100 Prozent mehr WohnqualitätEnergetische Sanierung in Karlsruhe

Wie aus einem ganz normalen 50er-Jahre-Haus ein energetisches Vorzeigeobjekt entsteht, machte Dirk Krebs in Karlsruhe vor: In rund drei Monaten sanierte der Energieberater des Handwerks sein 170 Quadratmeter großes Eigenheim. Ein Team des Fernsehsenders VOX begleitete die Bauarbeiten.

Zugegeben, die Sanierung, die Dirk Krebs an seinem Familienheim vorgenommen hat, ist schon die Luxusvariante. Und mit rund 107.000 Euro (plus Eigenleistung) liegt sein Budget weit über der Summe, die Wohneigentümer für die Sanierung ihres Hauses im Durchschnitt ausgeben. Aber schließlich ist Krebs Energieberater und entsprechend hoch sind die Ansprüche des Experten. Die Investition hat sich auf jeden Fall für mich und meine Familie gelohnt: „Die Wohnqualität ist um 100 Prozent gestiegen“, resümiert der Bauherr.

Bauphysik beachten

Als Familie Krebs das Haus 2008 kaufte, war klar, dass zwar die Bausubstanz in Ordnung ist, ein Gebäude von 1958 aber natürlich nicht den heutigen energetischen Ansprüchen entspricht. „Die damalige Bauphysik war einfach eine andere. Gewisse Undichtigkeiten waren durchaus gewollt, um die Belüftung zu regeln. Schließlich war Energie früher nicht so teuer und auch die Sensibilität für den Umweltschutz noch nicht so ausgeprägt“, erläutert Krebs. Und eben diese andere Bauphysik gilt es, bei einer energetischen Sanierung zu bedenken. Einfach nur moderne Fenster mit Wärmeschutzverglasung einzusetzen, reicht nicht aus. Die richtige Mischung macht den Unterschied und hilft, Folgen wie Feuchtigkeit oder Schimmel zu vermeiden. „Wenn man die Fenster austauscht, dann macht es Sinn, gleichzeitig die Wände zu dämmen“, rät der 35-Jährige. Denn wenn die Feuchtigkeit nicht mehr an den Fenstern entweichen kann, setzt sie sich an der nächsten thermischen Schwachstelle ab – dem Mauerwerk, und hier meist in den Ecken.

Lüftung ist entscheidend

Sind dann die Fenster ersetzt und die Fassade gedämmt, ist es wichtig, dass die Bewohner ihr Lüftungsverhalten ändern. Dreimaliges Stoßlüften am Tag heißt die Zauberformel. Für Berufstätige ist dies häufig zeitlich kaum zu schaffen. Abhilfe kann da eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Sommerbypass schaffen, wie sie Dirk Krebs in seinem Eigenheim installiert hat. „Seitdem haben wir ein völlig neues Wohngefühl“, schwärmt der Energieberater. Im Winter bleibt die warme Luft im Wohnraum, im Sommer heizt das Haus dank der Dämmung viel weniger auf und nachts kühlt die Lüftungsanlage das Gebäude angenehm runter. „Außerdem gibt es keine Zugluft, keinen Mief, in der Heuschnupfenzeit werden die Pollen gefiltert und die Kinder können das ganze Jahr auf Socken durch die Wohnung laufen“, berichtet der zweifache Vater.

Beratung ist wichtig

Bauherr: Energieberater Dirk Krebs   © Verband Wohneigentum
Obschon das Haus nach höchsten Maßstäben energetisch aufgerüstet wurde, kann sich auch ein Wohneigentümer, der nicht gleich die Komplettsanierung wünscht, einige wertvolle Anregungen bei dem Karlsruher Objekt holen. Wichtig ist jedoch, eine sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen einzuhalten und nicht einfach draufloszusanieren. Hier ist die Unterstützung durch einen Energieberater tatsächlich Gold wert und wird auch durch Zuschüsse des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert. „Ich rate meinen Kunden immer, die Heizung im letzten Schritt anzugehen. Denn häufig benötigt man nach der Sanierung nicht mehr eine so leistungsstarke Heizungsanlage wie vor der Maßnahme. Das spart Geld“, weiß Krebs.

