Nachhaltiger Umgang mit Wasser im Hausgarten Position und Empfehlungen zur Nationalen Wasserstrategie

Mit der Nationalen Wasserstrategie will die Bundesregierung gegen eine drohende Wasserknappheit vorgehen. Dazu legt der VWE die von seiner professionellen Gartenberatung erarbeitete Position "Nachhaltiger Umgang mit Wasser im Hausgarten" vor. Sie enthält Forderungen an die Politik und Empfehlungen für Gartenfans.

Durch den Klimawandel wird eine Ressource knapp, die es noch vor Jahren hierzulande im Überfluss gab: Wasser. Armin Schuster, der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK), warnte bereits vor einer "Trinkwasserknappheit in Deutschland". Einige Gemeinden haben bereits heute darunter zu leiden. Nicht nur im Bundesamt geht man davon aus, dass das Problem weiter zunimmt.

Gärten sind Lebensraum und Ausgleich.

Hausgärten spielen eine wichtige Rolle im direkten Umfeld ums Haus, in der Siedlung und für den gesamten Wohnort.

Gärten zu erhalten, ist lebenswichtig.

Um Gärten zu erhalten und zu bewirtschaften, braucht es Wasser. Doch ein anderer, "neuer" Umgang mit der nun knappen Ressource Wasser will gelernt sein. Hieß es früher einfach "Sprenger an und Wasser marsch!", ist heute eine durchdachte und nachhaltige Verwendung auch im privaten Bereich wichtig.
Auch die Politik ist gefragt: Ihre Rahmenbedingungen flankieren die wirklich nachhaltige* Verwendung von Wasser.

* Allgemein wird unter Nachhaltigkeit das Bestreben verstanden, die Bedürfnisse in der Gegenwart zu befriedigen und dabei zu gewährleisten, dass auch die Befriedigung der Bedürfnisse künftiger Generationen sichergestellt ist. Nachhaltigkeit ergibt sich aus dem Zusammenspiel von sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit. Gartenbau und Landwirtschaft ist dann nachhaltig, wenn sich durch sie der Bestand an Ressourcen nach Menge und Qualität nicht verringert." UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro 1992, Aktionsplan Agenda 21

Frauenmantel mit Regentropfen
Auch im Garten will ein anderer, neuer Umgang mit der zunehmend knappen Ressource Wasser gelernt sein. Wir unterstützen dabei!   © VWE

A Empfehlungen an die Politik

1. Rückhaltung von Regenwasser fördern
• Regenwasser-Rückhaltung in Form von Zisternen und Dachbegrünungen sowie Sickermulden/Versickerung auf privaten Grundstücken sollten nicht nur lokal, sondern auch von der Bundesregierung gefördert werden.
• Die Anlage natürlicher Abfluss- und Auffangflächen im öffentlichen Raum ist zu fördern. Dies trägt zur Vorbeugung bei Starkregen-Ereignissen und zur Grundwasserneubildung bei.

2. Das Grundwasser schonen
Im Sinne des Weltwasserberichts 2022 der Vereinten Nationen gilt es, Grundwasser zu schützen! Eine lokale Nutzung von Grundwasser für den Hausgarten ist im Wesentlichen nur da sinnvoll, wo dies nachhaltig ist. Nachhaltig bedeutet, dass nur so viel entnommen werden darf, wie sich durch Regenwasser natürlich regeneriert.

Diese Maxime ist für jeden anderen wasserverbrauchenden Bereich, etwa in der Industrie und der Landwirtschaft, ebenso zur Geltung zu bringen.

3. Die Wassernutzung lenken
• Bei Regelungen zur Wassernutzung sind die Folgen weitsichtig zu berücksichtigen. So entsteht etwa bei verpflichtenden Gartenwasserzählern die Problematik, dass die hierbei erreichte Einsparung der Abwassergebühren ungewollt fördert, dass die Nutzung von Trinkwasser zur Gartenbewässerung steigt. Das ist keine nachhaltige Wassernutzung.
• Für die Entsiegelung und den Rückbau von geschotterten Gartenflächen durch klimagerechte Neubepflanzung sollen Anreize gesetzt werden.

B Empfehlungen für Gartennutzer*innen

10-Punkte-Plan "Nachhaltige Wassernutzung im Hausgarten"
1. Fördern Sie die Wasserhaltekraft Ihres Bodens.
Maßnahmen wie das Erhöhen des Humusgehalts z. B. durch eine jährliche Kompostgabe helfen dabei, ebenso ein bodendeckender, dichter Pflanzenbestand, Mulchen, Gründüngung, Hacken und natürliche Bodenzuschlagstoffe wie Perlite, Gesteinsmehl. Das Schottern von Gartenflächen zerstört hingegen Bodenstruktur und Wasserhaltekraft.

