Grundsatzprogramm des Verbands Wohneigentum e.V. gemäß Bundesversammlungsbeschluss vom 22. September 2001

Die Bundesdelegiertenversammlung beschloss am 15.10.2005 einen neuen Verbandsnamen: Verband Wohneigentum e.V. Damit wird auch im Namen ausgedrückt, was im folgenden Grundsatzprogramm inhaltlich zuvor formuliert worden ist. Hier wird der Wortlaut der 2001 beschlossenen Fassung wiedergegeben.

Der Deutsche Siedlerbund e.V., Gesamtverband für Haus- und Wohneigentum,

stellt unter Berücksichtigung der wohnungspolitischen Verhältnisse des 21. Jahrhunderts fest:


Der Deutsche Siedlerbund e.V. lässt sich nach wie vor bei seiner Arbeit von der Vorstellung leiten, dass jede Familie eine ihrer Größe angemessene Wohnung als Eigentum in einer erschlossenen, geordneten und geschützten Umgebung zu für sie tragbaren Bedingungen erwerben und auf Dauer erhalten sollte. Die Bedeutung der selbstgenutzten eigenen Wohnung folgt aus ihrem Stellenwert für die gesellschaftliche Ordnung. Sie steht für die Garantie des Eigentums, die Autonomie der Persönlichkeit wie für das Recht der individuellen Entfaltung und der eigenen Initiative.

Der Deutsche Siedlerbund e.V. weist dazu auf die vielfältigen positiven Auswirkungen der Bildung von selbstgenutztem Wohneigentum hin:

Dieses gesellschaftlich bedeutende Gewicht des Wohneigentums ist Anlass und Grundlage für die Arbeit des Deutschen Siedlerbundes e.V.


Angesichts der besonderen Bedeutung, die das Wohnen im Eigentum für die freie Entfaltung der Persönlichkeit als Grundlage unserer Gesellschaftsordnung hat, setzt sich der Deutsche Siedlerbund e.V. für die ideelle und materielle Förderung des Baus und Erwerbs sowie der Sicherung des Erhalts von selbstgenutztem Wohneigentum ein.


Erst die Sicherung eines eigenen privaten und überschaubaren halböffentlichen Raumes macht die Bewohner fähig zum sozialen Miteinander. Voraussetzung für ein von den Menschen akzeptiertes Wohnumfeld, besonders in städtischen Bereichen, ist, dass

Der Deutsche Siedlerbund e.V. setzt sich daher in Verfolgung dieser Ziele dafür ein, dass


Das Wohneigentum ist (um mit Prof. Oswald von Nell-Breuning, Sozialwissenschaftler, zu sprechen) „das natürliche, ökonomische Gravitationszentrum der Familie“. Diesem Aspekt kommt nach Auffassung des Deutschen Siedlerbundes e.V. gesellschaftspolitisch höchste Priorität zu. Ehe und Familie sind Fundamente der Gesellschaft. Sie stehen unter dem besonderen Schutz unserer Verfassungsordnung, und die Anforderungen der Familienpolitik haben zu Recht die Wohnungspolitik von Anfang an geprägt.

In allen Familienberichten wird bestätigt, dass die Anforderungen der Familienpolitik im Wohneigentum am besten zu verwirklichen sind. Hierzu heißt es, dass der Grad der familien- und altersgerechten Wohnungsversorgung in erheblichem Maße nicht nur davon abhängig ist, ob es sich um Geschosswohnungsbau mit einem oder mehr Stockwerken handelt, sondern auch, ob die Wohnung als Mieter oder als Eigentümer bewohnt wird.

Das selbstgenutzte Wohneigentum ist der wichtigste Lebensraum einer Familie. Es prägt ganz entscheidend den Familienalltag. Architektur, familienfreundliche Grundrisse und bauliche Gestaltung haben wesentlichen Einfluss auf die Persönlichkeitsentfaltung der Familienmitglieder und auf das Zusammenleben innerhalb der Familie. Eine familien- und insbesondere kinderfreundliche Gestaltung des Umfeldes durch ausreichende Kinderzimmer angemessener Größe sowie geeignete Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten sind besonders wichtig.

