Verträge richtig verhandeln - Teil 2Strategien im Umgang mit Handwerkern

In der letzten Ausgabe beschäftigten wir uns mit Vergütungsarten und möglichen Gründen für eine Abweichung der tatsächlich berechneten Kosten gegenüber den Preisen im Angebot. Nun erläutern wir Strategien, die in Teil 1 beispielhaft dargestellten Kostenerhöhungen zu vermeiden.

Um zunächst eines klarzustellen: Ein Bauvertrag ist kein Kaufvertrag, bei dem das Endprodukt bereits bei Vertragsschluss vorhanden ist, also bis ins letzte Detail beschrieben werden kann. Ein Bauvertrag beinhaltet den planerischen Aspekt, der es mit sich bringt, dass die Leistung bei Vertragsschluss nicht bis auf die zweite Nachkommastelle genau definiert wird. Das wäre zwar grundsätzlich möglich, allerdings so aufwendig, dass die damit verbundenen Zusatzkos­ten außer Verhältnis zum Nutzen stünden.

Mengenabweichungen

Da auf viele Angebote kein Auftrag folgt, muss der Unternehmer die Kosten für die Kalkulation überschaubar halten – etwa durch eine gewisse Oberflächlichkeit bei der Ermittlung der erforderlichen Mengen. Wer einigermaßen sicher gehen will, kann die Mengenermittlung selbst in Auftrag geben, z. B. bei einem Architekten oder einem Bauingenieur. Die hierdurch entstehenden Kosten trägt allerdings der Bauherr selbst.

Fehlerhafte Mengenschätzungen führen übrigens keineswegs regelmäßig zu einem Schaden. Es ist dann die Frage zu stellen, wie sich der Bauherr verhalten hätte, wenn er die korrekten Mengen vor Abschluss des Vertrages gekannt hätte. Hätte er dennoch den Vertrag geschlossen, steht er durch den Fehler des Unternehmers nicht schlechter als ohne diesen. Nur dann, wenn beispielsweise die Unwirtschaftlichkeit einer Baumaßnahme durch die falsche Mengenschätzung verdeckt wurde, kommt ein Schadensersatzanspruch gegen den Unternehmer in Betracht, der allerdings dessen schuldhaftes Verhalten voraussetzt. Mengenabweichungen von bis zu 10 Prozent sind in der Baubranche üblich.

Um die böse Überraschung mengenbedingter Mehrkosten zumindest zu reduzieren, sind folgende Strategien sinnvoll:

Leistungsänderungen

Es ist zu unterscheiden zwischen Leistungsänderungen bzw. Zusatzleistungen, die tatsächlich erforderlich sind, aber bei Angebotserstellung nicht aufgeführt waren und jenen, die objektiv überflüssig sind. Der zweite Fall ist einfacher zu lösen: Eine weder vereinbarte noch erforderliche Leistung muss nicht vergütet werden. Der Unternehmer muss sie auf Verlangen wieder entfernen und den vereinbarten Zustand herstellen, ohne eine zusätzliche Vergütung fordern zu können. Nicht immer ist es allerdings offensichtlich, ob eine Leistung erforderlich war oder nicht. Bei Zweifeln sollte man den Unternehmer – möglichst vor Zeugen – um Erklärung bitten. Verbleiben danach begründete Zweifel, kann es helfen, die Handwerkskammer um eine Schlichtung zu bitten.

Alternativ erteilen Sachverständige Auskunft, wobei deren Inanspruchnahme erst ab einer gewissen Größenordnung des streitigen Betrags ratsam ist, da sonst die Sachverständigenkosten den Streitwert schnell übersteigen. Die Untergrenze kann man bei etwa 500 Euro ansetzen. Sofern man sich überwiegend sicher ist, dass die Zusatzleistung für die Vertragserfüllung entbehrlich war, kann man es darauf ankommen lassen, sich vom Auftragnehmer verklagen zu lassen.

Schwieriger ist hingegen die Situation einer im Angebot „vergessenen“, jedoch erforderlichen Position. Sofern nicht ausnahmsweise ein Pauschalpreisvertrag geschlossen wurde, hat der Bauherr keinen Anspruch darauf, dass die zusätzliche Leistung unentgeltlich erbracht wird. Allerdings haftet der Unternehmer auf Schadensersatz, sofern das unvollständige Angebot auf Fahrlässigkeit beruht und die Leistung für den Bauherrn bei vollständigem Angebot woanders günstiger gewesen wäre. In Ausnahmefällen, nämlich wenn die Mehrkosten dazu führen, dass die Gesamtmaßnahme nicht mehr wirtschaftlich nutzbar wäre, kann der Schadensersatzanspruch auch dazu führen, dass der Unternehmer die bis dahin erbrachte Leistung zurückbauen muss und keine Vergütung erhält. In vielen Fällen wird man aber letztlich keinen spürbaren Schaden haben, da die erforderliche Zusatzleistung bei jedem Unternehmer angefallen wäre.