Außerdem gibt es Anlagen, bei denen die Leistung nach Bedarf reguliert werden kann, dies macht sich nach einer Dämmung ebenfalls positiv bemerkbar. Auch Dirk Krebs hat so eine Anlage und daher konnte er am Ende der Baumaßnahme einen hydraulischen Abgleich durchführen. Dabei wird die Leistung an jedem Heizkörper im Haus gesondert eingestellt, um Energieverluste zu vermeiden. In Zukunft will er aber die Heizungsanlage in seinem Eigenheim auf umweltfreundlichere Energien umrüsten. Derzeit bewirbt sich Krebs um die Teilnahme an einem bundesweiten Feldversuch für Brennstoffzellen.

Fernsehreif

Die vorbildliche Sanierungsmaßnahme stand auch im Mittelpunkt einer Fernsehsendung mit dem Thema „Energetische Sanierung“, die im Rahmen der VOX-Reihe „Unser Traum vom Haus“ lief. Dort erlebten die Zuschauer wie Dirk Krebs und sein Mitarbeiter Udo Goergens Schritt für Schritt aus dem energiefressenden Haus ein behagliches Heim machten – in nur drei Monaten. „Das war schon ein straffer Zeitplan und ganz schön anstrengend“, erzählt der Bauherr. „Aber es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt!“ Schließlich wurde die Sanierung dank der Dreharbeiten in Rekordzeit fertig und die energetische Ausbeute kann sich sehen lassen: Insgesamt senkten die Sanierungsmaßnahmen den Energieverbrauch um 75 Prozent. „Ziel erreicht“, lautet das Urteil von Dirk Krebs.

Kh

Durchgeführte Sanierungsmaßnahmen

  • Dach mit glasierten Ziegeln neu eindecken und zwei neue Dachfenster einsetzen

  • Aufsparrendämmung mit Polyurethandämmplatten Wärmeleitgruppe (WLG 029), 8 cm stark

  • Zwischensparrendämmung 12 cm stark, WLG 035 (Mineralwolle)

  • Diffusionsoffene Klimamembrane Dampfbremse

  • Unterstarrendämmung 2,5 cm stark, WLG 035 (Mineralwolle)

  • Außenwanddämmung mit expandiertem Polysterol (ESP) Dämmplatten, (WLG 035), 16 cm stark

  • Thermisch nicht entkoppelten Balkon entfernen

  • Alten Wintergarten demontieren

  • Garagentor mit Sektionaltor (wärmegedämmt) einbauen, sowie Austausch der Haustür, Haustelefon / Video Anlage einbauen, versetzen der Briefkästen

  • Garagenschuppentür zumauern, wegen Wärmebrücke

  • Einfassen von 2 neuen Giebelfenstern im DG

  • Austausch aller Fenster gegen 3 Scheiben Wärmeschutzverglasung mit 5 Kammer Kunststoffrahmen (WLG 1,1) Versetzung übers Mauerwerk hinaus, wegen der besseren Isothermen Verlagerung

  • Demontage der alten ungedämmten Aufsatz-Rollladenkästen gegen Vorbaurollladenkästen mit elektrischer Rollladenführung (Rollladen wird bei Montage thermisch entkoppelt)

  • Dämmung der Kellerdecke (Preußische Kappendecke) mit 16 cm WLG 035, Trägerstreifen mit ESP 5 cm WLG 035 gedämmt

  • Zeituhr gesteuerte Be- Entlüftung mittels Ventilatoren (22-6 h) ohne Wärmerückgewinnung für den unbeheizten Keller, um Kondensation an den Kellerwänden zu vermeiden

  • Zentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und Sommerbypass, Lüftungsleitungen fürs EG sind in der gedämmten Kellerdecke verlegt, Fußboden + Decken Be- und Entlüftung fürs gesamte Haus

  • Feineinstellung der Luftvolumenströme werden vor Ort vom Techniker justiert

  • Differenzdruckprüfung (Blower-Door) im Ist-Zustand, sowie im End-Zustand incl. Verneblung des Objekts (evtl. mit Thermografie)

  • Thermografische Analyse wurde bei -13° C im Winter durchgeführt

  • Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage im Anschluss der Sanierungsarbeiten

  • Montage des neuen Wintergartens (thermisch entkoppelt), mit Wärmeschutzverglasung, wie die anderen Fenster, dient gleichzeitig als Balkon fürs 1. OG

Eine Fotoalerie zu den einzelnen Schritten der Sanierung finden Sie auf der Website von energiekrebs.de