Verbände fordern Reform der Grunderwerbsteuer Eigentumseinstieg für junge Menschen und Generationenübergang verbessern

Berlin, 12. März 2026. Ein breites Bündnis aus ifs Institut Wohneigentum und zahlreichen Partnerorganisationen von Eigentümer- und Verbraucherschutzverbänden sowie Bau- und Finanzwirtschaft drängt auf eine Entlastung der Wohneigentumsbildung bei der Grunderwerbsteuer. Die stark gestiegenen Nebenkosten verhindern zunehmend den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum und erschweren zudem die Wohnraummobilität und den Generationenübergang im Eigenheimbestand.

Das Modell eines Hauses steht auf einem Tisch, ein Haustürschlüssel liegt daneben.
Die Bildung von Wohneigentum muss erleichtert werden durch Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer - darauf drängt ein breites Verbändebündnis und hat ein Positionspapier auf den Weg gebracht.   © unsplash/tierra mallorca

Grunderwerbsteuer abschaffen oder stark senken

Deutschland hat bereits EU-weit die niedrigste Wohneigentumsquote - mit schwerwiegenden Folgen für Vermögensbildung und Alterssicherung. Andere Länder haben erfolgreiche Modelle entwickelt, etwa die Entlastung von Ersterwerbern bei der Grunderwerbsteuer oder die Anrechnung bereits gezahlter Grunderwerbsteuer beim sogenannten Ersatzkauf, also wenn selbst genutztes Wohneigentum verkauft und durch ein neues ersetzt wird. Bund und Länder sollten diese Ansätze adaptieren und vor allem die Grunderwerbsteuer für den Ersterwerb einer selbst genutzten Immobilie abschaffen oder stark senken.

Grunderwerbsteuer versperrt jungen Menschen Weg ins Eigentum

Die Grunderwerbsteuer bildet eine große Hürde für die Wohneigentumsbildung: "Die Grunderwerbsteuer versperrt jungen Menschen den Weg in die eigenen vier Wände und verhindert, dass Familien überhaupt eine Chance auf Wohneigentum haben. Wer heute kaufen möchte, scheitert in der Regel nicht an der monatlichen Rate, sondern am Eigenkapital", erklärt das Verbändebündnis.

Das Potenzial junger Käufer ist in den letzten zehn Jahren von 360.000 auf 216.000 Haushalte zurückgegangen; die Eigentumsquote der unter 50-Jährigen sank zuletzt sogar um mehr als 4 Prozentpunkte. Junge Mieterhaushalte verfügen im Median nur über rund 9.000 Euro Geldvermögen - deutlich zu wenig für die massiv erhöhten Transaktionskosten, die nicht kreditfinanziert werden können.

Situation in den Ländern

Mit Ausnahme von Bayern haben die Bundesländer die Steuersätze von einstmals 3,5 Prozent auf 5 bis 6,5 Prozent angehoben. Gleichzeitig haben sich in den letzten 15 Jahren die Immobilienpreise mehr als verdoppelt. Für ein durchschnittliches Eigenheim im Wert von 370.000 Euro liegt die Grunderwerbsteuer zwischen 18.500 und 24.050 Euro; vor 15 Jahren betrug sie beim damaligen Durchschnittswert von etwa 175.000 Euro nur etwas mehr als 6.000 Euro.

Das Verbändebündnis fordert zwei zentrale Reformschritte:

1. eine vollständig wegfallende oder stark reduzierte Grunderwerbsteuer für Ersterwerber bis zu gewissen Wertschwellen, die länderspezifisch unterschiedlich ausgestaltet sein können;

2. eine Portabilitätsregel, die bereits gezahlte Grunderwerbsteuer beim Ersatzkauf anrechenbar macht.


Dies würde den Einstieg in die Wohneigentumsbildung, die Wohnraummobilität und den Generationenübergang im Eigenheimbestand erleichtern. Eigentümer, die bei einem berufsbedingten Wechsel in eine andere Stadt ihre Immobilie verkaufen und eine neue erwerben, verlieren die beim Erstkauf gezahlte Steuer vollständig und zahlen beim Ersatzkauf erneut die volle Grunderwerbsteuer. Dies erschwert auch den in anderen Ländern üblichen stufenweisen Aufbau von Wohneigentum, indem junge Menschen zunächst eine kleinere, bezahlbare Immobilie erwerben und sich Schritt für Schritt zu größerem Eigentum hocharbeiten - anstatt wie heute oftmals erst spät einmalig eine große und teure Immobilie zu kaufen.

