Patenschaft am Beispiel NiedersachsenBericht eines „Paten“

6. November 2009



Datscha
In der DDR eine Oase des Privatlebens, im Westen eher als Teil des Kleingartens bekannt: die Datscha. Auch heute ist ihr Status noch nicht überall geklärt. Diese Datscha steht in Brandenburg, Siedlergemeinschaft Groß Klessow.   © C Reipert
Der Landesverband Niedersachsen beschloss, sich der Aufgabe zu stellen und sich in der Aufbauarbeit zu engagieren. Dabei wurde er vom Bundesverband unterstützt, der festlegte, dass Niedersachsen die Patenschaft für die Siedler in Sachsen-Anhalt übernehmen sollte.


Am 20. Juni 1990 fuhr ich erstmals zur Siedlersparte nach Gardelegen. Für mich war diese Fahrt so etwas wie eine Reise in ein unbekanntes Land. Noch gab es die innerdeutsche Grenze und am Grenzübergang Oebisfelde stand der Grenzposten, jedoch ohne zu kontrollieren. Es war schon ein seltsames Gefühl, durch Oebisfelde zu fahren, die grauen Häuser zu sehen und sich an die Straßenverhältnisse zu gewöhnen. Auf der weiteren Fahrt kamen die Gedanken: Wie wird man in Garlegen aufgenommen? Was erwarten die Menschen von uns? Wird man sich verstehen und den richtigen Umgang miteinander finden?

In Gardelegen angekommen, war die Aufnahme durch den Vorstand und die Mitglieder der Sparte sehr freundlich. Das Spartenheim war der Mittelpunkt der Siedlung, Ort für die Gemeinschaftsaktivitäten und das soziale Leben. Es war ein interessantes und anregendes Gespräch, bei dem nicht nur die Arbeit des DSBs und seiner Gemeinschaften vorgestellt wurde. Vor allem gab es viele Einblicke ins bisherige Leben der Eigenheimer als Haus- und Gartenbesitzer: über ihre Organisation im, Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK), die Bemühungen und Schwierigkeiten, ihre Häuser zu erhalten sowie über ihre Pläne für die Zukunft. Es kamen natürlich auch Fragen auf, beispielsweise wie das Eigentum an den Siedlungsgrundstücken zu erreichen sei und wie die Gemeinschaft das selbstgebaute Spartenheim in Eigenregie übernehmen könne.


Dieser erste Kontakt in Garlegen war Auftakt für viele weitere Besuche von Siedlersparten. So wurden in den Jahren 1991 bis 1995 Gespräche in Salzwedel, Tangermünde, Aschersleben, Zschornewitz, Könnern und Magdeburg geführt. In Infoveranstaltungen konnte Horst Zumüller den DSB und ich das Leistungsangebot der Organisation vorstellen.

Zur weiteren Unterstützung der Aufbauarbeit in Sachsen-Anhalt fanden Sprechtage statt, in denen ich die rechtliche Beratung der Siedler durchführte, die sich nach der Wiedervereinigung auf die für sie neuen gesetzlichen Bestimmungen einstellen mussten. Viele Fragen bezogen sich auch auf die künftigen finanziellen Belastungen, die durch Erschließungsmaßnahmen auf die Siedler zukommen würden. Die Siedlungen befanden sich fast immer in der Ortsrandlage ihrer Stadt und boten damit das klassische Bild einer so genannten vorstädtischen Kleinsiedlung mit entsprechend geringem Erschließungsausbau. Dazu kam die besondere wirtschaftliche Situation der Siedler nach der Wende.

Um den Anfang des Landesverbandes in Sachsen-Anhalt weiter zu fördern, übernahm die Landesgeschäftsstelle in Niedersachsen in den Anfangsjahren die Mitglieder- und Beitragsverwaltung. Im Gegenzug kam Christa Müller aus Halle/Saale für einige Tage nach Hannover, um die Arbeit im DSB/Verband Wohneigentum kennenzulernen.
Nach jetzt 20 Jahren liegen diese Aufbaujahre weit zurück. Geblieben ist aber die Erinnerung an die freundlichen, aufgeschlossenen Menschen in Sachsen-Anhalt, denen wir Unterstützung durch den Zusammenschluss im DSB leisten konnten.

Gerhard Volberg
Ehemaliger Geschäftsführer des Landesverbands Niedersachsen