Klimaschutz im GartenGartenfachberater tagten in Dortmund

Mit der Unterscheidung „Wetter ist nicht Klima“, aber die klimatischen Verhältnisse beeinflussen das Wetter, drehte sich die diesjährige Tagung der haupt- und ehrenamtlichen Gartenfachberater des Verbands Wohneigentum um ein aktuelles politisches Thema. Klimaschutz ist die Zielvorgabe vieler Maßnahmen bei Neubau von Immobilien und der energetischen Bestandssanierung, natürlich auch bei Verkehr, Industrie sowie Energieerzeugung und -verteilung. Der Hausgarten als Ort von Klimawandel und Klimaschutz ist erstmals im Bundeswettbewerb des Verbands Wohneigentum 2009 ausdrücklich als eigenständiges Bewertungskriterium begutachtet worden.

Aufmerksam folgten die Gartenfachberater den verschiedenen Vorträgen zum hochaktuellen Tagungsthema.  
In den heißen Sommerwochen kann jeder den Test machen, wo die Hitze erträglicher ist: auf der zugepflasterten Hofeinfahrt, im mit Kies ausgelegten Vor-„Garten“ mit minimalistischer Bonsaibepflanzung oder auf der Wiese zwischen blühenden Büschen und dem klassischen, Schatten spendenden Hausbaum. Prognostiziert wird, dass der Klimawandel, der sich an den steigenden Durchschnittstemperaturen ablesen lässt, auch in Mitteleuropa weiträumige Wetterveränderungen mit sich bringen wird: vermehrt extreme Wolkenbrüche, Sturm, Hagel, intensivere Kälte- und Hitzperioden. Haus- und Gartenbesitzer können mit bewusster Bepflanzung rund ums Haus und durchdachter Gartengestaltung einen effektiven Beitrag für die eigene „Klimazone“ ums Eigenheim und zugleich für das so genannte Kleinklima in der Stadt bzw. ihrer Siedlung leisten.

Kleinklima ums Haus

Bundesgartenfachberater Martin Breidbach (Landesverband Hessen) und Gartenfachberater Sven Görlitz (Landesverband Baden-Württemberg) präsentierten anschaulich die klimatischen Einflüsse und zeigten auf, wie mit Windschutzpflanzung, Gewöhnung der Pflanzen an „Trockenstress“ und ähnlichem auf veränderte Anbaubedingungen Rücksicht genommen und zunächst der Garten selbst widerstandsfähig gegen neue Krankheiten und Schädlinge gemacht werden kann. Aber auch das Haus kann mit recht einfachen Maßnahmen einbezogen werden: Entsiegeln von zubetonierten Auffahrten und Hofflächen, stattdessen Versickerung von Regenwasser auf dem Grundstück, einschließlich Sammeln von Regenwasser für die Gartenbewässerung. Pflanzen von Laubbäumen, auch kleinkronigen, um so Schatten und Verdunstungskühle im Sommer und Lichtdurchlässigkeit zum Haus im Winter zu erreichen. Bäume binden CO2, geben Sauerstoff ab, bremsen den Wind und wirken als Feinstaubfilter. Zudem kann geeignete und fachgerechte Pflanzung auf Dächern, etwa von Nebengebäuden wie Garagen, aber auch an Fassaden zur Temperierung des Hauses eingesetzt werden.

Grüne Dächer und Regenwasserwirtschaft

Zur Dachbegrünung wurden die Teilnehmer durch Carsten Rollfing von der Optigrün AG besonders umfassend informiert (www.optigruen.de). Der Aufbau einer intensiven Bepflanzung (große Pflanzenauswahl, Fläche nutz- und begehbar, entsprechend große Aufbauhöhe und Auflast) oder extensiven Bepflanzung (niedrigwüchsige Vegetation, geringer Pflegeaufwand, niedrigere Aufbauhöhe) samt Hilfsmitteln bezüglich der statischen Voraussetzungen, Dachabdichtung und der Dachneigungsgrade wurden erläutert. Insbesondere der Selbstbau ist möglich. Von der kleinen Fläche eines Carports bis zu großflächigen Dachkonstruktionen können Bepflanzungen Hitze und Kälte auffangen, Lärm und Staub mindern sowie ein pflegeleichtes Biotop für Schmetterlinge, sonstige Insekten und Kleinlebewesen bieten. Sogar die Kombination von Begrünung und Solaranlage wurde vorgestellt.

Vertieft wurde außerdem das Thema Regenwasserbewirtschaftung durch Guido Geretshauser von der Emschergenossenschaft. Auf dem eigenen Grundstück wie an den Straßen der Siedlung entlang können Versickerungsanlagen ohne teuren Bauaufwand entstehen. Die Überschwemmungsgefahr bei so genanntem Starkregen kann hierdurch verringert und das Wasser behutsam dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt werden. Außerdem kann es mehr dem Garten zugute kommen. Je nach Bodenbeschaffenheit wurden als besonders geeignet Mulden, Rigolen oder eine Kombination von beidem empfohlen. Bauanleitungen und weitere Tipps sind im Internet unter www.emscher-regen.de zu finden. Je nach Abwassersatzung der Kommune ist eine Gebührenreduzierung vorgesehen, wenn Regenwasser auf dem Grundstück und nicht im Kanalsystem entsorgt wird.

Garten aktuell und Archiv

Zum Abschluss stellte Johannes Treiling, Gartenfachberater (Regionalverband Westfalen-Lippe), die Internetseite www.gartenfachberatung.de vor. Mit saisonal aktuellen Tipps und Themen sowie einem wachsenden Archiv von A wie Apfelbaum bis Z wie Zikade können Fachleute und Hobbygärtner hier die Expertenmeinungen nachlesen. Erstellt werden die Seiten von den hauptamtlichen Gartenfachberatern des Verbands Wohneigentum. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter wurden eingeladen, ebenfalls ihr Wissen einzubringen. Seit Juni 2010 kann man sich über die Webseite außerdem kostenlos für einen informativen Newsletter anmelden.

Die Gartenfachberater sind eine traditionsreiche Säule des Verbands Wohneigentum. Von Informationsveranstaltungen, Ratschlägen zu Bepflanzung und Pflege, Tipps zu Nützlingen und Schädlingen, Ideen für die Gartengestaltung bis zu Hinweisen für die Nutzung des ökologischen und klimagerechten Potenzials der grünen Oase werden Haus- und Gartenbesitzer unterstützt. Die Tagung vermittelte viele Anregungen für zeitgemäßes Gärtnern und stärkte den Austausch untereinander.

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