Steuererklärung für Rentner?Steuerberater H.-J. Gerlach zur Einkommensteuer für Senioren

Viele Rentner erhalten in diesem Jahr erstmals Post vom Finanzamt. Darin werden sie aufgefordert, eine Steuererklärung abzugeben. Wer ist betroffen und auf wen kommen eventuell Steuerzahlungen zu? Steuerberater H.-Jochen Gerlach, bringt Licht ins Dunkle.

H.-Jochen Gerlach,
Steuerberater,
Vorstandsmitglied Verband Wohneigentum Nordrhein-Westfalen e.V.   © Privat


Bereits seit 2009 kontrolliert das Finanzamt die Steuerpflicht der Renten. Zunächst, wenn ohnehin eine Steuererklärung abzugeben war, beispielsweise bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Seit diesem Jahr schreibt die Finanzverwaltung auch jene Rentner an, die bisher keine Steuererklärung abgegeben haben, bei denen aber aufgrund der automatisch vom Rentenversicherungsträger übermittelten Daten eventuell damit zu rechnen ist, dass Steuern anfallen.

Nach dem Einkommensteuergesetz ist jeder Bürger zunächst selbst verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, wenn seine Einkünfte entsprechend hoch sind. Darüber hinaus ist nach der Abgabenordnung auch derjenige verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, der vom Finanzamt dazu aufgefordert wird.

Beispielrechnungen

Die Frage, ab welcher Rentenhöhe Steuern anfallen, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Wenn jemand zum Beispiel seit 2010 Rente bezieht, neben einer gesetzlichen Rente keine weiteren Einnahmen hat und die Rente 16.300 Euro im Jahr nicht übersteigt, fällt keine Steuer an. Bei zusammen veranlagten Ehegatten verdoppelt sich der steuerfreie Betrag. Läuft die Rente schon länger, erhöht sich die Steuerfreigrenze jährlich und liegt bei einem Rentenbeginn im Jahr 2005 bei 19.100 Euro für den Alleinstehenden. Denn bei seit 2005 und früher laufenden Renten sind 50 Prozent steuerpflichtig und dieser steuerpflichtige Anteil steigt mit späterem Rentenbeginn jährlich um 2 Prozent – bis auf 80 Prozent im Jahr 2020 – und danach um 1 Prozent. Ab 2040 unterliegt die gesamte Rente der Steuer.

Bei privat finanzierten Renten (beispielsweise aus einer angesparten Lebensversicherung) wird dagegen nach wie vor der enthaltene Zinsanteil besteuert. Dabei kommt es auf das bei Beginn der Rente erreichte Lebensalter an. So sind zum Beispiel 18 Prozent steuerpflichtig, wenn die Rente ab dem 65. Lebensjahr gezahlt wird.

Beamtenpensionen werden nach Abzug eines Versorgungsfreibetrages wie Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit besteuert. Ebenso die so genannten Werksrenten und in der Regel auch Leistungen aus Zusatzversorgungskassen.

Diese Zahlen sind nur Anhaltspunkte, denn zusätzlich gezahlte Krankenversicherungsbeiträge, Spenden oder Krankheitskosten wie Zahnersatz, Brillen oder ein Behindertenpauschbetrag können individuell geltend gemacht werden und die Berechnung beeinflussen.

Freiwillige Auskunft

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Einkünfte höher und damit wahrscheinlich steuerpflichtig sind, lohnt es sich, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben und nicht auf die Nachfrage des Finanzamtes zu warten. Sie müssen dann zwar die anfallende Steuer bezahlen, Ihr Fall wird aber in der Regel nicht strafrechtlich geprüft – was bei mehr als 500 Euro Steuernachzahlung vorgesehen ist.

H.-J. G