3. Wohnen im Alter

a) Welche Unterstützung für Eigennutzer planen Sie für die Anpassung von Häusern und Wohnungen? Können Sie sich vorstellen, die derzeitigen Sondermaße für barrierefreies oder barrierearmes Wohnen (z.B. Türbreiten, Bewegungsflächen) zu generellen Normen zu entwickeln, um dadurch die Kosten von Sonderanfertigungen zu vermeiden und die Wohnungen bereits beim Neubau alters- und familiengerecht zu erstellen?

 

 

 

 

Wir brauchen mehr generationengerechte Wohnungen. Ziel ist es, dass die Menschen möglichst lange unabhängig und eigenverantwortlich in ihrer häuslichen Umgebung leben können. Die Wohnungen müssen sowohl den Alltagsbedürfnissen von Familien mit Kindern als auch denen von Senioren entsprechen. Dazu muss neben dem entsprechenden Neubau vor allem der Umbau von vorhandenem Wohnraum beitragen. Ebenso sehen wir, dass gemeinschaftliche Wohnformen auch bei älteren Menschen zunehmend Zuspruch erhalten. Das wollen wir weiter unterstützen.


 

 

 

Der demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Um älteren und behinderten Menschen ein möglichst langes und selbständiges Wohnen und eine fortgesetzte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, muss dem barrierefreien Bauen und Wohnen hohe Priorität eingeräumt werden. Wohngebäude, Wohnumfeld und Infrastruktur in den Quartieren müssen an die Bedürfnisse dieser Menschen angepasst werden. Das KfW-Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ bietet einen entsprechenden Anreiz für den Um- und Ausbau von Wohnräumen.

Grundsätzlich ist die Umsetzung von Maßnahmen für die Schaffung von Barrierefreiheit im Baubereich Angelegenheit der Länder. Einige Länder haben ihre Landesbauordnungen entsprechend gestaltet. Die technischen Regeln für den Bau ergeben sich aus den entsprechend anzuwendenden DIN-Normen. Solche Normen, Richtlinien und Empfehlungen beinhalten den aktuellen Stand der Technik und stehen jedermann zur Anwendung frei, ohne zunächst rechtsverbindlich zu sein. Rechtsverbindlich werden sie erst durch die Bezugnahme oder Einführung in Gesetz und Verordnungen.


 

 

 

(Die Fragen 3.a, 3.b und 3.c wurden gemeinsam beantwortet:)
Wir wollen das KfW-Programm “Altersgerecht umbauen“, wieder in den Bundeshaushalt aufnehmen und neben einer Kreditvariante auch eine Zuschussvariante anbieten. So bedeutsam die staatliche Förderung des Umbaus im Bestand auch ist, so wichtig ist darüber hinaus ein Mentalitätswechsel im Neubau, der die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Anfang an berücksichtigt.

Mittelfristig muss darüber nachgedacht werden, die entsprechenden Sonderreglungen in Standards zu überführen, um die Kosten im Blick zu behalten und nachträgliche Umbauten zu vermeiden. Die Schaffung generationengerechter Quartiere geht über diese Maßnahmen weit hinaus und ist nur im Rahmen einer integrierten, ressortübergreifenden Stadt- und Stadtteilentwicklung zu realisieren. Dazu dient u. a. unser Vorhaben, das Programm „Soziale Stadt“ mit einer Mittelausstattung von 150 Mio. Euro zum Leitprogamm einer mit 700 Mio. Euro verlässlich zu finanzierenden Städtebauförderung zu entwickeln. Dabei steht die generationengerechte Gestaltung von Stadtquartieren ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Schaffung und Sicherstellung einer entsprechenden technischen und sozialen Infrastruktur, wie etwa dezentrale Pflegeangebote, technische Assistenzsysteme bis hin zu verlässlichen Kommunikationsstrukturen ist dabei unabdingbare Voraussetzung. Denkbar sind aber beispielsweise auch Modellvorhaben zum generationengerechten Wohnen, die z.B. den Generationswechsel in Einfamilienhausgebieten der 60er bis 80er Jahre unterstützen.

 

 

 

Die Bundesfördermittel für das KfW Programm Altersgerecht Umbauen wurde unter Schwarz-Gelb gestrichen. Wir möchten es wieder bedarfsgerecht ausstatten und zugleich die Verzahnung mit den Gebäudesanierungsprogrammen erleichtern. Die barrierefreie Bauweise beim Neubau ist unter Bezugnahme auf allgemein akzeptierte Regelwerke in die Landesbauordnungen aufzunehmen.


 

 

 

Im Neubau sollte grundsätzlich das Prinzip der Inklusion gelten. Die Bundesregierung hat es leider bei der Baugesetznovelle 2013 versäumt, dies verbindlich zu regeln. Neu gebaute Wohnungen sollten vom Planansatz her so gestaltet sein, dass generationenübergreifende Nutzung von vornherein die Regel ist und spätere, spezielle Umbauten ohne substantielle Eingriffe möglich sind. Der Wunsch vieler älterer Eigenheimnutzer, in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben, sollte durch die Gesellschaft nicht nur wegen der Einspareffekte gefördert werden.