Große Drüsenameise breitet sich aus - was können Gartenbesitzer tun

Von Sven Görlitz, Gartenberater Verband Wohneigentum Baden-Württemberg e.V.

Breite Ameisenstraßen auf der Terrasse, feine Sandhäufchen zwischen den Pflastersteinen, ein beißender Geruch, wenn man versehentlich in ein Nest tritt - für immer mehr Menschen im Südwesten ist das kein Einzelfall mehr, sondern ein zunehmendes Problem im eigenen Garten. Die Rede ist von Tapinoma magnum, auch als Große Drüsenameise bekannt, einer ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammenden Ameisenart, die sich seit einigen Jahren in Baden-Württemberg ausbreitet.

Bild Wurzelballen mit Ameisenbau
© Sven Görlitz

Kleine Ameise mit großen Kolonien

Vermutlich über den Handel mit mediterranen Kübelpflanzen wie Olivenbäumen oder Oleander eingeschleppt, bildet Tapinoma magnum über Jahre sogenannte Superkolonien, das sind weitverzweigte Netzwerke mit vielen Brutzentren und Hunderttausenden bis Millionen Arbeiterinnen. Die Ameisen können mit ihren Mundwerkzeugen zwicken und bei Bedrohung ein Wehrsekret abgeben. Für Menschen stellt die Art keine ernsthafte Gesundheitsgefahr dar; das Sekret kann jedoch Hautreizungen verursachen. Problematisch ist die Art nicht nur wegen der großen Zahl der Tiere: Wo sich Superkolonien etablieren, können heimische Ameisenarten verdrängt und bei starkem Befall auch Pflasterflächen, Gebäude oder technische Infrastruktur beeinträchtigt werden.

Woran erkennt man einen Befall?

Die Große Drüsenameise allein nach dem Aussehen zu bestimmen ist sehr schwierig und für den Laien nicht machbar. Bevor irgendwelche Maßnahmen erfolgen, sollte eine sichere Bestimmung immer durch Fachleute erfolgen. Es gibt jedoch Anzeichen, dass es sich um diese Ameisenart handeln könnte:

  • Breite, mehrspurige Ameisenstraßen

  • Sand- und Erdauswurf an Nesteingängen, oft in Fugen und Pflasterspalten

  • Arbeiterinnen sind komplett schwarz gefärbt und in unterschiedlicher Größe (2-5 mm) gleichzeitig sichtbar

  • Bei Störung strömen Arbeiterinnen schnell und zahlreich aus dem Boden

  • Die Brut wird regelmäßig zwischen den Nestern transportiert

  • Wenn die Tiere gereizt werden verströmen sie einen starken Geruch. Dieser erinnert je nach Wahrnehmung an ranzige Butter, chemische Reinigungsmittel oder Zitrone

Sollten diese Punkte nicht zutreffen, handelt es sich vermutlich nicht um die Große Drüsenameise in Ihrem Garten, sondern um eine der über hundert bei uns vorkommenden Ameisenarten, von denen einige gefährdet oder besonders geschützt sind. Diese Ameisen sind ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems und müssen im Garten in der Regel nicht bekämpft werden.

Treffen mehrere dieser Merkmale zu, besteht ein Verdacht auf einen Befall mit der Großen Drüsenameise. In diesem Fall kann man zur sicheren Bestimmung Bilder oder auch Proben an die Tapinoma-Meldeplattform schicken: https://artenkenntnis.inf...inoma-melden
Hier finden Sie auch weitergehende Informationen zur Erkennung von Tapinoma magnum.

Wie kann man im Garten vorbeugen?

Ein Verhindern der Verbreitung ist nur schwer möglich, trotzdem lässt sich die Gefahr minimieren, besonders da Kübelpflanzen eine wichtige Art der Verbreitung darstellen.

  • Beim Kauf von Kübelpflanzen aus Baumschulen und Gartencentern den Wurzelballen auf vorhandene Ameisen überprüfen. Besonders wichtig ist die Kontrolle von mediterranen Großgehölzen wie Oliven- und Feigenbäumen oder Palmen. Durch ein längeres Eintauchen in Wasser werden aufschwimmende Ameisen sichtbar.

  • Auch bei Gartenarbeiten und dem Transport oder Austausch von Erde und Pflanzen ist darauf zu achten, keine Ameisen oder befallenes Material zu verschleppen.

  • Wer Kompost, Erde und Pflanzen möglichst aus dem eigenen Garten verwendet und unnötige Transporte von Erde und Topfpflanzen vermeidet, kann das Risiko einer Einschleppung reduzieren.

Was tun bei einem Befall?

Je früher ein Befall erkannt wird, desto besser lässt er sich eindämmen - eine bereits etablierte Superkolonie ist kaum mehr zu beseitigen.

  • Ritzen und Fugen an Hauswänden, Terrassen und Gehwegen regelmäßig kontrollieren

  • Frühzeitig handeln, sobald ungewöhnlich viele Ameisen oder Sandauswurf auffallen

  • Nachbarn ansprechen und einen Befall direkt der Gemeinde melden

  • Von eigenen Bekämpfungsversuchen, z.B. mit sogenannten Hausmitteln, sollte abgesehen werden. Bei einem bestätigten Befall
    ist ein abgestimmtes Vorgehen mit Gemeinde, Nachbarschaft und einem erfahrenen Schädlingsbekämpfungsunternehmen sinnvoll.

  • Für eine erfolgreiche Bekämpfung sind meist professionelle Verfahren wie thermische Behandlungen mit Heißwasser oder Heißschaum und - je nach Situation - zugelassene Bekämpfungsmittel erforderlich. Bekämpfungsstrategien können nur erfolgsversprechend sein, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Sven Görlitz
Gartenberater Verband Wohneigentum
Techniker im Garten- und Landschaftsbau

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