Renew It - Bewohner in Sanierung einbinden Der Verband Wohneigentum ist bei EU-Projekt dabei
Februar 2026
LIFE Renew It heißt ein europäisches Projekt, das im Januar 2026 offiziell gestartet ist. Ausprobiert werden Modelle, in denen die Bewohner und Bewohnerinnen von Quartieren und Siedlungen ihre Häuser gemeinschaftlich energetisch sanieren. Die Siedlergemeinschaft Neue Heimstatt e.V. aus dem Berliner Landesverband des Verbands Wohneigentum ist dabei.

Das europäische Projekt LIFE Renew It, gefördert durch das LIFE-Programm der EU, ist offiziell gestartet. Über die nächsten 30 Monate wird das Projekt Modelle zur gemeinschaftlichen Eigenleistung bei Sanierungen in Wohnvierteln mehrerer EU-Länder testen, darunter Frankreich (Besançon), Spanien (Centelles und Getafe) und Deutschland (Berlin). Dabei werden die Bewohner und Bewohnerinnen aktiv in die Modernisierung ihrer Häuser eingebunden, um tiefgreifende Sanierungen erschwinglicher, inklusiver und sozial verankert zu gestalten. In Europa leben rund 34 Millionen Menschen in Haushalten, die von Energiearmut betroffen sind.
Getragen wird das Projekt von einem Zusammenschluss, der aus 18 Partnern aus 5 EU-Ländern besteht; darunter sind Kommunen, soziale Wohnungsbaugesellschaften, kleine und mittlere Bauunternehmen, Ausbildungsstätten oder zivilgesellschaftliche Initiativen. Auch der Verband Wohneigentum ist über seinen Landesverband Berlin mit an Bord.
Renew It: 3 Pilotquartiere
Gemeinschaftliche Selbstsanierung heißt das Stichwort, und dabei werden 3 Pilotquartiere durch die Projektpartner unterstützt. Das Ziel ist es, bezahlbare Wege für grundlegende energetische Sanierungen zu finden. Die Projektverantwortlichen erhoffen sich außerdem einen weiteren Effekt: Sie bauen auf eine positive Entwicklung in der Nachbarschaft.
Hilfe zur Selbsthilfe
Das Projekt trifft die Kernwerte des Verbands Wohneigentums, der als Selbsthilfebewegung von Siedlerfamilien zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts entstanden ist. Das findet auch Katharina Gapp-Schmeling, die für den unterstützenden Landesverband Berlin das Projekt koordiniert: Das bedeutet einiges an Arbeit: die Akquirierung von Teilnehmern, die Erhebung und Analyse der Energiedaten oder die Koordination der Aktivitäten vor Ort in Abstimmung mit der europäischen Ebene.
Engagierte Siedlung: Neue Heimtstatt
Warum ausgerechnet die Berliner Siedlung Neue Heimstatt? Gapp-Schmeling kennt die Menschen vor Ort bereits aus anderen Projekten und hat sie als sehr engagiert erlebt. Von der Resonanz bisher ist sie positiv überrascht, kann sie sich aber erklären: "Ich bin ja selbst Siedlerkind, und wenn das Angebot von mir aus dem Verband kommt, sind die Menschen weniger skeptisch. Die Vorabzusage des Projektkonsortiums für die Teilnahme haben wir, wir sollen jetzt einfach schon einmal loslegen, hat man uns gesagt." 
Das EU-Konsortium entwickelt parallel Tools um aufzuzeigen, welche Sanierungsarbeiten Bewohner*innen selbst übernehmen können und wo fachliche Unterstützung erforderlich ist. Dafür werden Gebäudedaten, Energieverbräuche, finanzielle Möglichkeiten und soziale Faktoren mit den Fähigkeiten und der Motivation der Bewohnerschaft verknüpft. So entsteht eine gemeinsame, belastbare Grundlage für die Planung von Selbstsanierungen. Außerdem werden praxisnahe Schulungen für die Quartiere entwickelt, begleitet durch individuelles Coaching vor Ort
Wenn die Schulungen starten, kommt Katharina Gapp-Schmeling mit ihrem breiten Netzwerk wieder ins Spiel: "Für das Thema Sanierungsmaßnahmen haben wir viele Ansprechpartner." Sie erklärt die Vorteile beim Mitmachen: Eine gemeinschaftliche Selbst-Sanierung senke die Investitionskosten für die Einzelnen und ermögliche beispielsweise durch Sammelbestellungen Mengenrabatte. Abgesehen von den Investitionskosten spricht auch auf lange Sicht alles für das Projekt: Ist das Haus energetisch auf Vordermann gebracht, sinken die Energiekosten, Wohnen wird behaglicher und der Wert der Immobilie steigt. Dazu kommen im Idealfall neue handwerkliche und "grüne" Kompetenzen und ein stärkeres Gefühl von Verantwortung und Zugehörigkeit zum eigenen Wohnumfeld.
Die gewonnenen Erfahrungen sollen in praxisnahe Empfehlungen für Politik und Verwaltung einfließen und die europäische Renovierungswelle sozial gerechter und wirksamer machen. Katharina Gapp-Schmeling: "Voneinander lernen, darum geht es."
Katrin Ahmerkamp