Hochspannung am Himmel
Das grandiose Naturschauspiel entwickelt sich schleichend
In fast allen Kulturen galten Blitze als Zeichen erzürnter Götter. Die moderne Wissenschaft erkennt sie zwar als natürliche Erscheinung, erklärbar mit elektrischen Vorgängen bei besonderen Wetterlagen. Doch tief in uns löst das himmlische Feuerwerk noch immer archaische Ängste aus - nicht ohne Grund.
Irgendwo gewittert es immer. Weltweit zucken pro Stunde eine Million Blitze am Himmel. Jeden Tag werden achteinhalbmillionenmal Bäume, Antennen, Gebäude und viele andere Ziele von den Wolken aus unter Starkstrom gesetzt. Nur die Antarktis bleibt vor den elektrischen Schlägen der Wettergötter verschont.
Ruhe vor dem Sturm
Zunächst ahnt niemand etwas Böses. Tagelang strahlender Sonnenschein bei wolkenlos blauem Himmel. Doch das ist nur die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Insgeheim bereitet sich das schöne, scheinbar friedliche Wetter auf das dröhnende Finale vor. Die am Boden erwärmte Luft steigt auf und gelangt in kältere Regionen.
Die in ihr enthaltene unsichtbare Feuchtigkeit beginnt zu kondensieren. Winzige Wassertröpfchen bilden sich. Allmählich entsteht sichtbarer Dampf, der zu gewaltigen Wolken heranwächst. Anfangs meist schneeweiß, sind sie beliebte Beobachtungsobjekte für romantische Tagträumer. Doch das kann sich schnell ändern.
Reibung in den Wolken
Die wie wandernde Watteberge wirkenden Gebilde sind alles andere als friedliche Betten von Frau Holle. Sie türmen sich immer höher auf. Dabei verdunkelt sich die Unterseite. Die Ränder hingegen bleiben hell. Schließlich entstehen die berühmten Cumulus-Wolken (Cumulus; lateinisch = Haufen). Sie können bis zu 11 Kilometer Höhe erreichen.
Im Inneren der Wolke toben Turbulenzen, auf- und absteigende Strömungen und Wirbel. Dabei reiben winzige Wassertröpfchen und Eiskristalle aneinander. Die Wolke lädt sich auf und wird zur Gewitterwolke, der Cumulonimbus-Wolke. Meist sammeln sich positve Ladungsträger im oberen, negative im unteren Teil. Die Erdoberfläche wiederum ist positiv geladen.
Knockout auf der Erde
Zwischen positiven und negativen Bereichen entsteht ein extremes Spannungsgefälle, das sich immer wieder schlagartig ausgleicht. Spannungen von mehreren hundert Millionen Volt entladen sich in elektrischen Effekten, die als Lichtblitze sichtbar werden. Die dabei entstehenden Druckwellen sind als Donnergeräusche hörbar. Die meisten Blitze bleiben in den Wolken. Weitaus seltener findet einer den Weg auf die Erde.
Luft leitet elektrischen Strom nur schlecht. Daher irren die gleißenden Lichtlinien in wirrem Zickzack über den Himmel, auf der Suche nach einem passenden Ziel. Hohe Türme und Strommasten, aber auch Bäume und Berggipfel sind der Wolkenunterseite näher als die Umgebung. Daher schlagen Blitze in solche Strukturen häufiger ein als etwa in flache Wiesen. Auch Menschen werden immer wieder getroffen. Zwei Drittel der Blitzopfer überleben den himmlischen Stromschlag.