Entschärftes EnergiekonzeptRevision des Zwangskatalogs – aber noch kein großes Aufatmen

Bonn, 28. September 2010. Die ursprünglichen Vorgaben des Energiekonzepts zum energetischen Standard von Bestandshäusern sind überarbeitet worden. „Die Nachbesserungen im Energiekonzept zeugen von gewissen Einsichten. Ob die Eigenheimbesitzer aber wirklich aufatmen können, muss sich noch erweisen“, äußerte Hans Rauch, Präsident des Verbands Wohneigentum e.V., angesichts der Verabschiedung des Energiekonzepts der Bundesregierung am heutigen Tag zurückhaltend.

Um Schlimmeres zu verhindern, zogen die Wohnungsverbände mit dem Bundesbauministerium an einem Strang. „Bundesminister Ramsauer hat die Kriterien Wirtschaftlichkeit und Schutz des Eigentums den Kabinettskollegen dankenswerterweise wieder in Erinnerung gebracht“, freut sich Rauch einerseits, andererseits sieht er mit Sorge: „Gegenüber den selbstnutzenden Wohneigentümern werden weiterhin sehr, sehr hohe Ziele gesteckt.“

Besonders problematisch ist das Ziel, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen zu wollen. Zwar wird nicht mehr das 100-prozentige Null-Emission-Haus ausgerufen, aber immer noch ist die Minderung des Primärenergiebedarfs in der Größenordnung von 80 Prozent gewollt. Der restliche Energiebedarf soll dann durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Dies soll ohne Zwang, durch entsprechende positive Anreize und Beratung erreicht werden. Zugleich werden die Überarbeitung des Energieausweises und die „Weiterentwicklung“ beispielsweise der Energieeinspar-Verordnung angekündigt.

Im Bereich der Wohngebäude, so auch im selbstgenutzten Eigentum, sind in den Jahren seit 1995 bereits eine Reihe energetischer Sanierungsmaßnahmen vorgenommen worden, die messbare Ergebnisse erbracht haben. Die CO2-Reduktion in den Jahren 1995 bis 2006 allein beläuft sich schon auf 21 Prozent. Natürlich kann dieser Entwicklung weiter Schwung gegeben werden: durch entsprechende Sanierungsförderung. 2009 wurde die energetische Sanierung mit über 2 Milliarden gefördert. Für 2010 waren noch 1,35 Milliarden vorgesehen, die nach dem im Juni verkündeten Sparpaket halbiert werden sollten. Nunmehr soll wieder auf etwa den vorherigen Stand von knapp 1 Milliarde Euro aufgestockt werden. Im Energiekonzept ist – nicht konkretisiert – von Förderung und Steuererleichterung die Rede. Diese Absichten begrüßt der Verband Wohneigentum, der mit über 350.000 Mitgliedern bundesweit größte Verband selbstnutzender Wohneigentümer. Angesichts der höchst ehrgeizigen Ziele der Regierung wäre jährlich das Dreifache der jetzt angekündigten Förderung vonnöten.

„Aus unserer Erfahrung und den Lebenszusammenhängen der Eigenheimbesitzer heraus warnen wir als Verband Wohneigentum eindringlich vor gesetzlichem Zwang und empfehlen stattdessen zielgruppengerechte Förderung“, hob Wohneigentümer-Präsident Hans Rauch hervor. Was auf Grundlage des Energiekonzeptes in Gesetze und Verordnungen umgegossen werde, etwa in die Energieeinspar-Verordnung 2012, werde der Verband daher mit Argusaugen verfolgen. Wirtschaftlichkeit für die investierenden Hauseigentümer und umfassende Wohnqualität müssen oberste Priorität haben.

V.i.S.d.P. Petra Uertz, Verband Wohneigentum e.V.