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Viele Apfelsorten lassen sich lagern und können den Winter über genossen werden. Gartenberater Martin Breidbach gibt dazu Tipps und stellt Schäden und Krankheiten vor, welche die "Lagerruhe" des Obstes stören.

Lagerfäule
Überreife Äpfel neigen bei zu hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit zum Aufreißen der Schale, wobei diese Stellen dann häufig zu faulen beginnen.   © Breidbach/VWE

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lagerung

Lagert nur gesundes Obst ein! Die Schale sollte ohne Verletzungen sein und, soweit optisch erkennbar, auch keine beginnende Fäulnis vorhanden sein. Früchte, die z. B. mit Schorf befallen sind, sollten besser direkt verarbeitet und nicht gelagert werden. Überreife Äpfel neigen bei zu hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit zum Aufreißen der Schale, wobei diese Stellen dann häufig zu faulen beginnen.

Wichtig ist zudem, die Früchte trocken einzulagern und eine Berührung untereinander zu vermeiden. Weitere Faktoren sind u.a. der optimale Erntezeitpunkt sowie die Temperatur (2 - 4 °C) und die Feuchtigkeit (85 - 90

Physiologische Schäden

Tauchen bei der Lagerung physiologische Schäden auf, handelt es sich um Stoffwechselstörungen, die das Gewebe unter der schützenden Schale angreifen. Dieses wird dauerhaft geschädigt, wobei sich die Störung auch über den ganzen Apfel ausbreiten kann.

Die Stippigkeit tritt durchaus regelmäßig im Lager auf. Während auf der Schale kleine verfärbte Stellen sichtbar werden, verfärbt sich das Fruchtfleisch darunter bräunlich und ist leicht eingesunken. Ist der Befall gering und räumlich begrenzt, können die Stellen herausgeschnitten und die Früchte bedenkenlos gegessen werden. Bei starker Stippe wird der Geschmack jedoch bitter und die Früchte damit wertlos.

Ursachen: Die Gründe für einen Stippebefall sind vielfältig. Einzelnen Apfelsorten, z. B. Gravensteiner, sind besonders anfällig, andere Sorten wie Piros und Topaz, bleiben davon verschont. Zudem weiß man, dass die geschädigten Früchte schlecht mit dem Nährstoff Kalzium versorgt sind, obwohl der Boden in der Regel ausreichend versorgt ist. Eine ausgewogene Düngung und ein maßvoller Baumschnitt können dem Auftreten der Stippe im Apfel entgegenwirken.

Weitere physiologische Schäden sind u.a. Glasigkeit, Fleischbräune und Kernhausbräune.
Auch schlechte Lagerbedingungen können Schäden verursachen. Zum Beispiel neigen überreife Früchte bei zu hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit zum Aufreißen der Schale, wobei diese Stellen dann gerne zu faulen beginnen.

Parasitäre Lagerkrankheiten

Sie werden durch Mikroorganismen verursacht, wobei es sich dabei um Bakterien und Pilze handeln kann. Die Lentizellen-Fruchtfäule oder auch Bitterfäule und ist wohl die häufigste parasitäre Lagerkrankheit beim Apfel. Sie beginnt mit kreisrunden braunen Faulflecken, die sich stetig vergrößern. Mit der Zeit ist die ganze Frucht betroffen und auf den Faulstellen bilden sich größere Sporenlager. Selbst wenn nur ein kleiner Teil des Apfels betroffen ist, kann der Geschmack der ganzen Frucht verdorben sein. Charakteristisch für diese Fäule ist, dass sie sich im Lager schnell ausbreiten kann und meist viele Äpfel betroffen sind.
Leider ist dies nicht die einzige Lagerfäule - weitere bekannte Erreger sind Kelchfäule und Kernhausfäule sowie Monilia, die Grün- und die Graufäule, wobei die optische Unterscheidung nicht immer ganz einfach ist.

Was tun?

Während im Erwerbs-Obstbau vor der Ernte regelmäßig Fungizidbehandlungen durchgeführt werden, hilft im eigenen Lager nur eine vorsichtige Handhabung der Früchte, sowie die regelmäßige Kontrolle und im Bedarfsfall direkt Auslese der befallenen Früchte. Nur so kann ein Übergreifen auf die in direkter Nachbarschaft liegenden gesunden Äpfel verhindert werden.

Martin Breidbach