Die Verfügbarkeit von Wohnung und Garten, auch wenn die Grundstücke und Häuser noch so klein sind, ist ein herausragendes Kriterium für eine familiengerechte Wohnversorgung, denn nur wer über beides verfügen kann, ist zu einer selbstbestimmenden Anpassung der baulichen Gestalt, der Ausstattung und Nutzung an die sich ständig im Lebenslauf und Familienzyklus wandelnden Anforderungen in der Lage. In Mietwohnungen ist dies nur in sehr unzureichender Weise möglich, zumal die rechtliche Verpflichtung zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands in der Regel vielen Initiativen von vornherein keinen Spielraum gibt.

Der Deutsche Siedlerbund e.V. fordert daher, die besondere Eignung der Wohnform des eigenen Heims für die Familie zu berücksichtigen und zu fördern. Bei der Planung und dem Bau von Wohneigentum müssen alle Familienmitglieder zu ihrem Recht kommen, d.h. Größe und Lage, Ausmaß und Zuschnitt der Räume wie auch die gesamte Ausstattung müssen den Anforderungen entsprechen, die erfüllt sein müssen, um einer Familie ein Heim zu bieten, das eine gesunde Entwicklung der Familie und eine Entfaltung des Familienlebens gewährleistet. Dazu gehört
unverändert – wie bereits vom Wohnungswirtschaftlichen Beirat beim damals zuständigen Bundesbauminister 1952 gefordert –, „dass die Belastung für die Familie tragbar ist oder tragbar gemacht wird und tragbar bleibt“.


Die Geschichte und die Erfahrungen des Deutschen Siedlerbundes e.V. zeigen, dass in Wohngebieten mit Familienheimen und gleichartigen Interessen sich ein funktionierendes Gemeinschaftsleben mit starkem Gemeinschaftssinn entwickelt. Dies gilt ganz besonders, wenn diese Wohngebiete in gemeinsamer Selbsthilfe entstanden sind. Nachbarschaftshilfe ist dort meist eine Selbstverständlichkeit und wird nicht nur bei gemeinsamer Gartenarbeit, sondern vielfach in Krankheitsfällen und anderen Notlagen geübt. Dieses Gemeinschaftsbewusstsein fördert die Generationen überschreitende Wirkung im Zusammenleben. In vielen Gemeinschaftshäusern werden auch Aufgaben der Jugendarbeit erfüllt. Soziale Verantwortung und bürgerschaftliche Zusammenarbeit bilden die Grundlage für eine „soziale Stadt“. Die Einbindung junger Familien und der Mitbürger mit geringem Einkommen in eine soziale Gemeinschaft wird erleichtert.


Der Deutsche Siedlerbund e.V. setzt sich dafür ein, bei allen Maßnahmen das vorhandene Bewusstsein zur Schonung und Pflege der Ressourcen durch geeignete Wohn- und Siedlungsformen zu unterstützen. Ökologisch orientiertes Planen und Bauen muss in Zukunft nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein. Dabei stehen aus der Sicht des Deutschen Siedlerbundes e.V. kostensparende Bauweisen und ökologische Anforderungen keinesfalls im Widerspruch - im Gegenteil, sie ergänzen sich sogar. Ökonomisch und ökologisch orientierte Bauleitplanung zeichnet sich aus seiner Sicht aus durch

Bei der Umsetzung ökologisch orientierter Bauleitplanung liegt das Interesse des Deutschen Siedlerbundes e.V. besonders darin, die langfristigen Auswirkungen ökologischer Maßnahmen deutlich zu machen. Er setzt sich dabei für die Anwendung ökologischer Gesichtspunkte und die Verwendung umweltfreundlicher bzw. umweltverträglicher Stoffe und Produkte im Bau, der Instandhaltung und der Gartennutzung ein.


Der Deutsche Siedlerbund e. V. wird seine Bemühungen, Wohneigentum für Familien zu bilden und dessen Erhaltung zu sichern, auch nach Änderung der bisherigen rechtlichen Voraussetzungen unverändert fortführen. Er vertritt die vorstehend wiedergegebenen Positionen mit Nachdruck gegenüber der Bundesregierung, den Landesregierungen und den kommunalen Gebietskörperschaften. Er wird den Katalog der Leistungen für seine Mitglieder weiter ausbauen und intensivieren.