen.


Der momentane Klimawandel wird durch die von Menschen verursachte Zunahme von Treibhausgasen befördert. Daher müsste man meinen, dass sich das Problem einfach lösen lässt. Unglücklicherweise ist unsere Gesellschaft aber so abhängig von fossilen Brennstoffen, dass sogar eine geringe Reduzierung des Verbrauchs erhebliche wirtschaftliche Probleme mit sich bringt.

Eine wichtige Vorgabe zur CO2-Reduzierung wurde 1997 durch das Kyoto-Protokoll gesetzt. Die nächste Konferenz findet vom 7. bis 18. Dezember 2009 in Kopenhagen statt. Dort wird der Klimaschutz nach 2012, wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft, ein wichtiger Punkt sein.

Der Klimawandel findet nicht nur in der Zukunft statt, sondern ist schon heute spürbar. Die Anpassung daran wird eine große Aufgabe sein. Dazu gehören unter anderem Veränderungen im Hochwasser- und Küstenschutz, bei der Stadtplanung, im Bereich der Siedlungsflächen sowie in der Forst- und Landwirtschaft.


Zum Klimaschutz kann jeder Einzelne durch eine Senkung des persönlichen CO2-Verbrauchs beitragen. Dies kann im Kleinen anfangen, indem man zum Beispiel weniger Auto fährt oder fliegt. Oder aber auch der Einsatz erneuerbarer Energien im Hausgebrauch. Die Umrüstung auf entsprechende Systeme wird durch verschiedene Fördermodelle bezuschusst.

Klimawandel muss nicht das von den Medien oft beschworene Schreckgespenst sein. Vielmehr kann man durch ein bewusstes Umdenken sowie kleine Taten im täglichen Leben einen persönlichen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten – auch ohne kostspielige Investitionen.

Dr. Hans Schipper

Die Klimabüros
Bundesweit gibt es vier regionale Helmholtz-Klimabüros, die fundierte Informationen aus der Forschung für die Öffentlichkeit, Politik, Wirtschaft und Medien zusammenstellen. (http://www.klimabuero.de)

Dr. Hans Schipper ist Mitarbeiter des Süddeutschen Klimabüros am Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Kontakt: klimabuero@kit.edu