Preisgekrönte ForschungBeiratsmitglied Professor Annette Spellerberg erhält Auszeichnung

Fit für die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen der Gegenwart? Darauf untersuchte das Forschungsprojekt „Wohneigentum für Generationen“ fünf Siedlungen des Verbands Wohneigentum Rheinland-Pfalz. Im Juli 2012 wurde eine Arbeit zum Projekt international ausgezeichnet: Auf dem 25. Kongress der Association of European Schools of Planning (AESOP) in Ankara nahm Forschungsleiterin Professor Annette Spellerberg den Preis für die beste Kongressveröffentlichung entgegen.

Preisträgerin: Professor Annette Spellerberg, Leiterin des Fachbereichs Stadtsoziologie an der TU Kaiserslautern und Beiratsmitglied des Verbands Wohneigentum.   © TU Kaiserslautern
Die Association of European Schools of Planning (AESOP) ist ein Netzwerk europäischer Universitäten, die sich mit der Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Städte- und Regionenplanung befassen. Der jährliche AESOP-Kongress dient dem Austausch aktueller Forschungsergebnisse. In diesem Jahr fand der Wissenschaftskongress mit über 1.000 Teilnehmern in der türkischen Hauptstadt Ankara statt. Der Preis für den besten Kongressbeitrag ging an Professorin Annette Spellerberg. Sie leitet den Fachbereich Stadtsoziologie an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern und ist Mitglied im Beirat des Verbands Wohneigentum. Ihr in englischer Sprache abgefasster Artikel trug den Titel „Dwellings and Generation Change in Owner Communities“ und befasste sich mit dem rheinland-pfälzischen Forschungsprojekt „Wohneigentum für Generationen – Siedlungen zukunftsfähig gestalten und entwickeln“ (wir berichteten, FuG 7/2011). „Die Siedler gehen um die Welt“, freute sich Spellerberg spontan über die Auszeichnung der AESOP.

Forschungsprojekt

Unter der Leitung von Professor Annette Spellerberg und Professor h. c. Karl Ziegler (Fachbereich Raum- und Umweltplanung der TU Kaiserslautern) sowie Oliver Rechenbach (Landesenergieagentur „EffizienzOffensive Energie“) untersuchten die Wissenschaftler zwischen 2009 und 2011 exemplarisch fünf Siedlungen des Verbands Wohneigentum Rheinland-Pfalz: Boppard-Leiswiese, Lahnstein-Allerheiligenberg, Waldböckelheim, Wittlich-Weilersiedlung und Worms-Horchheim. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Landesprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) vom Ministerium der Finanzen sowie dem Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz des Landes Rheinland-Pfalz.

Im Mittelpunkt stand die Frage, ob organisierte Wohneigentümer-Gemeinschaften besser mit den Herausforderungen der Zukunft zurechtkommen als suburbane Gegenden. Wie wird Nachbarschaftshilfe gelebt, wie die zeitgemäße Modernisierung des Hausbestands oder der Generationenwechsel bewältigt? Außerdem wurden Befragungen zum Wohnen, der Wohnzufriedenheit, der Nachbarschaft und zu gemeinschaftlichen Aktivitäten durchgeführt. In so genannten Zukunftswerkstätten entwickelten die Bewohner der fünf teilnehmenden Siedlungen eigene Projekte, um die Wohn- und Lebensbedingungen zu verbessern. Auch der Dialog zwischen den Gemeinschaften und Kommunen wurde intensiviert.

Ergebnisse

Hinsichtlich eines energetisch zukunftsfähigen Wohnungsbestands richtet das ländlich geprägte Rheinland-Pfalz seine Aufmerksamkeit auf die selbstnutzenden Eigentümer. Deshalb wurde das Forschungsprojekt auch mit dem Ziel gefördert, herauszufinden, ob organisierte Eigentümer eine höhere Bereitschaft zur energetischen Sanierung zeigen als nicht organisierte Einzeleigentümer. Das Projekt zeigte, dass trotz der Organisation in Eigenheimer-Gemeinschaften und verschiedener Hilfs- und Beratungsangebote die Bedürfnisse des einzelnen Hauseigentümers immer noch maßgeblich sind. Die Handlungsbereitschaft wird also eher durch die individuellen finanziellen Umstände, das Alter der Bewohner und die Umstände der Familie bestimmt, aber ebenso zu einem gewissen, wenn auch kleineren Teil durch die Gemeinschaft.

Die Untersuchungen zeigten, dass Hauseigentümer eine starke Bindung zu ihrem Haus und der Nachbarschaft haben. Sie sind sehr aktiv und engagieren sich in ihrem Wohnumfeld – trotz des relativ hohen Durchschnittsalters der Teilnehmer von 61 Jahren. Richtig organisiert, könne diese Aktionsbereitschaft auch zum Vorteil der Kommunen genutzt werden. „Unglücklicherweise wird dieses Potential häufig gar nicht wahrgenommen“, bedauert Spellerberg in ihrem Kongress-Beitrag.

Außerdem sei ein generationsbedingter Wechsel in der Ausrichtung der Gemeinschaften zu beobachten: Standen früher, nach der Bauphase der Siedlungsgründung, die aktive Nachbarschaft und das soziale Miteinander im Mittelpunkt, sehen sich heutige Gemeinschaften häufig rein pragmatisch als Verbraucherschutzvereine. Auch haben einige Gemeinschaften mit Problemen zu kämpfen, lösen sich auf und werden zu klassischen Wohngebieten. Je größer die Gemeinschaft, umso größer die Probleme des Zusammenhalts, so eine Schlussfolgerung der Forscher. Aber auch für kleine Gemeinschaften mit sehr traditionellem Ansatz und wenig Willen zu Veränderung werde es schwieriger. Eine Aktivierung der Gemeinschaften durch gemeinsame Aufgaben könne jedoch zu einer guten Entwicklung für alle Bewohner einer Siedlung führen.

Auszeichnung

Die AESOP bewertet die eingereichten Kongress-Beiträge nach verschiedenen Kriterien: Sie müssen auf einer aktuellen Datenlage basieren, klar argumentiert sein, eigenständige Ansätze und Ideen liefern, von hoher methodologischer Qualität sein sowie verständlich formuliert und exzellent präsentiert werden. Dies alles trifft auf den Beitrag von Professor Spellerberg und ihrem Team zu. Auch für den Verband Wohneigentum ist die Auszeichnung ein Erfolg, rückt sie das Forschungsprojekt und damit die Eigenheimer-Gemeinschaften verstärkt in den Fokus von Öffentlichkeit und Kommunen. Gut organisierte Gemeinschaft ist eben immer noch ein Pfund mit dem man wuchern kann. Wir gratulieren!

Kh