Die Hitze aussperren Was bei der baulichen Planung berücksichtigt werden sollte

Wer heutzutage ein Haus baut, muss sich nicht mehr nur auf kalte Winter, sondern auch auf zunehmend heiße Sommer vorbereiten. Energieeffizienter Kälteschutz muss um Maßnahmen zur Kühlung des Hauses ergänzt werden. Da Klimaanlagen große Energiefresser sind, lohnt es sich, schon in der baulichen Planung andere Möglichkeiten zu berücksichtigen, um das eigene Haus auch bei hohen Temperaturen angenehm kühl zu halten. Neben verbessertem Wohnkomfort lässt sich so langfristig Geld sparen, und zu Werterhalt und sogar Wertsteigerung des Hauses beitragen. Auch bei einer Sanierung gibt es Möglichkeiten, das Gebäude hitzefester zu machen.

Sonnenbeschienene Hausfassade
Schon eine helle Fassadenfarbe kann dabei helfen eine Erhitzung des Wohnraums zu vermeiden   © pixabay

Um Hitze aus dem Wohnraum auszusperren, gibt es unterschiedliche Ansätze. Idealerweise werden diese kombiniert, um nicht nur das Aufheizen des Hauses und der Umgebung zu verhindern, sondern auch effektive Möglichkeiten zur Abkühlung zu schaffen.

Standortbedingungen berücksichtigen

Zunächst lohnt es sich, das Baugrundstück ganz genau anzuschauen. Ein paar einfache Fragen, die bei der fortführenden Planung helfen können, sind: Gibt es bereits Schattenquellen, wie etwa Bäume oder Nachbargrundstücke, die in die Planung miteinbezogen werden können? Ist das Bauland eher windstill, oder gibt es einen Windstrom, den man berücksichtigen kann? Welche Räume können zur Sonnenseite zeigen, welche möchte man lieber nach Norden ausrichten, um starke Sonneneinstrahlung und damit Wärmeentwicklung zu vermeiden? Ist die Umgebung bereits versiegelt? Eignet sich das Grundstück zum Bau eines Kellers?

Schon beim Bau die Hitze aussperren

Der erste Schritt, um hohe Innentemperaturen zu vermeiden, ist, diese gar nicht erst ins Haus zu lassen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Beschaffenheit des Gebäudes spielt bei der Wärmeentwicklung eine zentrale Rolle. So lassen beispielsweise dünnschichtige Außenwände mehr Wärme ins Haus, während massive Bauteile, etwa aus Beton, Wärme tagsüber aufnehmen und nachts, bei niedrigeren Temperaturen, wieder abgeben, sodass die Innentemperatur tagsüber geringer bleibt. Beim Beton liegt dies an der thermischen Trägheit des Baustoffs.

Noch effizienter sind sogenannte Phasenwechselmaterialien. Diese werden mit Speichermedien (z.B. Paraffine oder Fettsäuren aber auch Salze) versehen, welche unter Temperaturlasten ihren Aggregatzustand verändern und dabei Wärmeenergie aufnehmen oder abgeben. Als Träger dieser Wärmespeicher eignen sich unter anderem Gipsplatten, Estriche, Holzwerkstoffe, Spachtelmasse, Glasscheiben und mehr. Bisher ist diese Art von Latentwärmespeichern noch kein Standard, da sie einen höheren Kostenpunkt mit sich bringen, eine spezielle Planung beim Bau erfordern und einige Phasenwechselmaterialien mit der Zeit an Effektivität einbüßen.

Unterstützen sollte man die Baustoffe mit einer gut gewählten und dichten Dämmung, die im Winter die Wärme drinnen und im Sommer draußen hält. Sowohl Dächer als auch Fassaden sollten mit hellen und hochreflektierenden Farben, Versiegelungen oder Deckmaterialien versehen werden, um dem Aufheizen der Oberflächen entgegenzuwirken. Das Problem: Durch die Reflektion kann sich das Mikroklima um das Haus
aufwärmen, da die Sonnenstrahlen zurückgeworfen werden, anstatt von der Fassade aufgenommen zu werden.

Eine Katze sitzt in einem Fenster mit grünen Verschlägen
Fensterverschläge spenden zuverlässig Schatten und halten die Wärme aus dem Wohnraum   © pixabay
Auch das Einbauen von Schattenquellen kann Abhilfe verschaffen: Balkone und überstehende Dächer eignen sich besonders auf Süd- und Nordseiten, während ost- und westseitige Fassaden am besten mit vertikaler Verschattung geschützt werden können. Bei Fenstern bieten Markisen, Verschläge, Jalousien und Rollläden eine Möglichkeit, den Innenraum vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Idealerweise werden diese außen montiert. Zusätzlich bieten dreifach verglaste Fenster eine bessere Dämmung als ein- oder zweifach verglaste Fenster.

