Tipp vom Gartenfachberater im Monat Dezember

Unser Landesgartenfachberater Siegfried Neumann gibt Tipps für Siedlerfreunde im Monat Dezember:

Obstgarten:

Wurde nach Schluss der Strauchbeerenobsternte

Johannisbeere rot
Johannisbeere rot   © SN
(Johannisbeere rot, Stachelbeere)
Stachelbeere
Stachelbeere   © SN
im Sommer versäumt die Sträucher zu pflegen, wird dies bei günstigem Wetter nachgeholt. Zuerst geht es den im Strauchinneren zu dicht stehenden Sprossen und Zweigen an den "Kragen". Das sorgt für reichliches Licht zur optimalen Entwicklung von Zweigen und Früchten in der bevorstehenden Vegetationsperiode. Außerdem entfernen wir überalterte und im Ertrag rückläufige Zweige dicht über den Boden. Bei den wöchentlichen Kontrollen im Obstlager sind sichtbar kranke Früchte sofort zu entfernen, sonst befällt die Monilia-Schwarzfäule unsere eingelagerten Äpfel und verursacht große Schäden. Die bisher schön gefärbten Früchte werden blau-schwarz und die Fruchtschalen ledrig. Mehrschichtiges lagern von Äpfeln fördert die Ansteckungsgefahr! Am besten lagern wir die Äpfel in Steigen auf (Zeitungs-) Papier einlagig. Die Steigen wiederum kann man stapeln. Stellt sich kurz vor Jahresende ein bitterer Geschmack bei Äpfel ein, liegt das meist nicht an Schäden durch Insekten oder Pilze, sondern an Fehlern in deren Kultur sowie Mangel an Nährstoffen und Bodenfeuchte während der Vegetationsperiode, die Früchte sind "stippig". Mit Düngekalk, Kompost und Stalldung dürfen wir nicht sparen. Die Wasserversorgung muss während der Vegetationszeit kontinuierlich ausreichend sein. Zu hohe Magnesium-, Kalium- und Stickstoffdüngergaben fördern dagegen die Stippegefahr. Spalierobst wird wieder aktuell. Je nach vorhandener Fläche, können wir dieses auf kleinen oder etwas größeren Räumen pflanzen, pflegen und ernten. Wandspaliere an Gebäuden oder Mauern,
Wandspalier an Gebäuden
Wandspalier an Gebäuden   © SN
eignen sich vorwiegend für Kernobstarten. Beim Kauf der Bäume greifen wir am besten nach bereits formierten Bäumen mit festen Wurzelballen. Das spart einen Teil der nötigen Erziehungsarbeit, außerdem sorgt ein großer fester Wurzelballen für zügiges anwachsen vor Ort.

Gemüsegarten:


Rosen- und Grünkohl

Grünkohl
Grünkohl   © SN
überstehen meist die winterlichen Witterungsunbilden ohne Schäden. Selbst bei Schnee und Eis können wir von diesen Gemüsearten ernten. Bei Frost stets einen Tag früher, damit das Gemüse in einem kühlen Raum langsam und unbeschadet auftauen kann. Wurde rechtzeitig das Petersilienbeet mit einem kleinen Frühbeet überbaut, hat man auch nach Schneefall ernten. Wintersalat und Winterblumenkohl erhält einen Schutz aus Deckreisig. Dieser dient als Schneefang und schützt die Pflanzen vor starken Frösten. Möhren, Rettiche oder Rote Bete lagern wir im Keller am besten bei 2-4°C vollkommen bedeckt in feuchtem Sand. Durch diese Maßnahme können wir die Lagerung auf bis zu zwei Monate ausdehnen. Jährliche Kürbisfeste und auch Halloween spornen uns zum Anbau von Gemüse- und Zierkürbis an. Noch vor Monatsende möchten wir auch den letzten Speisekürbis
Speisekürbis
Speisekürbis   © SN
der Ernte 2015 aus dem Keller holen um ihn in der Küche zu leckeren Suppen, Kompott u.v.m. verarbeiten. So mancher Hobbygärtner wirft nicht alle Kürbiskerne auf dem Kompost. Er liest die Dicksten davon auf, um diese zu säubern, zu trocknen und im Frühjahr 2016 zur Jungpflanzenanzucht auszusäen. Kürbisse sind bastartfreudig, was wir im Sommer bald nach der Blüte sehen.
Kürbisse sind bastartfreudig
Kürbisse sind bastartfreudig   © SN
Wer sortenechte Kürbisse Ernten möchte, kauft sich das Saatgut im Fachhandel. Beim Rückblick auf die Möhrenernte dieses Jahres ärgert sich so mancher Hobbygärtner über zahlreiche aus dem Boden herausgewachsene grün bitterschmeckender Möhrenköpfe. Sie sollen sogar giftig sein, doch das stimmt nicht. Anders jedoch bei Kartoffeln und Tomaten. Diese gehören zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanum tuberosum). Deren Pflanzen enthalten das giftige Alkaloid Solanin, welches sich vorwiegend in den grünen oder verletzten Anteilen der Schale anreichert. Die Kartoffel produziert es um Fäulniserreger abzuwehren, daher steigt der Gehalt in rohen geschälten ebenfalls Kartoffeln leicht an. Solanin wird beim Kochen nicht zerstört, sondern aufgrund der hohen Temperaturen im Kochwasser gelöst, dieses sollte man immer abgießen. Moderne Kartoffelsorten enthalten jedoch kaum noch dieses Alkaloid, daher ist ein Verzehr von gesunden, frisch verarbeiteten Knollen völlig unbedenklich. Sofern es die Witterung erlaubt, graben wir jetzt abgeerntete Beete grobschollig um. Deren Oberfläche fördert eindringen des Niederschlags- und Schmelzwassers in den Boden. Im Ergebnis fördert die winterfeuchte Erde zu gegebner Zeit zügiges Wachstum der Aussaaten und Pflanzen.

