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Gründung der SG Emil-Teich-Siedlung in Leipzig

"Mit Gemeinschaft etwas bewegen"

Neugründung in Leipzig

In Zeiten, in denen einige Gemeinschaften mangelnden Nachwuchs beklagen und um die Zukunft bangen, macht ein Beispiel aus Sachsen Mut: In Leipzig schlossen sich Menschen zusammen, Jung und Alt, um mit einer Stimme zu sprechen und ihre Interessen gegenüber Kommunalpolitikern durchzusetzen. Frank Börner, einer der Gründer der frischgebackenen Siedlergemeinschaft Emil-Teich-Siedlung, spricht mit Familienheim und Garten über die Hintergründe.

FuG: Wie entstand die Idee, eine Siedlergemeinschaft zu gründen?Börner: Die Emil-Teich-Siedlung ist als eine der ältesten Siedlungen in Leipzig nicht an das zentrale Abwassernetz angeschlossen. Seitens der Stadt wurde lange behauptet, dass dies nicht geht und man wollte uns stattdessen teure biologische Kleinkläranlagen aufdrängen. Dazu wollten wir uns nicht zwingen lassen - und so haben wir im Jahr 2010 eine Bürgerinitiative gegründet.

FuG: Welche Rolle spielt der Verband Wohneigentum?Börner: Bereits am Anfang haben wir Unterstützung beim Verband Wohneigentum gesucht und gefunden. Zunächst rein informell und ohne selbst einen Verein zu gründen. Bald wurde aber klar: Wenn wir wirklich etwas bewegen und bei der Stadt mit einer starken Stimme reden wollen, dann brauchen einen eigenen Verein. Und so ist aus den 50 bis 60 Einzelmitgliedern beim Verband Wohneigentum schließlich die Siedlergemeinschaft Emil-Teich entstanden.

FuG: Und dabei ist es nicht geblieben, inzwischen sind es 140 Mitglieder, Jung und Alt?Börner: Viele der etwa 1000 Bewohner in der Siedlung haben dann gemerkt: In dieser Gemeinschaft steckt Kraft und mit ihr können wir etwas bewegen. Dazu kommt: Unsere Siedlung vollzieht gerade einen Generationswechsel und liegt im Süden von Leipzig, das Gebiet hat noch viel Potential zu wachsen. Das bewirkt einen Zuzug von jungen Menschen. Viele junge Familien sind auf uns zugekommen. Sie möchten soziale Kontakte knüpfen und natürlich auch Zukunft mitgestalten: zum Beispiel für mehr Schulen und Kitas kämpfen und die Verkehrsanbindung der Siedlung verbessern.

FuG: Gründe gab es also genug - war die Gründung daher einfach?Börner: (Lacht) Es war schwierig, die große Masse zu aktivieren und das Verständnis zu wecken, dass wir die Gemeinschaft brauchen. Jeder sagt: ? Ja, man müsste mal einen Verein gründen! ?. Aber wenn man dann davor steht und alle bürokratischen Hürden überwinden muss, dann bedeutet das Arbeit und am Ende übernimmt man auch Verantwortung. Das sind schon Knackpunkte und das bedarf schon einer gewissen Überzeugung. Diese Überzeugung habe ich nicht etwa ausgestrahlt, sondern die ist gewachsen, als uns klar wurde, dass viele andere Probleme in Zukunft noch hinzukommen werden und dass man sich einfach stärker organisieren muss. Und so hatten schließlich einige die Bereitschaft, etwas zu übernehmen, was Arbeit macht. 14 Menschen bilden heute den harten Kern der Gemeinschaft: ein dreiköpfiger Vorstand und elf regelmäßige aktive Unterstützer.

FuG: In Siedlungen eine Gemeinschaft, einen Verein gründen - für manch einen klingt das vielleicht als etwas Gestriges?Börner: Vereinsarbeit wird häufig als aus der Mode gekommen dargestellt - aber das ist nicht so. Denn wenn wir in dieser Gesellschaft etwas bewegen wollen, dann muss das aus diesen Vereinen kommen. Dann muss man sich entsprechend organisieren und diese Ziele beharrlich durchsetzen. Von selbst geht nichts und jede Verwaltung versucht, mit dem geringsten möglichen Kostenaufwand bestimmte Dinge durchzusetzen.

FuG: Und wie sieht es aktuell mit ihrem Ziel aus, die Abwasser-Problematik in der Siedlung zu regeln?Börner: Alle Stadtratsfraktionen haben das Problem inzwischen erkannt und haben gemeinsam an den Oberbürgermeister geschrieben. Jetzt muss sich die Stadtverwaltung bewegen. Wir wollen nichts geschenkt haben, sondern wir wollen nur vergleichbare Verhältnisse haben und unser berechtigtes Interesse auf ein kostengünstiges und sozialverträgliches Abwasser-Management durchsetzen.

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Gemeinsames Foto des Vorstandes mit dem Landesverbandsvorsitzenden

Gemeinsames Foto des Vorstandes mit dem Landesverbandsvorsitzenden Dr.Heine (3 v.l.) © ETS

Feierliche Gründung der SG Emil-Teich-Siedlung e.V.
Nachdem am 04.03. in einer Einwohnerversammlung sich über 100 Teilnehmer für eine nötige Interessengemeinschaft aussprachen wurde am 28.04.16 die Siedlergemeinschaft (139 Mitglieder) in Knautkleeberg (Lpz.) im Beisein des Landesverbandsvorsitzenden Dr. W. Heine gegründet. Die Gründungsmitglieder besetzten mit Wahl alle Vorstandsfunktionen, nahmen die Satzung und Beitragsordnung der SG an, so dass die Eintragung beim Registergericht als nächstes vorgesehen ist. Den Entschluss zur Bildung einer SG Emil-Teich-Siedlung e.V. begrüßte der VWS von Anfang an, der Landesverbandsvorstand beglückwünscht die Mitglieder zu diesem Schritt und wird den weiteren Weg des Vereins tatkräftig begleiten. Gegenwärtig benötigen die Siedler die Unterstützung des Verbandes um ihre Ziele in den Verhandlungen mit der Stadt Leipzig und den Wasserwerken beim geplanten Anschluss der Siedlung an das Abwassernetz durchsetzen zu können. In mehreren Gesprächen der verantwortlichen Sfrden. U. Bierbaum (Vorsitzender), F. Börner (stellv. Vorsitzender), G. Eule und anderer mit dem Landesverbandsvorstand wurden Wege gesucht, wie schnellstmöglich die Siedler eine notwendige Plattform bilden und Unterstützung erhalten könnten. In diesem Zusammenhang auch ein "Dankeschön" an den benachbarten SV "An der Albersdorfer Straße" e.V., der nach Austrittsbestrebungen eines anderen Vereines sich bereit erklärte, die Siedler die Mitglied im VWS bleiben wollten, zu betreuen. Der Weg, der zur Vereinsgründung führt ist somit befördert durch den Zusammenhalt der Siedler und der Hilfe des Verbandes und vielfältigen Aktivitäten, die im Wesentlichen auch künftig das Charakterbild des Vereines darstellen und mit Existenz einer Gemeinschaft vor Ort zur Bereicherung im sozialen Umfeld führen werden.

Gründungsurkunde

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