Klima schützen kinderleicht

Es ist 5 vor 12. Eher noch 3 vor 12, was unser Klima und die Erderwärmung angeht. "Was soll am Klimaschutz also kinderleicht sein?" hat sich unsere Autorin gefragt und kritisch einen Ratgeber gelesen, der dies verspricht.

Plastikflut im Kinderzimmer
Plastikflut im Kinderzimmer ...   © Biert/VWE
Müll aus dem Meer
... und Müll aus dem Rhein – es muss sich etwas ändern, findet unsere Autorin.   © Biert/VWE
Ich bin selber Mutter zweier Kinder, wir haben ein Einfamilienhaus, einen Garten und möchten unser Leben nachhaltiger gestalten, denn die Zukunft unserer Kinder und die Umgebung, in der sie aufwachsen, sind uns natürlich wichtig. Trotzdem stehe auch ich häufig vor unserer gelben Tonne mit all dem Plastikmüll und denke: "Das ist zu viel! Das kann so nicht weitergehen."

Lösungen müssen her oder besser noch: ein Umdenken muss stattfinden. Doch wie kann das im Alltag gelingen? Das wollte ich mir bei Familie Meuser abgucken. Maik Meuser, Journalist und Fernsehmoderator, und Nicole Kallwies-Meuser beschreiben in ihrem Buch wie es ihrer Familie gelingt, nahezu plastikfrei zu leben, Energie zu sparen, anders zu essen und dabei Spaß zu haben.

Das Buch ist leicht verständlich, pragmatisch und nicht mit erhobenem Zeigefinger geschrieben. Es ist gegliedert in Kapitel zu den Themen Klimawandel, Ernährung, Plastik, Mobilität & Verkehr, Konsum, Energie und Pflanzen. Außerdem gespickt mit Reportagen von Schauplätzen, die sehr deutlich machen, wie dringend wir handeln müssen. Am Ende jeden Kapitels zeigen Checklisten, was wir bereits jetzt umsetzen können.

Auch Familie Meuser ist bei diesem Projekt an ihre Grenzen gestoßen: das selbstgemachte Roggenmehl-Shampoo ist dann doch recht schnell dem festen Shampoo aus dem Drogeriemarkt gewichen, es hat einige Diskussionen mit den Kindern gegeben (beispielsweise um Süßigkeiten mit Plastikspielzeug) - aber viele andere Dinge haben auch ihren festen Platz im Familienalltag gefunden.

So ist es inzwischen ja für viele Verbraucher und Verbraucherinnen selbstverständlich, Stofftaschen und Obst- und Gemüsebeutel mit in den Supermarkt zu nehmen. Aber wussten Sie zum Beispiel, dass die CO2-Bilanz von Butter wesentlich schlechter ausfällt als die von Rindfleisch? Und die Info, dass wir mit der Umstellung auf einen Wassersprudler nicht nur sehr viel CO2 einsparen, sondern auch eine Menge Geld, hat uns dazu veranlasst, uns so ein Gerät anzuschaffen und auf Markenwasser in Plastikflaschen zu verzichten.

Mein kleiner Kritikpunkt: Familie Meuser lebt in einer doch recht privilegierten Lage. Sie haben die Mittel sich eine PV-Anlage auf das Dach zu stellen, in ein Elektroauto zu investieren, im Unverpackt-Laden einkaufen zu gehen oder sich hochwertigere Kleidung zu kaufen, die länger hält als Billigware vom Discounter.

Aber: letzten Endes geht es darum, was jeder Einzelne von uns tun kann. Wo kann ich mich umstellen? Was kann ich im Alltag anders machen, ohne mich dabei verbiegen zu müssen oder dogmatisch konsequent zu sein? Ich möchte Ihnen diese Lektüre des Buchs ans Herz legen und mit einem Zitat aus dem Jahr 2022 von Insa Thiele-Eich (Meteorologin und Astronautenkandidatin) abschließen: "Wir können es schaffen. Wir können die 1,5 Grad noch schaffen." Packen wir es an. Vielleicht ist es auch schon 1 vor 12!? Maike Biert

Buchtipp

Buchcover
© Penguin Random House Verlagsgruppe

Maik Meuser und Nicole Kallwies-Meuser:
"Klima schützen kinderleicht"
336 Seiten, Paperback
2022, Penguin Random House Verlagsgruppe
16,00 €
ISBN: 978-3-328-10891-7