Auch Sonnenschutzverglasung ist eine Option, die allerdings ab einem höheren Wirkungsgrad die Lichtdurchlässigkeit stark beeinträchtigt. Eine weitere Möglichkeit wäre der Verzicht auf große Fenster, was jedoch den Wohnraum dunkler macht und ihn im Winter nicht mehr von der Sonnenwärme profitieren lässt. Auch im Innenraum kann Wärme entstehen, insbesondere in der Küche. Dies sollte bei der Raumaufteilung und den Belüftungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

Wärme aus dem Haus leiten

Um ein aufgeheiztes Haus abzukühlen, greifen viele auf eine Klimaanlage zurück. Diese funktioniert zuverlässig, verbraucht jedoch große Mengen Energie, was sich auf der Stromrechnung bemerkbar macht und dem Klima schadet. Alternativ kann man auf passive Methoden setzen, die idealerweise schon beim Hausbau eingeplant werden.

Zwei offene Fenster
Durch gezielte Platzierung von Fenstern kann ein Luftzug erzeugt werden   © pixabay
Wer das Prinzip von Querlüftung und den Kamineffekt berücksichtigt, schafft eine gute Möglichkeit, verbrauchte Luft durch frische zu ersetzen. Beim Querlüften sind die Fenster auf gegenüberliegenden Seiten des Gebäudes angeordnet sind, sodass ein Zug entstehen kann und die alte Luft schnell durch frische ersetzt wird. Noch bessere Ergebnisse erzielt man, wenn der Wind berücksichtigt wird und das Haus sowie die Fenster entsprechend ausgerichtet sind.

Der Kamineffekt basiert auf dem natürlichen Aufsteigen warmer Luft. Wenn warme Luft aufsteigt, entsteht ein Unterdruck an den unteren Stellen des Gebäudes, wodurch Außenluft durch Öffnungen in Bodennähe angezogen wird, wo die Luft kühler ist. Oben im Gebäude muss die warme Luft durch Öffnungen wie Dachfenster oder Schornsteine entweichen können. Höhere Decken oder ein offenes Treppenhaus können den Kamineffekt verstärken. Auch beim Querlüften kann dieser Effekt für das beste Ergebnis berücksichtigt werden, indem das Einzug-Fenster niedriger liegt als das, aus dem die Luft hinausströmt.

Eine interessante Form der Kühlung mit Luftzug sind Windtürme, welche seit Jahrhunderten in Nordafrika und im Nahen Osten zu finden sind. Diese Türme haben Öffnungen an der Spitze, durch die Winde ins Gebäudeinnere geleitet werden, wodurch sich die Luftzirkulation verbessert und die Innentemperatur sinkt. Durch unterirdische Kanäle, durch die der Wind geleitet wird, lässt sich dieser Effekt noch verstärken. Selbst wenn die Luft draußen genauso warm ist wie drinnen, kann der Luftzug helfen, den Körper abzukühlen.

Natürlicher Hitzeschutz durch Begrünung

Begrünung kann das Haus vor Hitze schützen und gleichzeitig optisch aufwerten. Bäume spenden Schatten und verlieren im Winter ihr Laub, sodass mehr Licht durchkommt. Zu beachten ist jedoch, dass sie gegebenenfalls Wind blockieren und möglichst früh gepflanzt werden müssen. Auch andere Formen der Begrünung tragen durch Reflexion und Absorption von Sonnenlicht sowie Verdunstung von Wasser dazu bei, die Umgebung zu kühlen. Zudem binden Pflanzen Feinstaub und produzieren Sauerstoff.

Bewachsene Hausfassade
Die Begrünung bildet eine Barriere, welche die Fassade vor der Sonneneinstrahlung schützt.   © pixabay
Eine besondere Form der Begrünung ist die Fassadenbegrünung. Diese bildet eine Barriere, die die Hausfassade beschattet und kühl hält. Je nach Beschaffenheit der Fassade und der gewünschten Pflanzenarten muss ein Gerüst an der Fassade montiert werden, damit die Rankpflanzen ohne das Mauerwerk zu beschädigen wachsen können. Die Dachbegrünung hat den Vorteil, dass das Substrat, in dem die Pflanzen wachsen, als zusätzliche Dämmung fungiert. Neben der Ästhetik kann eine bewachsene Fassade oder ein begrüntes Dach auch einen Beitrag zum Artenschutz und zur Biodiversität in Städten und Wohngebieten leisten, da sie Lebensräume für Tiere schaffen - besonders wenn heimische Pflanzen verwendet werden. Eine neuere Variante der Hausbegrünung ist die Verwendung spezieller offenporiger Betonplatten, auf denen Moos wachsen kann.

Smarthome und Wärmepumpe zur Kühlung nutzen

Moderne Smarthome-Technologien können effektiv dabei helfen, die Temperatur im Haus zu regulieren. Mit einem intelligenten System lässt sich die Lüftung automatisch steuern, sodass zum Beispiel die Fenster je nach Außentemperatur geöffnet oder geschlossen werden. Auch die Steuerung von Jalousien oder Markisen lässt sich automatisieren, sodass diese in den heißesten Stunden des Tages herunterfahren, um das Aufheizen der Räume zu verhindern. Eine Wärmepumpe, die normalerweise zur Beheizung des Hauses genutzt wird, kann auch für die Kühlung eingesetzt werden. Im Sommer wird die Wärmepumpe umgekehrt und entzieht dem Innenraum überschüssige Wärme, um ihn zu kühlen. In Verbindung mit einem Smarthome-System lässt sich diese Funktion effizient steuern, sodass die Wärmepumpe nur dann aktiv wird, wenn es wirklich notwendig ist.

Yann Kürten

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