Zierpflanzen:


Gut gepflegte Hecken bieten optimalen Lärm-, Sicht-, Staub- und Windschutz. Versäumter Schnitt wird jetzt zügig nachgeholt. Durch Schneelast deformierte oder überalterte lückenhafte Hecken sind zu verjüngen oder ganz zu entfernen. Wer sich für Verjüngung entscheidet, schneidet diese bis auf einer Höhe von 25 bis 40 cm zurück. Eine reichliche organische und mineralische Grunddüngung (Kompost und Blaukorn) im Frühjahr fördern ein zügiges Wachstum und Dichte. Die so verjüngte Hecke wird im Juli, wenn die letzten Jungvögel ihr Nest verlassen haben, zum ersten Mal geschnitten. Für optimale Dichte werden zweidrittel der Wuchshöhe weggeschnitten. Beim jährlichen Heckenschnitt im Spätherbst oder Winteranfang zum schrittweisen Aufbau der Hecke verbleiben ca. 10 bis 12 cm der neuen Triebe. Nach Erreichen der gewollten bzw. vorgegebenen Heckenhöhen wir vollständig darauf zurückgeschnitten. Beim Aufbau werden die Seiten leicht konisch gehalten, damit das Licht das Laub vollständig erreichen kann. Noch bietet sich Gelegenheit durch Steckholz (20-25 cm lang) Ziergehölze, wie Goldglöckchen ,

Goldglöckchen
Goldglöckchen   © SN
Kätzchenweide, Liguster, Pfeifenstrauch (Philadelphus)
Pfeifenstrauch
Pfeifenstrauch   © SN
oder Weigelien vegetativ zu vermehren. Hat "Väterchen Frost" dem Boden noch nicht fest im "Griff", wird gleich ins vorgesehene Anzuchtbeet gesteckt. Ansonsten bündeln wir das Steckholz und schlagen es an geeigneter Stelle bis zum Frühjahr z.B. im kühlen Keller in feuchtem Sand oder an einem geschützten Platz im Erdreich ein. Bei stärkeren Kahlfrösten bedürfen frostempfindliche Stauden und Zwiebelgewächse eines besonderen Winterschutzes. Nach starken Schneefällen wird schnellstens die "Weiße Last"
Schneelast
Schneelast   © SN
von den Zweigen der Ziergehölze abgeschüttelt.

Terrasse, Wintergarten, Zimmerpflanzen:

Immer öfter stellen Familien einen Weihnachtsbaum auf den Balkon oder die Terrasse. Wer sich über die vielen vom Weihnachtsbaum im Wohnzimmer zu Boden fallenden Fichten- oder Kiefernnadeln ärgert, dem sei der Kauf einer Tanne empfohlen. Sie vermag ihr "Laub" länger festzuhalten. Im Wintergarten fühlen sich attraktive Pflanzen aus tropischen Breiten, wie z.B. Nachtfalter-Orchidee (Phalaenopsis),

Nachtfalter-Orchidee
Nachtfalter-Orchidee   © SN
Flamingoblume (Anthurium andreanum),
Flamingoblume
Flamingoblume   © SN
Fensterblatt (Monstera) oder Banane (Musa) wohl. Die Temperaturen dürfen nachts nicht zu stark absinken, die Luftfeuchte sollte den Bedürfnissen der jeweiligen Pflanzen entsprechen. An finsteren Wintertagen versäumen wir auch nicht für einige Zeit die Beleuchtung, am besten Lumoflor-Leuchten, einzuschalten. Zahlreiche Topf- und Kübelpflanzen halten Winterruhe. Sie stellen an Bodenfeuchte, Tageslicht und Temperaturen nur geringe Ansprüche. Dabei gilt: je wärmer, je mehr Licht und Bodenfeuchte und je kühler umso weniger Licht und Bodenfeuchte.

Frage des Monats:


Stimmt es, dass in unserer Region im Winter Jasmin blüht? Sicher! Winterjasmin (Jasminum nudiflorum)

Winterjasmin
Winterjasmin   © SN
gehört neben etwa 200 weiteren Arten zur Gattung Jasminum. Jasmin stammt ursprünglich aus einer Region, die große Teile Chinas, Kaschmir und den Himalaja umfasst und hat sich von dort aus auf alle Kontinente unseres Erdballs verbreitet. Darunter auch der in Nord- und Westchina heimische Winterjasmin, welcher in extrem kalten Wintern oft auch zurückfriert. Reisende brachten diesen laubabwerfenden Strauch in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit nach Europa. Heute finden wir in manchen Garten diese Pflanze mit langen überhängenden Trieben im lockeren Busch, oder an Spalieren in die Höhe "steigend". Sein sommergrünes Laub wirft der Winterjasmin im November ab.
Winterjasmin
Winterjasmin   © SN
Dafür schmückt er sich, je nach Wetter und Standort, von Dezember bis April mit zartgelben Blüten. Winterjasmin liebt sonnige bis leicht schattige Lagen. Sein obligatorisch nötiger Rückschnitt erfolgt nach Abschluss des Flores im April. Übrigens, im Spätherbst dieses Jahres begann sich der Winterjasmin bereits Mitte November in der Region von Penig im Muldental vorzustellen.


Siegfried Neumann