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Fracking – Chance oder Risiko?Wirtschaftlichkeit kontra Umwelt

Die Kosten für Öl und Gas steigen, entsprechend intensiv ist die Suche nach günstigeren Alternativen. Neue Technologien werden diskutiert. Besonders kontrovers ist aktuell die Debatte um das Fracking.
Für die einen verspricht Fracking mehr Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten, für die anderen stellt die Technologie ein kaum kalkulierbares Risiko dar. Fakt ist: Nicht nur für den Verbraucher sind Fracking und seine Folgen schwer einzuschätzen, auch die Politik ist sich uneins. Bundesumweltminister Altmaier würde am liebsten noch vor der Bundestagswahl im September ein Gesetz beschließen lassen, das die Erdgasförderung durch Fracking erlaubt. Im gleichen Atemzug schränkt Altmaier aber auch ein, dass zunächst alle offenen Fragen hinsichtlich des Umweltschutzes zufriedenstellend beantwortet sein müssen.

Und diese offenen Fragen sind zahlreich. Ist Fracking wirtschaftlich sinnvoll? Und vor allem: Wie sicher ist die Technik für Mensch, Tier und Umwelt?

Folgen für die Umwelt

Beim Fracking kommen Chemikalien zum Einsatz, die auch das Grundwasser gefährden können. Altmaier kündigte bereits an, dass Fracking in deutschen Wasserschutzgebieten verboten bleiben soll. Dennoch sind die Folgen eines massiven chemischen Eingriffs schwer prognostizierbar, von heute unabsehbaren Spätfolgen ganz abgesehen.

Zudem entstehen beim Fracking Risse im Gestein rund um das Bohrloch – in 1.000 bis 2.000 m Tiefe. Zwar soll das Gelände dadurch nicht instabil werden. Angesichts der Schäden, die der konventionelle Bergbau über Jahrzehnte in vielen Regionen Deutschlands bereits an Gebäuden und Straßen angerichtet hat, scheint diese Prognose gewagt. Außerdem werden aus den USA Fälle berichtet, in denen hochentzündliches Methangas unkontrolliert durch die Risse an die Erdoberfläche drang. Ein erschreckendes Szenario, insbesondere da Deutschland eng besiedelt ist.

Das Land Hessen, in dem es bereits Genehmigungsanträge gab, hat vorerst das Fracking gestoppt. Zwei Gutachten, die das hessische Umweltministerium in Auftrag gegeben hatte, zeigten sich skeptisch, dass Fracking umweltverträglich und wirtschaftlich machbar sei. Darauf bat Umweltministerin Lucia Puttrich im April die zuständigen Behörden, zunächst keine Erlaubnis für das Aufspüren tiefliegender Gasvorkommen zu erteilen. Geplant war, größere Vorkommen in Nordhessen zu fördern.

Wirtschaftlich sinnvoll?

In den USA wird Fracking bereits in großem Umfang betrieben, allerdings eher in bevölkerungsarmen Gebieten. Eine im April veröffentlichte Studie der KfW Förderbank untersuchte nun, „inwieweit die durch das Fracking hervorgerufenen regionalen Energiepreisunterschiede die internationale Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft, z. B. im Vergleich zu Deutschland, beeinflussen. Überraschend: Die Forscher von KfW Economic Research kamen zu dem Ergebnis, dass die USA gesamtwirtschaftlich gesehen voraussichtlich weder einen Vor- noch einen Nachteil im internationalen Wettbewerb haben werden. Die Studie zieht das Fazit: „Die Hoffnung bzw. Befürchtung, daraus könnten sich deutliche und langfristig tragbare Wettbewerbs-Vor- bzw. -Nachteile für die betroffenen Volkswirtschaften ergeben, halten wir (vor allem im Fall Deutschlands) für unberechtigt.“ Damit widerspricht die KfW einer Studie des Bundesnachrichtendienstes, die noch im Januar den USA wichtige wirtschaftliche Vorteile voraussagte.

Die KfW-Studie schließt sogar mit einer klaren Absage an das Fracking in Deutschland, denn nach ihren Erkenntnissen wögen die wirtschaftlichen Aspekte nicht die Bedenken hinsichtlich des Umweltschutzes auf: „Wir sind skeptisch, ob unter Energieeffizienz- und Umweltgesichtspunkten Fracking eine lohnenswerte Alternative darstellt.“

Sicherheit geht vor

Verständlich ist auch der Wunsch von Politik und Wirtschaft, unabhängig von den großen Energieimporteuren aus Russland sowie dem Nahen Osten und ihrem Preisregime zu werden. Die Suche nach alternativen Technologien zur Energiegewinnung sieht der Verband Wohneigentum daher grundsätzlich als sinnvoll an.

Dennoch muss für alle neuen Technologien wie Fracking gelten: Nicht nur wirtschaftliche Überlegungen sind entscheidend. Die Sicherheit für Mensch und Umwelt – auch künftiger Generationen – muss immer oberste Priorität haben. Selbst Bundesumweltminister Altmaier betonte Ende Februar in einem Pressestatement zum Thema Fracking: „Es gibt Fragen und Bereiche, wo der Umweltschutz und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen Vorrang haben müssen vor wirtschaftlichem Interesse“. Dem stimmt der Verband Wohneigentum uneingeschränkt zu und fordert, dass diesem Grundsatz zwingend entsprochen wird. Denn was nutzen „günstige Energien“, wenn ihre Gewinnung krank macht, unseren Lebensraum gefährdet oder die Natur zerstört? Die Suche nach erneuerbaren Energien, bei relativ geringen bzw. überschaubaren Belastungen, und ihr optimierter Nutzen erscheinen sinnvoller als unabwägbare Langfristfolgen in Kauf zu nehmen.

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Was ist Fracking?

Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, bezeichnet eine Methode zur Förderung von Erdgas- und Erdölvorkommen, die bisher nicht erschließbar waren. Dabei wird ein Fluid aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Vereinfacht ausgedrückt löst das Fluid das Gestein und macht es durchlässiger. Anschließend wird das Gemisch zurückbefördert und das Gas kann nachströmen.

Die USA setzen die Technologie bereits ein. Sie hoffen, damit bis 2035 unabhängig von Gas- und Ölimporten zu werden. Auch in Deutschland werden große Schiefergasvorkommen vermutet, die man mit Fracking fördern könnte.

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