Der Hausbaum

Ein besonderer Hausbaum darf in keinem Garten fehlen. Nicht ohne Grund wurde von unseren Vorfahren zu jedem Haus auch ein Baum gepflanzt. Leider gerät dies heutzutage in Vergessenheit und in vielen Neubaugebieten wird dieser schöne Schattenspender durch ein multifunktionales Sonnensegel ersetzt. Doch während ein künstlicher Sonnenschutz nur vor der Einstrahlung schützt, kann ein Baum zudem die Luft aktiv abkühlen.

Kugelahorn
Kugelförmige Bäume wie der Kugelahorn erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit.   © Breidbach/Verband Wohneigentum e.V.

Was spricht für einen Baum?

Bäume kühlen das Kleinklima ab!
Der Klimawandel und seine Folgen sind allgegenwärtig. Betonierte, gepflasterte und asphaltierte Flächen heizen die Umgebung auf, durch die hohe Speicherfähigkeit der Materialien kommt es zudem nur zu einer geringen nächtlichen Abkühlung. Das gilt auch für die leider sehr beliebten Schotterflächen in den Vorgärten. Die intensive Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen lassen einen eher im Haus bleiben, und auch da bekommt man die Folgen zu spüren. Umso wichtiger ist es, mit einer entsprechenden Anpflanzung eines oder mehrerer Bäume für Linderung zu sorgen.

Bäume sind tatsächlich in der Lage, ihre Umgebungstemperatur vor allem durch zwei Faktoren zu reduzieren: Verdunstung und Beschattung. Durch die Verdunstung wird nicht nur die Luftfeuchtigkeit in Baumnähe erhöht. Zum Verdunsten, also für den Übergang von flüssigem Wasser zu Wasserdampf, wird Wärme benötigt. Diese Wärme wird der Umgebungsluft entzogen, die Luft innerhalb der Baumkrone kühlt sich ab und da sie schwerer ist, sinkt sie nach unten. Je größer die Baumkrone und die Blattflächen, umso stärker ist die Kühlwirkung. Immerhin können große Bäume bis zu 400l Wasser am Tag verdunsten. Auch eine Grünfläche unter dem Baum spielt eine Rolle. Da die Pflanzen ebenfalls Wasser verdunsten, wird der Kühlungseffekt zusätzlich verstärkt. Die Wirkung einer Beschattung entsteht durch die Reflexion der Strahlung von der Blattoberfläche. Dadurch wird verhindert, dass ein Teil der Strahlung bis zum Boden vordringen kann. Neben der sichtbaren Strahlung kann besonders bei dichten Baumkronen die hautschädigende UV-Strahlung um bis zu 90% reduziert werden. Zusammengenommen wirken beide Faktoren wie eine gute Klimaanlage - Untersuchungen zeigen, dass unter einem Baum die Temperauren um bis zu 10°C niedriger liegen wie in der unbegrünten Umgebung.

Bäume schaffen eine natürliche Atmosphäre!
Die positive Wirkung von grünem Laub auf Psyche und Gesundheit ist vielfach beschrieben. Bäume produzieren Sauerstoff und binden dabei das klimaschädliche CO2, sie wirken als Feinstaub- und Schadstofffilter, und sie dienen als Nahrungsquelle und Unterschlupf für viele Insekten und Vögel.

Welcher Baum soll es sein?

Eine große Rolle bei der Auswahl spielt neben der Größe die Form des Baumes. Natürliche Wuchsform und Kugelbäume sind derzeit am beliebtesten. Außerdem gibt es Säulen- und Kegelkronen, aber auch schirm- und hängendwachsende Varianten.

Das Sortiment an Kugelbäumen wie Kugelahorn und Kugelsumpfeiche ist stetig gewachsen und mittlerweile recht umfangreich. Säulenvarianten sind nicht ganz so verbreitet, erfreuen sich aber zunehmender Beliebtheit. Durch ihr schlankes Wachstum lassen sich auch kleinere Flächen interessant gestalten, ohne das Wachstum anderer Pflanzen im direkten Umfeld allzu sehr zu beeinträchtigen. Sehr straff im Wuchs sind dabei die Säulenformen von Felsenbirne und Amberbaum. Beide begeistern auch im Herbst durch ein grandioses Farbspiel in Gelb-Orange-Rot.

Größe? Wuchsform?

Die natürlich wachsende Baumform erinnert stark an die großen Hausbäume wie Walnuss oder Linden. Felsenbirne und Apfeldorn sind interessante Vertreter mir Fruchtschmuck und schöner Herbstfärbung.

Herausgreifen möchte ich vor allem den Zierapfel, der in den Baumschulen vielen Zierkirschen schon den Rang abgelaufen hat. Aufgrund seiner eher geringen Größe von 4 - 8 m in der Höhe und 3 - 6 m Breite (sortenabhängig) passt er in jeden Garten, oftmals auch in den Vorgarten. Mit seiner Blütenfülle im Frühjahr, das Farbspektrum reicht von weißen, roten, rosa- oder purpurfarbenen Blüten, lockt er viele Insekten an und die Pollen sind eine wichtige Nahrungsquelle. Zudem spenden Zieräpfel kräftig Pollen, sind also Befruchter für Kulturäpfel. Über den Sommer hinweg bildet er die 1-3-cm großen Früchte, die im Herbst und häufig noch bis in den Winter hinein die Zweige schmücken. Vögel wie Stare, Wachholderdrosseln und Amseln, aber auch Sperlinge und Meisen, freuen sich über das zusätzliche Nahrungsangebot. Zudem können die Zweige zur Dekoration verwendet werden. Wer viel Zeit hat, kann aus vielen kleinen Früchten ein leckeres Gelee kochen, nur zum Kuchen backen eignen sie sich nicht.

Farben von Frucht und Blatt?

Zierapfel
Zierapfel "Red Sentinal", nicht nur schön, sondern auch ökologisch wertvoll!   © Breidbach/Verband Wohneigentum e.V.
Neben Größe und Wuchsform achtet man bei der Auswahl auf die Fruchtfarbe, die von leuchtet gelb über orangerot und ein kräftiges rot bis zum violett reicht. Auch die Blattgesundheit ist ein wichtiger Aspekt: Einige Sorten sind schorfresistent, sowohl Blatt und Frucht bleiben dann die ganze Vegetationszeit über ansehnlich.
Zu den schönsten Sorten zählen "Evereste" und "Red Sentinal", deren leuchtende Früchte noch im Raureif an kahlen Ästen haften und schön anzusehen sind.

Baumschulen halten gerade im Herbst ein umfangreiches Sortiment an Kleinbäumen bereit. Lassen Sie sich gut beraten, denn nur so haben Sie über einen langen Zeitraum viel Freude an dem Hausbaum, Ihrem Baum.
Martin Breidbach

Checkliste

  • Welche Baumform gefällt mir am besten?

  • Welche Größe und Umfang hat der Baum im ausgewachsenen Zustand?

  • Welchen Grenzabstand/Abstand zu Gebäuden muss ich einhalten?

  • Hat der Baum einen besonderen Zierwert (Fruchtschmuck, Herbstfärbung)?

  • Ist eine Unterpflanzung möglich (Wurzeldruck)?

  • Kann ich mit dem Baum Insekten und Vögel etwas Gutes tun?