2. Verwenden Sie an den Standort angepasste Pflanzen.
Wählen Sie standortgerechte Pflanzen, die über einen längeren Zeitraum ohne zusätzliche Bewässerung zurechtkommen. Bedenken Sie, dass Pflanzen wie Hortensien und Rhododendren einen hohen Wasserbedarf haben.

3. Gezielte Gestaltung senkt den Wasserbedarf im Garten.
Kombinieren Sie Pflanzen in Bereichen, die ähnliche Wasseransprüche haben. Die Lösung des Wasserproblems im Garten liegt aber nicht allein in der Verwendung von trockenheitsverträglichen Pflanzen. Denn: Auch wenn Bäume viel Wasser brauchen, sind sie wichtig im Garten! Durch ihre Verdunstung und Beschattung kühlen Großgehölze das Kleinklima ab und senken so den Wasserbedarf der gesamten Lebensgemeinschaft im Garten.

4. Wässern Sie effizient.
Bringen Sie das Wasser gezielt an die Wurzeln. Nutzen Sie keine Wassersprenger, weil dabei zu viel Wasser verdunstet und nicht von den Pflanzen genutzt werden kann. Gießen Sie nur nach Bedarf: nicht permanent, nicht täglich, sondern alle 4-5 Tage und dann durchdringend. So erziehen Sie die Pflanzen dazu, dem Wasser folgend tiefer in den Boden zu wurzeln.

5. Trinkwasser ist knapp. Nutzen Sie Regenwasser.
Regenwasser ist das beste Gießwasser. Dazu ist es kostenlos - eine Ressource, die vom Himmel fällt! Wassertonnen sind die einfachste Lösung. Zisternen eignen sich zur Speicherung größerer Wassermengen. Auch Dachbegrünungen oder ein Teich im Garten können kostbares Regenwasser im Garten zurückhalten.

6. Zuviel Regenwasser? Auf dem eigenen Grundstück versickern lassen.
Beseitigen Sie möglichst viele versiegelte Flächen auf Ihrem Grundstück. Verwenden Sie stattdessen wasserdurchlässige Beläge wie Fugenpflaster und Rasengittersteine. Das verhindert, dass kostbares Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation gelangt. Wichtig: Auch Sickermulden sind aktiver Hochwasserschutz!

7. Gartenwasserzähler sind keine Lösung!
Wer einen Gartenwasserzähler nutzt, spart sich die Abwassergebühren. Doch dieser finanzielle Anreiz fördert, mit Trinkwasser im Garten allzu sorglos umzugehen. Wir sagen daher: Trinkwasser ist zum Gießen zu kostbar.

8. Setzen Sie Prioritäten.
Stimmen Sie sich mittelfristig auf einen Wandel im Garten ein. Während Sie auf wasserintensive Kulturen im Bereich Obst oder Gemüse wie Erdbeeren, Kohlgewächse oder Knollensellerie nicht verzichten möchten, akzeptieren Sie vielleicht, dass Ihre Regenwasserrückhaltung nicht auch noch für eine sattgrüne und gepflegte Rasenfläche ausreicht. Die Alternative kann ein Kräuterrasen sein.

9. Lernen Sie mehr über die natürlichen Vorgänge im Garten.
Beobachten Sie in Hitzeperioden genau: Welche Blätter schlappen und brauchen nun eine gute Portion Wasser? Stellen Sie Regenmesser im Garten auf und beobachten aufmerksam den Wetterbericht. Wenn es bald Regen gibt, braucht es keinen Guss aus der Trinkwasserbrause.

10. Ob im Garten oder im Haus: Bewusstsein schärfen
Denken Sie und machen Sie mit beim Thema Wassersparen. Ob es die Sparspülung im WC ist oder die Dusche statt Badewanne - überall lässt sich Wasser sparen. Jedes Produkt, das wir konsumieren, hat eine Wasserbilanz. Allein schon die Frage: ‚Brauche ich es wirklich?‘ hilft, sich bewusst für oder gegen ein Produkt zu entscheiden.

Unsere Maxime: Ein Ja! zum Wässern im Garten. Aber nur gezielt, bedarfsgerecht und flankiert von gärtnerischen Maßnahmen.

Mehr Informationen zum nachhaltigen Umgang mit Wasser?

Die grüne Website des VWE www.gartenberatung.de