Stundenlohn, Bedarfs- und Eventualpositionen

Die erforderlichen Stunden sind oft schwer zu kalkulieren. Daher sollte man sich auf Stundenlöhne nur bei überschaubaren Leistungen (z. B. wenn die reine Arbeitsleistung im Mittelpunkt steht wie bei einer Montage) einlassen. Wann immer es möglich ist, sollten Einheitspreise bevorzugt werden, weil diese die tatsächlich entstehenden Kosten besser erkennen lassen.

Sofern Stundenlohnarbeiten unvermeidlich sind, ist es wichtig, die Ausführung regelmäßig mindestens stichprobenartig zu kontrollieren. Stundenlohnzettel müssen nur unterzeichnet werden, wenn der Bauherr die darin enthaltenen Angaben nachvollziehen kann. Mit der Unterschrift erkennt man nämlich den Umfang der geleisteten Arbeiten an und kann sich später allenfalls darauf berufen, diese seien nicht erforderlich gewesen. Soweit die Angaben nicht plausibel sind, sollte ein entsprechender Vorbehalt auf dem Stundenzettel formuliert werden, z. B. „30 Minuten Mittagspause gemacht“ oder „zwei Mitarbeiter waren eine Stunde lang nicht auf der Baustelle“.

Auf keinen Fall sollte etwas bestätigt werden, was Bauherr oder Bauleiter nicht aus eigener Anschauung wissen. Von einem Anerkenntnis, auch wenn es im guten Glauben gegeben wurde, kommt man nur schwer wieder los.

Bei Bedarfs- und Eventualpositionen ist Vorsicht geboten. Gerne werden sie benutzt, um den Angebotspreis zu schmälern, ohne später auf den Umsatz verzichten zu müssen. Bedarfs- und Eventualpositionen sollte man sich vor Vertragsschluss erläutern lassen. Wichtig ist, zu verstehen, unter welchen Bedingungen diese Positionen anfallen können. Positionen, die fast immer erforderlich sind, sollten nicht als Bedarfs- oder Eventualpositionen aus dem Angebotspreis herausgerechnet werden. Das gilt auch für Stundenlohnarbeiten, die als Eventualpositionen angeführt werden. Seriös ist es dagegen, einige Stunden für unvorhergesehene Tätigkeiten in den Angebotspreis einzubeziehen.

Nebenkosten und Umsatzsteuer

Es ist weder unzulässig noch ungewöhnlich, sich als Unternehmer Nebenkosten(Fahrtkosten, Baustelleneinrichtung usw.) vergüten zu lassen. Zu beachten ist, dass eine Vergütung eine entsprechende Vereinbarung voraussetzt. Daher sollte das Angebot auf derartige Positionen untersucht und gegebenenfalls darüber verhandelt werden. Tauchen die Nebenkosten erstmalig in der Rechnung auf, spricht viel dafür, dass sie mangels Vereinbarung nicht gezahlt werden müssen. Auch ist zu prüfen, ob die abgerechneten Nebenleistungen tatsächlich angefallen sind und erforderlich waren. Wenn zum Beispiel Handwerker Werkzeug im Betrieb vergessen haben und zusätzlich noch mal dorthin fahren müssen, um es zu holen, können dafür weder Fahrtkosten noch Stundenlohn berechnet werden.

Auch wichtig: Wird einem Verbraucher eine Leistung gegen einen bestimmten Betrag angeboten, so beinhaltet dieser Betrag die Umsatzsteuer, es sei denn, aus dem Angebot geht deutlich hervor, dass die Umsatzsteuer hinzu kommt.

Rat suchen

Die genannten Strategien sollten mit Augenmaß eingesetzt werden. Bedenken Sie, dass jede Angebotserstellung Kosten verursacht, die letztlich auf die zu erbringenden Leistungen umgelegt werden müssen. Die Anzahl der eingeholten Angebote sollte also in einem vernünftigen Verhältnis zum Wert der Leistung stehen. Auf der anderen Seite muss man sich auch nicht alles gefallen lassen. Wer wirklich den Eindruck hat, „abgezockt“ worden zu sein, kann sich etwa bei der Verbraucherzentrale, der Handwerkskammer, einem Anwalt oder bei den Landesverbänden des Verbands Wohneigentum beraten lassen.

Dr. Michael Sattler, LL. M.
Rechtsanwalt,
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht,
Bochum