Gasumlage

September 2022

Die Lage auf dem Energiemarkt ist turbulent wie noch nie. Ja, komplexe Verflechtungen und Abhängigkeiten erschweren es ganz offensichtlich, bei der Einführung von Maßnahmen schon alle Folgen abschätzen zu können. Das zeigen die Anfang September nachgeschobenen Korrekturen bei der Gasumlage, die ab Oktober erhoben werden soll und viele Haushalte schwer treffen wird. Zugleich ringt die Politik um den Einsatz von Atomstrom, und künftig soll mehr Strom aus Biogas und Solar produziert werden. Bei allen Unsicherheiten: Der Verband Wohneigentum (VWE) mahnt dringend an, diejenigen Menschen bei Energiekosten effektiv zu unterstützen, die sie alleine nicht tragen können.

VWE-Präsident Manfred Jost: "Dazu zählen auch viele Hauseigentümer und -eigentümerinnen, die schon jetzt unter den gewaltigen Kostenlasten ächzen. Eine Entlastung ist zwingend für Menschen mit niedrigen Einkommen, aber auch Menschen mit mittleren Einkommen kommen immer häufiger an ihre Belastungsgrenzen. Viele verdienen gerade so viel, dass sie von den vereinbarten Entlastungen nicht profitieren. Die Energiepreise treffen sie mit voller Wucht, die Kosten für laufende Verträge, Kredite etc. sind aber nicht einfach kurzfristig reduzierbar. Wer mit Gas heizt und ein Haus mit schlechter Isolierung und alter Heizungsanlage hat, für den wird der Winter ein Problem." Das Nachsteuern durch ein 3. Entlastungspaket kann nicht das letzte Wort sein, denn der großen Gruppe der unteren Mittelschicht dürfen nicht zu hohe Lasten verbleiben. Hier entsteht die Gefahr eines sozialen Einbruchs, der sich auf die gesamte Gesellschafft auswirkt, kritisiert Jost.

Der VWE fordert die Bundesregierung auf, sozial tragbare, nachvollziehbare und kalkulierbare Maßnahmen zu ergreifen. "Nur wenn bei Verteilung der Lasten sichtbar auf Gerechtigkeit geachtet wird, kann die Regierung die Menschen mitnehmen", sagt der VWE-Präsident. Vor diesem Hintergrund begrüßt der VWE die Ankündigung, dass bei den von der Umlage profitierenden Gasimporteuren "Trittbrettfahrer" ausgeschlossen und ausschließlich Unternehmen gestützt werden sollen, die durch die aktuelle Lage wirklich in ökonomische Schwierigkeiten geraten sind. Ein Deckel auf Gaspreise für eine Basisversorgung wäre - wie ein Deckel bei Strompreisen - eine für die Verbraucher*innen kalkulierbare Maßnahme. Für den Winter sieht der VWE-Präsident trotz des gerade von der Ampelkoalition beschlossenen 3. Entlastungspakets die Notwendigkeit weiterer gezielter Entlastungen.

ein Heinzungsthermostat mit Geldscheinen und ein Taschenrechner
Der Winter wird teuer. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt Gaskund*innen, sich die Heizkostenabrechnung vom Vorjahr anzuschauen und mindestens den dreifachen Betrag zur Seite zu legen.   © Pixabay
Derzeit ist beim Thema Gas-Umlage noch einiges in Bewegung. Der aktuelle Stand:

Wie funktioniert die Gasumlage?

Die Umlage wird befristet bis zum 1. April 2024 erhoben und liegt bei rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde. Gezahlt wird sie von allen gewerblichen und privaten Gaskunden und -kundinnen. Für eine vierköpfige Beispielfamilie mit einem Jahresverbrauch von rund 20.000 Kilowattstunden bedeutet die Umlage Mehrkosten von rund 500 Euro im Jahr. Die Umlage wird alle drei Monate aktualisiert, sie kann also sowohl steigen als auch sinken - je nach Marktsituation.

Viele Gasanbieter erhöhen gerade eh schon kräftig ihre Preise, die Gasumlage kommt dann noch zusätzlich "obendrauf". Sie wird auf der Gasrechnung als Aufschlag ausgewiesen. Das wird allerdings nicht zum 1. Oktober erfolgen, sondern einige Wochen später, also auf der November- oder Dezember-Rechnung. Errechnet wird die Höhe der Umlage auf Basis von angenommenen Kosten, im Nachgang wird sie mit den tatsächlichen Kosten verrechnet.

Wer bekommt das Geld?

Mit der Umlage sollen ausschließlich Gasimporteure gestützt werden, die bisher Gas in Russland eingekauft haben und an hiesige Versorger verkaufen. Weil Russland aber nicht wie bisher liefert, müssen die Importeure das Gas nun teurer auf dem sogenannten Spot-Markt beschaffen, wo kurzfristige Geschäfte getätigt werden.

Mit der Umlage soll die Versorgungssicherheit im Herbst und Winter gewährleistet werden. Die Bundesregierung befürchtet andernfalls Insolvenzen von Gashändlern und Dominoeffekte in den Lieferketten. Mit der Umlage soll den Importeuren ab Oktober 2022 die Differenz zwischen dem Bezugspreis der ausgefallenen Liefermengen und den Kosten der als Ersatz beschafften Mengen bis zu 90 % erstattet werden; bis September haben sie diese Differenz selbst getragen.

Diejenigen Unternehmen, die die Umlage in Anspruch nehmen wollen, haben sich laut Bundeswirtschaftsministerium beim Marktgebietsverantwortlichen für den deutschen Gasmarkt, Trading Hub Europe (THE), listen lassen. THE erstattet also den Importeuren auf monatlichen Antrag hin die Mehrkosten und erhebt das Geld dann wiederum von den Endversorgern wie den Stadtwerken, die diese Kosten auf die Endverbraucher umlegen.

Katrin Ahmerkamp

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