Belastung auch für ältere Haushalte

Schließlich belastet der Effekt der Grunderwerbsteuer auch ältere Haushalte, die ihr zu groß gewordenes Eigenheim für eine kleinere, altersgerechte Wohnung tauschen wollen. So verbleiben mehr Haushalte in zu großen Immobilien, während junge Familien Zugang zum Bestandsmarkt benötigen. Das Ergebnis ist eine ineffiziente Nutzung wertvoller Wohnflächen und zusätzlicher Druck auf Neubauflächen. Eine Reform der Grunderwerbsteuer würde hier den Vermögensaufbau junger Haushalte erleichtern, Mobilität schaffen, Bestände aktivieren und gleichzeitig soziale wie ökologische Ziele stärken.

Grunderwerbsteuergipfel soll Reform vorbereiten

Obwohl die Hemmnisse durch die hohe Grunderwerbsteuer und deren negativen Folgen für Vermögensbildung, Generationengerechtigkeit und eine nachhaltige Wohnraumpolitik seit Jahren bekannt sind, blieben Verhandlungen zwischen Bund und Ländern bislang ergebnislos. Das Verbändebündnis ruft deshalb erneut nachdrücklich dazu auf, das Thema nicht länger zu ignorieren und eine Lösung zu finden. Als erster Schritt sollte zeitnah ein Grunderwerbsteuergipfel zwischen Bund und Ländern einberufen werden, um die Eckpunkte einer Reform verbindlich zu vereinbaren und eine länderspezifisch ausgestaltete Umsetzung endlich auf den Weg zu bringen.

Herausgeber des Positionspapiers:
ifs Institut für Wohneigentum im Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. (DV), Littenstraße 10, 10117 Berlin, www.deutscher-verband.org
Ansprechpartner: Christian Huttenloher

Mitzeichnende Institutionen:

  • Bauherren-Schutzbund e.V., Brückenstraße 6, 10179 Berlin, www.bsb-ev.de

  • Bausparkasse Schwäbisch Hall AG, Crailsheimer Straße 51, 74523 Schwäbisch Hall, www.schwaebisch-hall.de

  • BFW Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V., Verband der mittelständischen Immobilienwirtschaft, Herzogstraße 37, 40215 Düsseldorf

  • Bundesverband Baustoffe, Steine und Erden, Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden e.V. Reinhardtstraße 14, D-10117 Berlin, www.baustoffindustrie.de

  • BVR - Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V., Schellingstraße 4, 10785 Berlin, www.bvr.de

  • Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen im Deutschen Sparkassen- und Giroverband, Friedrichstraße 83, 10117 Berlin, www.lbs.de

  • DDIV - Verband der Immobilienverwalter Deutschland e. V., Leipziger Platz 9, 10117 Berlin, www.vdiv.de

  • Eigenheimerverband Deutschland e. V., Reinhardtstraße 58, 10117 Berlin, https://www.ehvd.de/

  • IVD - Immobilienverband Deutschland, Littenstraße 10, 10179 Berlin, www.ivd.net

  • IFE | Interessenverband Familie und Eigentum e.V., Neubrückenstraße 60, 48143 Münster, www.ife.nrw

  • Haus & Grund Deutschland, Anton-Wilhelm-Amo-Straße 33, 10117 Berlin, https://www.hausundgrund.de

  • KSD - Katholischer Siedlungsdienst, Kleine Alexanderstraße 12, 10178 Berlin, https://www.ksd-ev.de/

  • Verband Privater Bauherren, Chausseestraße 8, 10115 Berlin, www.vpb.de

  • Verband der privaten Bausparkassen, Klingelhöfer Straße 4, 10785 Berlin, www.bausparkassen.de

  • Verband Wohneigentum, Oberer Lindweg 2, 53129 Bonn, www.verband-wohneigentum.de

  • Wüstenrot Bausparkasse AG, W&W-Platz 1, 70806 Kornwestheim, www.wuestenrot.de

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