Bürger-Solarberater

Das Thema fesselt und begeistert ihn. Das ist zu spüren, wenn man mit Martin Kutscher über Energieeinsparung und Klimaschutz spricht. Sein Wissen und seine Erfahrungen möchte der 62-Jährige weitergeben - als ehrenamtlicher Bürger-Solarberater für die Stadt Soest und als Gastautor in der Siedlergemeinschaft "Unteres Möhnetal".

Martin Kutscher bei der Installierung der Solar-Panels auf dem Dach
Martin Kutscher ist mit Tatkraft für Energiethemen unterwegs. Sein Motor sei seine tiefe innere Überzeugung bei den Themen Klimaschutz, Energieeinsparung und Nachhaltigkeit, erzählt er.   © privat
Herr Kutscher, wie und seit wann sind Sie dem Verband Wohneigentum verbunden?
Martin Kutscher: Mit dem Hauskauf 1994 bin ich zeitgleich Mitglied in der Siedlergemeinschaft "Unteres Möhnetal" geworden. Neben der netten Gemeinschaft - man kennt sich hier im Dorf - können wir so auch die Vorzüge einer günstigen Gebäudeversicherung in Anspruch nehmen und den örtlichen Maschinenpark nutzen. Es gab und gibt ja doch einiges zu tun am und im Haus.

Im Ehrenamt sind Sie sogar zweigleisig unterwegs. Was bewegt Sie persönlich dazu, sich in dieser Form zu engagieren?
Kutscher: Das ist wohl meine tiefe innere Überzeugung bei den Themen Klimaschutz, Energieeinsparung und Nachhaltigkeit. Die Grundlagen der Physik habe ich als Dipl.-Ing der Nachrichtentechnik gelernt und als Naturwissenschaftler bin ich der Auffassung, dass es gelingen kann Energie sparsam einzusetzen, und dass ein Industrieland wie beispielsweise Deutschland energieautark arbeiten und funktionieren kann.

Dazu kommen die Erfahrungen mit unserem eigenen Haus, ein Fertighaus von 1978, das wir Stück für Stück saniert haben, angefangen bei der Dachisolierung bis hin zu Installierung von Photovoltaik. Die daraus folgenden Energieeinsparungen haben meine Überzeugung bestätigt, und diese Erfahrungen gebe ich gerne weiter. Mein Aha-Erlebnis dabei war, dass wir nach der Isolierung des Dachbodens 1000 Liter weniger Heizöl im Jahr verbraucht haben. Heute verbrauchen wir in unserem Haus im Vergleich zu den 90er Jahren nur noch 50 % des Stroms und haben weniger als 50 % der Heizkosten!

Neben dem VWE sind Sie auch für das Netzwerk "BürgerSolarBeratung" der Stadt Soest tätig, das es seit dem vergangenen Jahr gibt. Wie funktioniert dieses Netzwerk?
Kutscher: Die BürgerSolarBeratung wird von ehrenamtlich Aktiven durchgeführt, die keine wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Dafür erhalten die PV-interessierten Bürger Tipps und Ratschläge aus erster Hand. Das "Nachbarschaftliche Angebot" umfasst Beratung, Begleitung, Ertragsvorschau und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Im Team tauschen wir uns laufend aus und bilden uns weiter. So können wir fachkompetent und neutral die Bürger und Bürgerinnen beraten, die über die Anschaffung einer Photovoltaikanlage nachdenken.

Mein eigener Ausbildungsweg ist für diese Aufgabe natürlich eine gute Grundlage. Außerdem habe ich bei der Installation meiner großen 8,1-kWp-Anlage auf dem Hausdach in 2009 und der Installation der Balkon-PV-Anlage vor einigen Jahren viel gelernt. Dabei konnte ich mit einem befreundeten Elektrikermeister zusammenarbeiten. Bei vielen interessanten Online-Veranstaltungen habe ich mich in den letzten fünf Jahren weitergebildet. In unserer Tageszeitung habe ich dann Anfang 2021 den Aufruf der Stadt Soest zur BürgerSolarberatung BSB gelesen, der mich sofort angesprochen hat. Dort haben wir dann noch mehrere Schulungsmodule absolviert.

Ihre ehrenamtliche Arbeit ist vorbildlich: Was denken Sie: Wie könnten mehr - auch junge - Menschen dazu bewegt werden, ehrenamtlich aktiv zu werden?
Kutscher: Oft arbeiten die jungen Menschen in einem Beruf, der ihnen Spaß macht. Das ist doch eine gute Möglichkeit, sich ins Ehrenamt einzubringen. Wir haben in unserer Siedlergemeinschaft beispielsweise einen Maschinenpark zum Ausleihen, den könnte ein Elektriker oder Mechaniker warten. Der Heizungsbauer könnte beraten, wie ich meine Heizung mit, Wärmepumpe, Geothermie oder/und Photovoltaik verbinde.

Junge Menschen sind gut aufgeklärt beim Thema Klimaschutz und könnten darüber angesprochen werden, siehe "Fridays for Future". Alle Generationen wollen doch letztlich in einer friedlichen, umweltfreundlichen Welt zusammenleben. Das kann in Zukunft nur weltweit gemeinsam gelingen.

Interview: Katrin Ahmerkamp