Baumschutzsatzungen

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Pro & Kontra


Mit Baumschutzsatzungen Grün in den Städten erhalten?

In zahlreichen Kommunen regeln Baumschutzsatzungen, welche Bäume besonders schützenswert sind. Kriterien sind Stammumfang oder Kronendurchmesser. In privaten Gärten dürfen sie nur mit behördlicher Genehmigung gefällt werden. Was die einen als wichtiges Instrument für mehr Artenschutz betrachten, ist für die anderen Gängelung von Eigentümern.
echt hat nachgefragt.

Mark Harthun ist Naturschutzreferent beim Naturschutzbund Hessen (NABU).

Pro

 


Alte Bäume haben im Siedlungsraum eine hohe Bedeutung – sowohl mikroklimatisch als auch für den Erholungswert. Nicht umsonst sind baumlose Wohngebiete die unattraktiveren mit niedrigeren Grundstückspreisen. Bäume bringen Sauerstoff in die Stadt und bieten Höhlen für vielfältige Tierarten wie Spechte oder Fledermäuse, die auch zur natürlichen Schädlingsbekämpfung in den Gärten beitragen.

Baumschutzsatzungen sind nötig, da die sogenannte Eingriffsregelung, die einen Ausgleich für Naturzerstörung zum Beispiel durch Neupflanzungen fordert, nur im Außenbereich und nicht im Siedlungsraum gilt. Nachdem die hessische Landesregierung 2003 im Namen der Deregulierung flächendeckend Baumschutzsatzungen aufgehoben hat, haben wir dramatische Fällungen erlebt; der Weg wurde frei für hemmungsloses Bauen. Doch wer einen alten Baum fällt, hat unweigerlich die Chance vertan, zu Lebzeiten dort wieder einen alten Baum zu sehen, selbst bei Nachpflanzung.

Baumschutzsatzungen sind kein Totalschutz für jeden Baum, sondern wirken gezielt. Es gibt einen Katalog von Ausnahmeregelungen, zum Beispiel wenn Bäume krank sind oder zu viel Licht nehmen. Die meisten Satzungen gehen noch nicht weit genug, denn sie beziehen sich nur auf private Grundstücke, nicht auf Straßen- und Parkbäume. Im öffentlichen Raum müssen strengere Maßstäbe gelten als im privaten Garten. Für Privatgärten sollte es keine Pauschalregelung geben, die eine bestimmte Dicke von Stämmen schützt, sondern ein Kataster, welches spezielle Baumarten, ortsbildprägende Bäume oder Habitatbäume für andere Tierarten ausweist.

Rainer Flatter ist Geschäftsführer des Vereins „Haus und Grund“, Hessen.

Kontra

 


Baumschutzsatzungen greifen unverhältnismäßig in das Eigentumsrecht ein. Unter dem Deckmantel des Naturschutzes verdienen Kommunen gezielt Geld. Sie treiben Entgelte für Ersatzpflanzungen oder Bußgelder ein, die bis in den sechsstelligen Bereich gehen können. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was ein Eigentümer verursacht, wenn er einen Baum fällt. Zudem verdienen die Kommunen an den Kosten für Genehmigungen, die oftmals zwischen 30 und 100 Euro liegen – pro Baum!

Artenschutz ist kein Argument, denn exotische Bäume sind bei uns so gut wie nie von Fällungen betroffen. Vogelarten nisten zudem nicht nur in einem bestimmten Baum, sondern suchen sich bei Bedarf andere, unproblematischere Schutzräume, die es auch in den Städten gibt. Befürworter von Baumschutzsatzungen beschwören ein Szenario, das nichts mit der Realität zu tun hat: Kein Eigentümer hat Interesse daran, sein Grundstück zu entwerten und Bäume massenhaft zu fällen. Im Gegenteil: In der Regel sind sie Freunde von Grün und altem Baumbestand und entfernen nur kranke oder problematische Bäume.

Baumschutzsatzungen, die das gesamte Gemeindegebiet vor Baumfällungen unter Schutz stellen, verstoßen gegen das hessische Naturschutzgesetz, nach dem es Baumschutz nur in Teilbereichen und nie flächendeckend geben darf. Zudem sind Satzungen nichts anderes als ein weiteres Bürokratiemonster, da sie doppelte Regelungen ohne zusätzlichen Gehalt schaffen: Auf Länderebene nämlich gibt es bereits Landschaftsrahmenpläne, die genügend Schutzmaßnahmen für erhaltenswerte Bäume beinhalten.

Link-Tipps

Naturschutzbund (NABU) Hessen: http://hessen.nabu.de/

Naturschutzbund (NABU) Deutschland: http://www.nabu.de/

Verein "Haus und Grund", Landesverband Hessen: http://www.hausundgrundhessen.de

Verein "Haus und Grund" Deutschland: http://www.haus-und-grund.net/index.html

Aufgezeichnet von: Jörn Dietze

Hinweis:

Mit freundlicher Genehmigung des Mitgliedermagazins echt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau



Die Baumschutzsatzung der Stadt Frankfurt am Main finden Sie mit diesem Link:

http://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/Baumschutzsatzung.pdf