Starkregen - wie schütze ich mein Haus?

Wenn nach einem Starkregen oder Hochwasser der Keller oder gar das Wohnzimmer unter Wasser steht, ist schnelles und besonnenes Handeln wichtig. Besonnen deshalb, weil Wasser zum Beispiel in Verbindung mit Strom Lebensgefahr bedeuten kann. Weiterhin wichtig sind vor allem ein ausreichender Versicherungsschutz und das Sichern von Beweisen.

Haus unter Wasser
Starkregen oder Hochwasser im Haus: Wichtig sind vor allem ein ausreichender Versicherungsschutz und das Sichern von Beweisen.   © PantherMedia/Antartis

Schritt 1: Schützen Sie sich

Wasser in Kombination mit Strom kann lebensgefährlich sein. Daher erst den Strom abstellen, bevor Sie den nassen Keller betreten. Kommen Sie durch das Hochwasser nicht an die Hauptverteilung heran, wenden Sie sich an Ihren Energieversorger.

Wenn der Strom abgestellt ist: Überprüfen Sie, ob eventuell gefährliche Substanzen (wie beispielsweise Heizöl) ausgelaufen sind. Sollte dies der Fall sein, informieren Sie die Feuerwehr.

Schritt 2: Beweise sichern und Folgeschäden vermindern

Hinweis: Bei sehr hohen Pegelständen kann erst mit dem Abpumpen des Wassers begonnen werden, wenn diese Stände gesunken sind und das abgepumpte Wasser auch abfließen kann.

Schritt 3: Welche Versicherung springt ein?

Schauen Sie in Ihren Versicherungsvertrag. Der Versicherungsschutz greift nur, wenn eine Absicherung gegen Naturgefahren (sogenannte Elementarschadenversicherung) besteht. Eine Absicherung gegen die finanziellen Folgen von Naturgefahren wie Überschwemmung nach einem Starkregen oder einer Flussübertretung gibt es in der Regel nicht als gesonderte Versicherung, sondern nur als Zusatz zur Hausrat- und Wohngebäudeversicherung.

Informieren Sie Ihre Versicherung möglichst umgehend mit allen Beweisen und Belegen. Für Schäden am Haus ist die Wohngebäudeversicherung zuständig, für Schäden an Einrichtungsgegenständen und Möbeln kommt die Hausratversicherung auf.

Schritt 4: Was zahlt die Elementarschadenversicherung?

Im Rahmen der Wohngebäudeversicherung lassen sich das Haus oder Nebengebäude wie Garage oder Schuppen reparieren, wenn sie durch Starkregen/Überschwemmungen beschädigt oder zerstört wurden.

Bis zu ihrer Deckungssumme zahlt die Elementarschadenversicherung den Bau eines gleichwertigen Objekts. Auch kommt die Versicherung in der Regel dafür auf, wenn Sie während der Instandsetzung woanders wohnen müssen oder wenn Sie einen Verlust von Mieteinnahmen haben.

Schäden durch Rückstau werden allerdings nur erstattet, wenn sie explizit mitversichert sind und wenn funktionierende Rückstauverschlüsse im Haus eingebaut sind. Rückstau entsteht, wenn die Kanalisation die Wassermassen eines Starkregens oder Hochwassers nicht abtransportieren kann und sich das Wasser dann andere Wege sucht - so gelangt es beispielsweise über die Toilette oder den Abfluss der Dusche ins Haus.

Schritt 5: Haus vor nächstem Starkregen schützen

Mit relativ wenig Aufwand können Sie Ihr Schutzniveau verbessern. Machen Sie einen Hausrundgang. Wo kann Wasser eindringen? An diesen Stellen können Einfassungen, Schwellen und Wälle das Schlimmste verhindern. Schützen Sie beispielsweise Lichtschächte durch Umrandungen, so kann das Wasser nicht direkt hineinfließen. Auch das Gefälle von Oberflächen und Wegen sollte vom Gebäude wegführen. Gut ist, wenn ein Großteil des Wassers auf dem eigenen Gelände versickern kann, zum Beispiel in eine im Garten eingegrabene Zisterne. Die nächste Hitzezeit kommt bestimmt, dann erfreut das kostenlose Gießwasser. Auch Bodensenken auf dem Gelände helfen dabei, dass das Wasser versickern kann, was die Kanalisation bei Starkregen entlastet. Verzichten Sie auf versiegelte Flächen rund ums Haus.

Wassermassen drängen durch die Kanalisation und Abflussrohre über Toiletten und Duschabflüsse im Keller ins Haus. Verzichten Sie daher auf sanitäre Anlagen im Untergeschoss.

Schutz gegen Rückstau ist ebenfalls wichtig! Kostengünstig und einfach nachzurüsten sind Rückstauklappen, sie schützen allerdings nur begrenzt. Mehr Schutz im Haus bietet eine Rückstauschleife, die Abwasser umfassender daran hindert, ins Haus einzudringen. Beim Neubau eines Hauses sollte sie unbedingt mitgedacht werden. Ein Nachrüsten ist kostspieliger.

Hinweis: Bei besonders heftigen Umweltkatastrophen unterstützen Bundesländer Geschädigte, die ohne Versicherungsschutz dastehen und deren Existenzgrundlagen zerstört wurden. Dafür müssen Menschen mit Wohneigentum nachweisen, dass ihre Bemühungen, einen Elementarschadenversicherung zu bekommen, erfolglos waren.

Schritt 6: Bislang noch keine Versicherung?

Hinweis

Bei besonders heftigen Umweltkatastrophen unterstützen Bundesländer Geschädigte, die ohne Versicherungsschutz dastehen und deren Existenzgrundlagen zerstört wurden. Dafür müssen Menschen mit Wohneigentum nachweisen, dass ihre Bemühungen, eine Elementarschadenversicherung zu bekommen, erfolglos waren.

Es gibt enorme Preisunterschiede von teilweise mehreren hundert Euro im Jahr für dieselbe Immobilie, das zeigte eine Untersuchung der Stiftung Warentest zu Wohngebäudeversicherungen. Der Grund: Der GDV (Gesamtverband der Versicherungswirtschaft) hat ein Zonierungssystem eingeführt, das sich "ZÜRS Geo" Zonierungssystem für Üb... Starkregen nennt. Das hilft bei der Beurteilung, welches Gebäude in welchem Ausmaß hochwassergefährdet ist. Je höher die Gefährdungsklasse, umso höher wird der Beitrag für die Elementarschadenversicherung kalkuliert.

In welcher Zone liegt mein Haus?

Einfach Postleitzahl eingeben beim Naturgefahren-Check des GDV.

Anna Florenske
Quellen: Verband Wohneigentum NRW, Stiftung Warentest, Verbraucherzentrale, GDV