Schäden beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren, Teil 2Untersuchung beleuchtet die häufigsten Ausführungsfehler

Schäden, die durch energieeffizientes Bauen und Sanieren entstehen, untersuchte ein Gemeinschaftsprojekt unseres Kooperationspartner Bauherren-Schutzbund mit dem Institut für Bauforschung in Zusammenarbeit mit der AIA AG. Nachdem sich der erste Teil mit den Planungsmängeln beschäftigte, beleuchtet Teil zwei die häufigsten Ausführungsfehler.

Durch den Spalt zwischen den Dämmmatten entsteht eine Wärmebrücke.   © IFB
Die meisten Ausführungsfehler liegen mit 46 Prozent in der fehlerhaften Ausführung der Wärmedämmung (zum Beispiel Fehlstellen, Hohlräume, Befestigungen, Einbau unterschiedlicher Dämmstärken in einer Dämmebene). 30 Prozent der Fehler sind auf eine falsch ausgeführte luftdichte Ebene, insbesondere mangelhaft ausgeführte Anschlüsse an flankierende Bauteile, zurückzuführen. Rund ein Viertel der ermittelten Fehler resultiert aus fehlerhaft ausgeführter Haustechnik, wobei hier die Verwendung ungeeigneter Materialien in der Anlagentechnik den Schwerpunkt der Mängel bildet.

Die Luftdichtheit eines Gebäudes gilt als zweiter Fehlerschwerpunkt beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren. Hier ergab die Untersuchung, dass die Fehlerquote mit fast 50 Prozent der analysierten Ausführungsfehler bei den Anschlüssen an angrenzende (flankierende) Bauteile besonders hoch ist. Doch auch der fachgerechte Einbau von Fenstern (27 Prozent) sowie die Beschädigung der Luftdichtheitsebene zum Beispiel durch nachfolgende Gewerke wurden als Fehlerschwerpunkt identifiziert.

Schadensschwerpunkte

Als typische Bauteile, an denen Baufehler im Rahmen des energetischen Bauens und Modernisierens festgestellt wurden, identifizierte die Untersuchung die Außenwand- und Dachkonstruktionen sowie die Anlagentechnik. Dabei spielten vor allem die Wärmedämmung und die luftdichte Ebene eine Rolle. Innerhalb dieser Bereiche sind schwerpunktmäßig die so genannten gestörten Bereiche fehlerbehaftet. Dazu zählen im Bereich der Wärmedämmung die Bauteilanschlüsse, -abschlüsse, -übergänge, der Wechsel der Schichtdicke oder der Wärmeleitfähigkeit (Wärmeleitgruppe), der Wechsel des Wärmedämmprodukts sowie die Durchdringungen der Wärmedämmung. Bei der Ausführung der luftdichten Ebene waren besonders fehleranfällig die Bauteilanschlüsse, -abschlüsse, -übergänge, Durchdringungen der luftdichten Ebene und Materialkombinationen, dabei vor allem die Klebeverbindungen.

Auswirkungen

Beim Bauen allgemein, jedoch vor allem auf dem schadenssensiblen Gebiet des energieeffizienten Bauens und Modernisierens ist es wichtig, sich jederzeit zu vergegenwärtigen, dass jeder Fehler weitreichende Folgen haben kann. Dies gilt vor allem im komplexen Bereich der Schwerpunkte der Energieeffizienz: Wärmedämmung und Luftdichtheit.

Beispiele:

Fazit

Ziel muss es sein, schadensfrei und qualitativ hochwertig zu bauen und zu sanieren. Der Begriff Bauqualität betrifft in diesem Sinne nicht nur das Bauergebnis sondern auch den Bauprozess. Ein Projekt ist so zu planen und abzuwickeln, dass die Koordination des Bauablaufs, die vereinbarten Termine und Kosten eingehalten werden. Als Ergebnis muss die Qualität des Bauwerks entsprechend den anerkannten Regeln der Technik und der vereinbarten Beschaffenheiten sichergestellt sein. Nur dann sind die nachhaltige Funktionalität, die Schadensfreiheit und optimale Nutzung gewährleistet – unter Berücksichtigung der ästhetischen, energetischen und ökologischen Anforderungen des Bauherrn und des Gesetzgebers.

Nach den Ergebnissen der Untersuchung lassen sich für alle am Bau Beteiligten folgende grundsätzliche Schlussfolgerungen ableiten, die zur Verbesserung der Bauqualität und damit zur Senkung der Schadenfälle sowie der damit verbundenen Mangelbeseitigungskosten führen:

Fachgerechte Beratung und Baubegleitung sind der Schlüssel zu qualitätsvollen Ergebnissen

Dipl.-Ing. Heike Böhmer, Geschäftsführende Direktorin Institut für Bauforschung e.V.
Dipl.-Ing. Janet Simon, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Bauforschung e.V.