Nachwuchs für Ehrenämter

Engagement ist "in"

Das Ehrenamt kommt zu neuen Ehren. Wer sich unentgeltlich engagiert, liegt im Trend. Mit christlichem Pflichtgefühl oder Solidarität von einst haben viele Ehrenamtliche der neuen Generation nichts am Hut. Sie helfen, weil es Sinn und Spaß macht.

Für viele Menschen klingt das Wort Ehrenamt immer noch nach goldener Verdienstnadel und Weihnachtsbasar. Doch Engagement ohne Lohn ist wieder "in" - nur etwas anders als bisher üblich. Inzwischen gibt es in Deutschland rund 200 Vermittlungsstellen, die Millionen Helfer zum richtigen Projekt bringen. Und das sind keineswegs nur karitative Aufgaben mit Kindern, Jugendlichen und Alten. Einsatzmöglichkeiten gibt es auch in Kultur, Politik und Wirtschaft, aber auch in Umwelt- oder Tierschutz.

Freiwilligenagenturen helfen dabei, die richtige Beschäftigung zu finden. Oliver Hesse von der Freiwilligen-Agenur Recklinghausen erläutert die Vorgehensweise: "Bei einem Beratungstermin werden die Interessen und Qualifikationen des Helfers abgefragt, ebenso der zeitliche Aufwand und die Form der Organisation, für die man sich ein Engagement vorstellen kann. Ein Computerprogramm bringt dann Bewerber und passendes Stellenangebot zusammen."

Flexibilität ohne Vereinsmeierei

Das "neue Ehrenamt" - ohne langfristige Bindung an Wohlfahrtsverbände oder Sportvereine - spricht auch junge Leute an, die keine Lust haben auf Vereinsmeierei, aber trotzdem was tun wollen.

Auch hinsichtlich der Zeit, die man investieren möchte, gibt es keine Vorgaben. Das kann regelmäßig nur eine Stunde in der Woche sein, oder auch ein zeitlich befristetes Projekt, das nur ein paar Tage oder Wochen dauert, etwa die Organisation einer Ausstellung oder die Software-Umstellung bei einem Verband. Viele Ehrenamtliche suchen aber gerade ein längerfristiges Engagement, bei dem sie Gleichgesinnte kennenlernen und feste Kontakte aufbauen können.

Freigestellt von der Firma

Die Idee des "Corporate Volunteering" stammt aus Amerika und etabliert sich zunehmend auch in Deutschland. Dabei stellt ein Unternehmen seine Mitarbeiter während der Arbeitszeit für ihr ehrenamtliches Engagement frei:

Beispiel Seitenwechsel: Manager arbeiten in einer sozialen Einrichtung, etwa in der Sucht- und Drogenhilfe, im Strafvollzug oder der Behindertenbetreuung

Beispiel Mentorenhilfe: Berufstätige helfen Schülern mit Lernschwierigkeiten, Behinderten, Arbeitslosen oder Flüchtlingen

Beispiel Expertentransfer: Experten stellen Non-Profit-Organisationen ihr Know-How zur Verfügung

Qualifikation durch Ehrenamt

Wer selbst mit anpackt, bekommt mehr zurück als ein gutes Gewissen. Verantwortung übernehmen, neue Fähigkeiten erlernen und soziale Kompetenz beweisen - diese Eigenschaften sind auch in der Wirtschaft gefragt. Für viele Arbeitgeber hat soziales Engagement einen hohen Stellenwert - und das kann bei der nächsten Bewerbung oder auch bei der firmeninternen Laufbahn durchaus hilfreich sein.

Eine ehrenamtliche Tätigkeit sollte man sich daher bescheinigen lassen.

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