Neues zum Thema Radon

Februar 2022

Sie können es nicht sehen, riechen oder schmecken. Trotzdem ist es da: das natürliche radioaktive Edelgas Radon. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat jetzt eine verbesserte Karte zur Radon-Situation in Deutschland veröffentlicht und zeigt damit die zu erwartende Konzentration in der Bodenluft (der gasförmige Teil des Bodens) in verschiedenen Regionen. Wer genau wissen möchte, wie es im eigenen Haus aussieht, muss allerdings messen.

Modell eines Hauses, in das durch den Boden Radon eindringt
Je höher die Radon-Konzentration im Boden ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Radon in größeren Mengen in Gebäude eindringt und sich dort ansammelt. Lebt oder arbeitet man über längere Zeit in Räumen, in denen erhöhte Radon-Werte vorkommen, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.   © Bundesamt für Strahlenschutz

Was ist eigentlich Radon?

Radon ist ein sehr bewegliches radioaktives Edelgas, das Sie weder sehen, riechen noch schmecken können. Es entsteht im Boden als eine Folge des radioaktiven Zerfalls von natürlichem Uran. Dieses kommt im Erdreich in vielen Gesteinen vor.

Wo kommt Radon vor?

Radon kommt in unterschiedlichen Konzentrationen überall in der Umwelt vor. Über Poren, Spalten und Risse wird es aus Böden und Gesteinen freigesetzt und kann über den Untergrund des Hauses auch ins Gebäude gelangen, wo es sich in den Innenräumen ansammelt. Die Konzentrationen in Boden, Luft, Wasser und Innenräumen sind regional und lokal sehr unterschiedlich.

In Gebäuden erhöhtes Lungenkrebsrisiko

Den größten Teil des Tages verbringen wir in geschlossenen Räumen. Je höher die Radon-Konzentration im Boden ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Radon in größeren Mengen in Gebäude eindringt und sich dort ansammelt. Lebt oder arbeitet man über längere Zeit in Räumen, in denen erhöhte Radon-Werte vorkommen, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Regionale Verteilung

Wieviel Radon im Boden, in der Luft und in Innenräumen vorkommt, ist in Deutschland regional unterschiedlich. In der norddeutschen Tiefebene sind die Radon-Konzentrationen meist niedrig; in den meisten Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in Gegenden mit Gesteinsmoränen der letzten Eiszeit eher höher.

Nach dem Strahlenschutzgesetz waren die Bundesländer verpflichtet, bis Ende 2020 sogenannte Radon-Vorsorgegebiete zu bestimmen. Das sind Gebiete, in denen in Gebäuden der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter in der Raumluft überdurchschnittlich häufig überschritten wird. Dort gelten seit 2021 Regelungen zum Schutz vor Radon, die über die bundesweit gültigen Vorschriften an anderen Orten hinausgehen:

Radon-Vorsorgegebiete haben nach BfS-Angaben ausgewiesen: Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Welche das genau sind, können Sie sich hier anschauen:

Erhöhte Radon-Werte in Gebäuden können allerdings auch außerhalb von Radon-Vorsorgegebieten vorkommen. Der Schutz vor Radon ist daher auch in Regionen wichtig, die nicht Radon-Vorsorgegebiet sind.

Karte online verfügbar

Die neue Karte des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) "Radon im Boden" steht auf den Internetseiten des BfS als Übersichtskarte für ganz Deutschland unter www.bfs.de/radon-karte zur Verfügung.

Karte ist räumlich höher aufgelöst

Sie wurde mithilfe von Machine Learning auf Basis neuer Messdaten erstellt. In die Berechnung flossen darüber hinaus bereits vorhandene Messdaten, Geologie, Bodeneigenschaften und Klima ein. Die Karte ersetzt eine bereits bestehende, ältere Karte.

Durch die Verwendung verbesserter Berechnungsverfahren und einer größeren Datengrundlage ist die neue Karte deutlich genauer und räumlich höher aufgelöst als ihre Vorgängerin. Dadurch sinkt das Risiko, die Radon-Situation zu unterschätzen.

Während die alte Karte die zu erwartenden Durchschnittswerte angab, sind die in der neuen Karte dargestellten Werte so gewählt, dass die an einem Ort im Boden vorhandene Radon-Konzentration in 90 Prozent der Fälle niedriger oder identisch mit dem in der Karte angegebenen Wert ist. Für die restlichen zehn Prozent der Fälle kann nicht ausgeschlossen werden, dass aufgrund kleinräumiger geologischer Besonderheiten höhere Werte auftreten.

Kleinräumig erhöhte Werte von Radon in der Bodenluft, die untypisch für ihre Umgebung sind, lassen sich mit mathematischen Berechnungsverfahren nicht exakt lokalisieren. Sie können nur mit einer Radon-Messung im Boden gefunden oder ausgeschlossen werden.

In Bestandsgebäuden Radon messen

Wie hoch die Radon-Konzentration innerhalb bereits bestehender Gebäude oder im Boden eines einzelnen Grundstückes ist, kann man aus der Karte übrigens nicht ablesen. Dieser Wert lässt sich nur mit einer Radon-Messung ermitteln. Radon-Messungen in Gebäuden sind kostengünstig und mit wenig Aufwand verbunden. Unter www.bfs.de/radon-messen kann man sich näher über das Thema informieren.

Wie können Sie sich schützen?

  • Als Erstmaßnahme sollte das Gebäude regelmäßig durchlüftet werden - und zwar so, dass bereits nach wenigen Minuten die gesamte Innenraumluft ausgetauscht ist. Das so genannte Querlüften beschleunigt den Luftaustausch.

  • Hilfreich ist das Abdichten von Türen und Leitungen zum Keller, beispielsweise mit Silikon

  • Da Radon sich im Erdboden bildet, sind mögliche Eintrittsstellen vor allem in den Bereichen zu finden, die Bodenkontakt haben - zum Beispiel Hauswände mit Erdberührung oder Kellerböden. Über Risse, Fugen oder Rohrdurchführungen findet das Gas dort seinen Weg ins Gebäudeinnere. Ziehen Sie ggf. Fachleute zu Rate, die wissen, wie diese optimal abzudichten sind.

  • Radonhaltige Luft neben oder unter dem Gebäude absaugen

  • Bei Neubauten: Nach Paragraph 123 Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) sind für neue Gebäude mindestens die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz einzuhalten. Wird ein Haus in einem Gebiet gebaut, in denen in vielen Gebäuden eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten ist, sind zusätzliche bauliche Maßnahmen zum Schutz vor Radon verpflichtend. Für Neubauten besteht hier für Bauherren die Pflicht, durch zusätzliche bauliche Maßnahmen weitgehend zu verhindern, dass Radon in das Gebäude eindringen kann. Zum Beispiel schützt eine solide Bodenplatte aus wasserundurchlässigem Beton gegen Bodenfeuchte und damit auch gegen das Eindringen von Radon. Daneben bieten Radonschutzfolien oder radondichte Konstruktionen zusätzlich eine wirksame Abdichtung gegen eindringendes Gas aus dem Erdreich.

Bundesamt für Strahlenschutz / Katrin Ahmerkamp