Keine Angst vorm schwarzen MannSchornsteinfeger-Regelung ab 2013

Ab 2013 gilt das neue Schornsteinfeger-Handwerksgesetz. Unter anderem haben Hauseigentümer dann das Recht, einige Arbeiten von einem Schornsteinfeger ihrer Wahl durchführen zu lassen. Doch mit dieser neuen Freiheit übernimmt der Verbraucher auch Verantwortung. Zum Beispiel muss er selbständig die Prüfungsintervalle einhalten, die nach der Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) fällig sind. Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Neuerungen.

© Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks – Zentralinnungsverband (ZIV)
Gerd S. ist verunsichert: In seinem Briefkasten lag ein Schreiben, in dem ein Schornsteinfeger ihn in entschiedenen Worten darauf hinweist, dass Herr S. seine Heizung in regelmäßigen Abständen warten lassen muss. Ansonsten drohen Sanktionen. Gleichzeitig bietet der Betrieb seine Dienste an. Am besten solle Herr S. gleich einen schriftlichen Auftrag erteilen.

Wie Gerd S. geht es so manchem Hauseigentümer. Obwohl das Schornsteinfeger-Handwerksgesetz erst 2013 in Kraft tritt, werben schon heute viele Schornsteinfeger um die Gunst der Kunden – manche aggressiver, die meisten durchaus sachlich. Bei vielen Verbrauchern herrscht jedoch Verwirrung. „Kommt denn nicht mehr automatisch der Bezirksschornsteinfeger vorbei?“, fragen sich Gerd S. und andere Wohneigentümer. Die Antwort lautet ab 2013: ja und nein.

Wer prüft was?

Der Bezirksschornsteinfegermeister, der mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes „bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger“ heißt, kommt auch weiter und führt ab 2013 eine so genannte Feuerstättenschau durch, zweimal in einem Zeitraum von sieben Jahren. Zwischen beiden Untersuchungen müssen mindestens drei Jahre liegen. Bei dieser Feuerstättenschau wird überprüft, ob die verschiedenen Feuerungsanlagen betriebs- und brandsicher sind. Dabei untersucht der Fachmann alle Feuerungsanlagen auf Baufehler und Verschleiß. Geprüft werden Gas- und Ölheizungsanlagen, Heizungsanlagen für feste Brennstoffe (beispielsweise Holzpellets, Hackschnitzel oder Scheitholz) einschließlich ihrer Abgasanlagen, offene Kamine, Kamin- und Kachelöfen. Aber auch Untersuchungen von Ofenrohren und die Brandschutzabstände zu brennbaren Bauteilen gehören dazu.

Anschließend stellt der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger einen (kostenpflichtigen) Feuerstättenbescheid aus. Dieser listet alle Schornsteinfegerarbeiten auf, die an der jeweiligen Feuerungsanlage durchgeführt werden müssen. Und nun kommt die große Änderung: Ab 2013 fällt das so genannte Schornsteinfeger-Monopol. Das bedeutet, der Verbraucher muss viele Arbeiten, wie Messen, Kehren und Reinigen, nicht mehr verpflichtend beim Bezirksschornsteinfeger durchführen lassen, sondern hat die freie Wahl. Er kann selbst entscheiden, ob er bei seinem bisherigen Schornsteinfeger bleibt oder einen anderen, für die Arbeiten zugelassenen Betrieb beauftragt. Neben den hoheitlichen Aufgaben, die nach der Gebührenordnung zu zahlen sind, gibt es noch die notwendigen Wartungsarbeiten. Für Letztere kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn sich mehrere Wohneigentümer zusammenfinden, gemeinsam ein Angebot für die Wartung ihrer jeweiligen Feuerstätten einholen und so vielleicht einen Mengenrabatt aushandeln können.

Achtung Fristen!

Aber mit der Wahlfreiheit erhält der Hauseigentümer auch neue Pflichten: Denn der Feuerstättenbescheid listet nicht nur die fälligen Wartungsarbeiten auf, sondern gibt auch an, in welchem Zeitraum sie durchgeführt werden müssen. Der Verbraucher ist nun dafür verantwortlich, diese Fristen einzuhalten. Beauftragt er nicht den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger, sondern einen anderen Betrieb, muss er dafür sorgen, dass dieser die fach- und fristgerechte Durchführung auf einem gesonderten Formblatt ausweist. Anschließend muss der Wohneigentümer das ausgefüllte Formular an den bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger senden – und zwar innerhalb von 14 Tagen ab dem letzten Tag der Frist.

