Jauche - helfende Pflanzenextrakte Pflanzenstärkungsmitteln

Schon mal etwas von dem "Wundermittel" Brennnesseljauche gehört und vielleicht schon eine tiefe Nase davon genommen? Gartenberaterin Angela Maria Rudolf klärt auf, wieso es nicht mehr Jauche heißen sollte, welche Pflanzen man für die Herstellung von Pflanzenextrakten unbedingt kennen sollte und wie man sie einsetzen kann.

Beinwell
Beinwell: Einfach und kostengünstig ist es, die Mittel zur Pflanzenstärkung aus dem eigenen Garten zu gewinnen.   © Koch/VWE
Wenn die Rede von Jauche ist, ist meist eine stinkende und gärende Mischung von Pflanzenteilen in Wasser gemeint. Doch warum ist dieser Begriff nicht mehr zeitgemäß?
Zunächst: Der Begriff "Jauche" ist nicht umfassend - er beschreibt nur die fermentierte Form und schließt die anderen ähnlichen Anwendungsverfahren, welche bei der biologischen Bewirtschaftung des Gartens helfen, vollkommen aus. Denn neben der Fermentation (Jauche) besteht die Möglichkeit Tee, Brühe oder Kaltauszüge herzustellen und bei Bedarf zur Pflanzenstärkung anzuwenden. Je nach Herstellungsverfahren ändern sich zum Teil auch die Anwendungsgebiete. Bereitet man Brennnessel zum Beispiel als Tee zu, wirkt es insektenabwehrend. Wird ein fermentiertes Extrakt gewonnen, stärkt es die Immunabwehr und verbessert den allgemeinen Gesundheitszustand von Pflanzen. Somit klingt der Begriff "Pflanzenextrakt" nicht nur angenehmer, sondern umfasst auch alle Herstellungsverfahren.

Welche Pflanzen eignen sich zur Herstellung?

Schachtelhalm
Ein Extrakt aus Schachtelhalm dient der Pflanzenstärkung.   © Görlitz/VWE
Möchte man die ersten Erfahrungen mit Extrakten im Garten machen, empfiehlt es sich als erstes auf die "4 Musketiere" zurückzugreifen: Brennnessel, Beinwell, Schachtelhalm und Adlerfarn.
Mit diesen bewährten Pflanzen sind Sie für einen Großteil der auftretenden Probleme im Hausgarten gut gerüstet. Fermentierten Extrakte lassen sich die einzelnen Komponenten miteinander mischen. So eignet sich zum Beispiel eine Mischung aus Brennnessel-, Beinwell- und Schachtelhalmextrakt hervorragend zur Bodenstimulierung.

Warum das Ganze?

Nichts ist einfacher und kostengünstiger als Mittel zur Pflanzenstärkung aus dem eigenen Garten zu gewinnen. Das schont die Umwelt und den Geldbeutel und schadet den Pflanzen nicht. Man kann sich ausprobieren und eigene Erfahrungen und Beobachtungen über die Wirkungsweise sammeln, man benötigt keinerlei Schutzkleidung und die hergestellten Extrakte sind zu 100 % biologisch abbaubar.

Die Herstellung eines Brennnesselextrakts

Brennnesselpflanze
Brennnesselextrakt - bewährt als Kompostbeschleuniger oder Pflanzenstärkungsmittel.   © Dahlmann/Verband Wohneigentum NRW
Die wichtigste Grundlage zur Herstellung aller Pflanzenextrakte ist Wasser, es sollte aufgefangenes Regenwasser im Temperaturbereich von 15 - 35° Celsius sein. Nachdem man einen Behälter zu ¾ mit kleingeschnittenen Pflanzenteilen gefüllt hat, wird Wasser dazu gegossen (1 kg Pflanzenmaterial auf 10 l Wasser). Die Mischung wird mit einem mittig gelochten Deckel oder mit einem Sack abgedeckt und an einen lichtgeschützten Ort gestellt.

Rührt einmal am Tag um - solange kleine Bläschen nach oben steigen ist die Fermentation noch nicht abgeschlossen. Sensible Nasen, denen der Geruch des Extrakts nicht zusagt, können 5 Tage nach Ansetzen des Extrakts eine Handvoll Engelwurz, Echter Salbei oder Basaltmehl zugeben. Bei Außentemperaturen von 18-20° Celsius ist das Extrakt nach circa 2 Wochen fertig. Wenn keinerlei Bläschen mehr aufsteigen, wird es durch Siebe oder grobe Tücher gefiltert und kann entweder sofort gesprüht oder gegossen werden. Für die Lagerung eignen sich geschlossene Behälter aus Plastik oder Edelstahl, die, lichtgeschützt bei etwa 12° Celsius für ungefähr 12 Monate gelagert werden können.

Die Ausbringung

Das Extrakt lässt sich je nach Ausbringungsmethode verdünnen. Soll das Brennnesselextrakt zum Beispiel als Kompostbeschleuniger eingesetzt werden, so wird es auf 10 % verdünnt und gegossen. Soll es als Pflanzenstärkungsmittel direkt auf die Blätter gesprüht werden, wird es auf fünf Prozent verdünnt. Die Extrakte sollten bei Temperaturen zwischen 14- 26° Celsius ausgebracht werden. An sehr heißen Tagen empfiehlt sich die Ausbringung früh morgens oder spät abends. Bei langanhaltender Trockenheit oder bald einsetzenden Regen sollte mit der Behandlung abgewartet werden.

Angela Maria Rudolf