Schäden beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren, Teil 1Untersuchung weist häufigste Ursachen auf

Planungsfehler und Ausführungsmängel sind häufig die Gründe für Schäden, die durch energieeffizientes Bauen und Sanieren entstehen. Ein Gemeinschaftsprojekt unseres Kooperationspartners Bauherren-Schutzbund mit dem Institut für Bauforschung e.V. – in Zusammenarbeit mit der AIA AG – untersuchte ausgewählte Schadenfälle.

Planungsfehler Wärmedämmung: zu geringe Dämmdicke des Wärmedämmverbundsystems.   © IFB
In den letzten Jahren gewinnt das Thema „Energieeffizientes Bauen und Modernisieren“ immer mehr an Bedeutung. Erfahrungen aus der Bau- und Sachverständigenpraxis dokumentieren, dass neben den klassischen Ausführungsfehlern Schäden beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren häufig ihren Ursprung bereits in der Vorplanung oder Planung haben. Oft wird aus Kosten- oder Zeitgründen auf eine detaillierte Planung sowie die Durchführung von notwendigen Berechnungen verzichtet. Solche Unterlassungen, Fehleinschätzungen oder fehlerhafte Berechnungen bergen ein immenses Schadenspotenzial. Meist werden Fehler auch erst nach längerer Zeit festgestellt und können nachhaltige Folgen haben.

Gemeinschaftsprojekt

Aufgrund der Aktualität und Brisanz der Problematik sowie des offensichtlich bestehenden Informationsbedarfs sowohl bei Bauherren als auch bei Architekten, Bauingenieuren und Unternehmen, wurde eine Untersuchung als Gemeinschaftsprojekt realisiert. An dem Projekt beteiligten sich der Bauherren-Schutzbund (BSB) und das Institut für Bauforschung (IFB) in Kooperation mit der AIA AG, der Berufshaftpflicht für den Architekten, Ingenieur, Bauträger und sonstige Baubeteiligte. Die Untersuchung bezieht sich auf Schadenfälle aus den Jahren 2007 bis 2011, bei rund 2.500 Schadenfällen jährlich.

Durch die Tiefenanalyse repräsentativ ausgewählter Schadenfälle beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren sollen die Bedeutsamkeit des Themas objektiv herausgestellt und Verbraucher sowie alle am Bau Beteiligten für dieses Thema sensibilisiert werden. Basis der Untersuchung sind Schadenfälle an 29 neu errichteten und 21 energetisch modernisierten Gebäuden, an denen die Schadensschwerpunkte Wärmebrücke, Luftdichtheit, Wärmedämmung, Heizungs- und Lüftungsanlagen, Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien (Wärmepumpe, solare Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung) untersucht wurden.

Ziel der Auswertung war, die typischen Bauteile zu identifizieren, an denen Mängel und Schäden beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren auftreten, anhand der Schadenssummen das Ausmaß zu dokumentieren und aus diesen Ergebnissen Lösungen für schadenfreies Bauen und Modernisieren abzuleiten.

Datengrundlage

Als Grundlage und Datenbasis für die Gemeinschaftsuntersuchung diente dem IFB die Datenbank des Kooperationspartners AIA AG. Aufgrund der großen Datenmenge von etwa 2.500 gemeldeten Schadenfällen pro Jahr war es notwendig, eine geeignete Auswahl zu treffen. Durch die Festlegung relevanter Schadenskriterien, Gewerke bzw. Bauteilbereiche erfolgte eine Vorauswahl. Nach deren Sichtung wurden 20 geeignete, typische Schadenfälle selektiert, die Akten vor Ort analysiert und einer ersten Bewertung unterzogen. Eine zweite Datenbasis wurde vom Kooperationspartner BSB zur Verfügung gestellt. Von den Bauherrenberatern wurden insgesamt 28 Gutachten für die Analyse zur Verfügung gestellt. Weitere zwei Gutachten entstammen der Arbeit des IFB.

Insgesamt gründet sich die Studie auf 50 Schadenfälle beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren. Schwerpunkte der Auswertung sind die statistische und empirische Analyse der Daten, die Dokumentation in Form grafischer Darstellungen sowie deren Bewertung.

Hauptschadensursachen

Die Auswertung ergab, dass fast zwei Drittel (66 Prozent) der untersuchten Schadenfälle auf eine nicht fachgerechte Ausführung der Baumaßnahmen zurückzuführen sind. Der zweite große Anteil der untersuchten Schäden (34 Prozent) resultiert aus einer unzureichenden oder fehlenden Planung der Maßnahmen, wobei Schäden aufgrund einer mangelhaften Vorplanung eingeschlossen sind.

Planungsfehler

Bei den Planungsfehlern basieren 64 Prozent der untersuchten Mängel und Schäden auf einer fehlerhaften Planung der Wärmedämmung. 18 Prozent der Planungsfehler resultieren aus mangelhaft konzipierter Haustechnik, wobei haustechnische Anlagen fehlerhaft dimensioniert bzw. der Einsatz erneuerbarer Energien nicht fachgerecht geplant wurden. Auch Berechnungen, die zu fehlerhaft dimensionierten Dämmschichtdicken führen (12 Prozent) oder ein fehlendes Lüftungskonzept (6 Prozent) können Mängel bzw. Schäden an Gebäuden verursachen.

Schadensschwerpunkte bei der Planung der Wärmedämmung.   © IFB

Schadensschwerpunkt: Planung der Wärmedämmung

Bei der Wärmedämmung häufen sich die Planungsfehler (siehe Grafik). Die überwiegende Anzahl der Fehler betrifft die Planung der Verwendung nicht systemkonformer Teile, das heißt es werden Produkte verwendet, die nicht aufeinander abgestimmt und insbesondere nicht zugelassen sind. Hier können beispielsweise Unverträglichkeiten der einzelnen Komponenten untereinander die Folge sein, was zu Schäden, wie etwa zur Ablösung der Wärmedämmung vom Untergrund, Rissen auf der Putzfläche oder Unebenheiten der Fassade führen kann. Ein weiterer Schwerpunkt der Planungsfehler ist die zu geringe Bemessung der Dämmschichtdicke. Dies kann dazu führen, dass das Gebäude den geplanten Energiestandard nicht erfüllt, was sich unter anderem negativ auf die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes auswirkt. Zusätzlich können Wärmebrücken zu Feuchte- und Feuchtefolgeschäden führen.

Dipl.-Ing. Heike Böhmer, Geschäftsführende Direktorin Institut für Bauforschung e.V.
Dipl.-Ing. Janet Simon, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Bauforschung e.V.

Teil 2

Zum zweiten Teil der Studienergebnisse gelangen Siehier