Eigentumsbildung quo vadis?

Einfamilienhaus mit Vorgarten
© Breidbach

"Eigentumsbildung quo vadis?" Das war die Überschrift beim diesjährigen ifs Wohnungspolitischen Forum im Deutschen Verband für Wohnungswesen (DV) am 17.11.2020. Eine Expertenrunde befasste sich online mit der Frage, ob die aktuellen wohnungs- und rentenpolitischen Akzente ausreichend sind, um das Wohneigentum zu stärken. Für den Verband Wohneigentum (VWE) nahm Präsident Manfred Jost teil, sein Statement:

"Nach wie vor gibt es ihn, den Traum vieler junger Familien vom eigenen Haus, am besten umgeben von Grün. Trotz einiger anderslautender politischer Signale, die aus vermeintlich ökologischen Gründen auf ein Ende des Familienheims abzielen, gilt nach wie vor der Grundsatz, dass das Wohneigentum die Altersvorsorge des kleinen Mannes ist. Zuletzt erlebt in unserem diesjährigen Bundeswettbewerb "Wohneigentümer - heute für morgen aktiv." Und im "Corona-Jahr" entdecken laut aktueller LBS-Umfrage immer mehr junge Menschen die Vorteile dieser selbstbestimmten Wohnform.

Wohneigentumsquote verschlechtert sich

Umso dringlicher ist es, dass das selbstgenutzte Wohneigentum von der Politik nicht nur am Rande wahrgenommen wird. Baukosten senken, Erwerb fördern - das braucht einen langen Atem. Sicherlich, in jüngster Vergangenheit wurden mit dem Baukindergeld und der Erhöhung der Wohnungsbauprämie zwei wichtige wohnungspolitische Maßnahmen ergriffen. Andererseits greift die Politik unverändert mit steigenden Gebühren und Abgaben in die Eigenkapitalbildung junger Familien ein. Bestes Beispiel hierfür ist die Grunderwerbsteuer, die in großen Teilen der Republik bei 6,5 Prozent angelangt ist, und mühsam angespartes Eigenkapital auffrisst. Es drohen eine weiter ansteigende Grundsteuer und Abgaben, beispielsweise für den Straßen- und Gehwegausbau. Wen wundert es, dass sich die Wohneigentumsquote in Deutschland, insbesondere im europäischen Vergleich, beständig verschlechtert.

Baukindergeld beibehalten

Was tun? Ist es damit getan, dass sich 2021 die Wohnungsbauprämie erhöht, wenn gleichzeitig das Baukindergeld ausläuft? Sicherlich nicht. Nachdem nahezu alle Untersuchungen die positiven Auswirkungen des Baukindergeldes bestätigen, fordern wir eine Verstetigung des Baukindergeldes über diese Legislaturperiode hinaus. Vielleicht kann an der ein oder anderen Stelle noch etwas nachjustiert werden, aber man sollte dieses Förderinstrument beibehalten, um die Eigentumsquote junger Familien zu erhöhen.

Eigenheimrente stärken

Außerdem erwarten wir, dass die Eigenheimrente auf ein stabileres Fundament gestellt wird. Sie hat sich im Grundsatz bewährt. Das zeigen knapp zwei Millionen Sparerinnen und Sparer, die bereits heute dafür sparen, dass sie im Alter in den eigenen vier Wänden schulden- und mietfrei wohnen können. Deshalb setzen wir uns für den Erhalt der Eigenheimrente als gleichberechtigte Alternative zur Geldrente ein.

Es war wichtig und richtig, im Jahr 2009 die Riester-Förderung auch für das selbstgenutzte Wohneigentum zuzulassen, sodass mit dem "Wohn-Riester" der Bau beziehungsweise Kauf von Wohneigentum möglich wurde. Dieser Erfolg muss verstetigt und ausgeweitet werden. Die Politik muss dafür Sorge zu tragen, mit der Reform der privaten Altersvorsorge das Wohnen in den eigenen vier Wänden zu stärken.

VWE-Präsident Manfred Jost
VWE-Präsident Manfred Jost   © Lentner/FuG-Verlag

Identitätsstiftend, solidarisch, nachhaltig

Vielleicht sollten sich Politikerinnen und Politiker zudem immer wieder einmal daran erinnern, welche gesellschaftspolitische Wirkung das Wohnen in den eigenen vier Wänden entfaltet. Es ist identitätsstiftend, solidarisch und nachhaltig - meines Erachtens Begriffe, die sich in Wohnbereichen mit hoher Eigentumsquote sehr oft als gelebte Praxis widerspiegeln. Zudem werden nachbarschaftliche Unterstützung und bürgerschaftliches Engagement gelebt. All das sind Qualitäten mit einem großen gesamtgesellschaftlichen Wert - immer, aber besonders zu Zeiten der Pandemie."