Verstreicht die Frist, sprich die im Feuerstättenbescheid geforderten Arbeiten werden nicht oder zu spät durchgeführt, meldet der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger dies der zuständigen Behörde. Diese stellt dann zunächst einen Zweitbescheid aus. Wenn die darin aufgeführten Wartungsarbeiten wieder nicht im gesetzten Zeitraum erfolgen, kommt es zu einer so genannten Ersatzvornahme. Das bedeutet, die zuständige Behörde lässt die Schornsteinfegerarbeiten zwangsweise durchführen – und das verursacht zusätzliche Kosten.

Altes und Neues

Unverändert durch das neue Schornsteinfeger-Handwerksgesetz bleibt, dass auch ab 2013 die Feuerstättenschau sowie Bauabnahmen nur der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger vornimmt. Allerdings darf er einen Kaminofen, den er in seinem Bezirk verkauft oder installiert hat, nicht gleichzeitig auch abnehmen.

Die neue Freiheit des Verbrauchers, einen Schornsteinfeger seiner Wahl beauftragen zu dürfen, ist sicherlich begrüßenswert. Auch dass vermehrt private Handwerksbetriebe mit bestimmten Wartungsarbeiten betraut werden können, ist erfreulich. Die Preisgestaltung wird transparenter, unzufriedene Kunden haben die Möglichkeit zu wechseln. Aber diese Freiheit verlangt auch mehr Verantwortung vom einzelnen Wohneigentümer. Ab 2013 ist es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sämtliche Wartungsarbeiten fristgerecht von einem Fachbetrieb seiner Wahl durchgeführt werden. Denn das fehlerfreie Funktionieren von Feuerstätten ist unverzichtbar – im Interesse der Sicherheit aller Hausbewohner und ihrer Nachbarn.

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Übersicht: Wann muss gemessen werden?

Ölheizungen

Geräteart

Bundes-KÜO

Herkömmliches Ölheizgerät

jährlich

Raumluftunabhängiges Ölheizgerät für den Betrieb mit schwefelarmem Heizöl

alle 2 Jahre

Öl-Brennwertkessel an einer Überdruck-Abgasanlage für den Betrieb mit schwefelarmem Heizöl

alle 2 Jahre

Raumluftunabhängiges Ölheizgerät für den Betrieb mit schwefelarmem Heizöl und selbstkalibrierender kontinuierlicher Regelung des Verbrennungsprozesses*

alle 3 Jahre

Öl-Brennwertgerät an einer Überdruck-Abgasanlage für den Betrieb mit schwefelarmem Heizöl und selbstkalibrierender kontinuierlicher Regelung des Verbrennungsprozesses*

alle 3 Jahre

*Zurzeit noch nicht verfügar

Quelle: Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks – Zentralinnungsverband (ZIV)

Gasheizungen

Geräteart

Bundes-KÜO

Herkömmliche raumluftabhängige Gasfeuerstätte

jährlich

Raumluftunabhängige Gasfeuerstätte

alle 2 Jahre

Gas-Brennwertgerät

alle 2 Jahre

Raumluftunabhängige Gasfeuerstätte mit selbstkalibrierender kontinuierlicher Regelung des Verbrennungsprozesses*

alle 3 Jahre

Gas-Brennwertgerät mit selbstkalibrierender kontinuierlicher Regelung des Verbrennungsprozesses*

alle 3 Jahre

Quelle: Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks – Zentralinnungsverband (ZIV)

Übersicht: Wann kommt der Schornsteinfeger?

Hoheitliche Aufgaben* des bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers

Private Wartung
(muss belegt werden)

Bauabnahme

Im Feuerstättenbescheid geforderte Arbeiten wie Messen, Kehren, Reinigen der alle Feuerungsanlagen (Feuerstätten inklusive Abgasanlagen)

Feuerstättenschau mit Ausstellung des Feuerstättenbescheids

 

* Hoheitliche Aufgaben: Öffentliche Aufgaben, die der Staat wahrnimmt oder eine Privatperson mit deren Erfüllung beauftragt.

Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO)

Die Kehr- und Wartungsintervalle sämtlicher Feuerungsanlagen schreibt die Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) fest, die Sie im Folgenden als PDF runterladen können. Ab Seite 5 des Dokuments finden Sie die hier beschriebenen Kehr- und Prüfintervalle, aber auch jene von Heizungen, die mit festen Brennstoffen betrieben werden.

Schornsteinfeger-Suche

Hilfe bei der Suche nach einem qualifizierten Schornsteinfegerbetrieb finden Sie unter anderem auf der Internetseite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, unter www.bafa.de, in der Rubrik „Weitere Aufgaben“, Unterpunkt „Schornsteinfegerregister“.