Frühjahrsschnitt und Baumpflanz-Challenge

Im Rahmen der alljährlichen Demonstration des Frühjahrsschnittes nahm die Gemeinschaft Hambühren im Verband Wohneigentum (VWE) die vom Landesverband über die Kreisgruppe Celle angeregte Herausforderung einen von der Kreisgruppe gespendeten Apfelbaum zu pflanzen an.
Der Gemeinschaftsleiter Norbert Jahnke begrüßte den eigentlich nicht mehr aktiven ehrenamtlichen Gartenfachberater von Landesverband und Kreisgruppe Celle, Ingo Rodemann. Dieser gab am 21. März wieder zahlreiche Tipps und Hinweise zum richtigen Baumschnitt. Im Garten von Familie Jahns in der Schlochauer Straße in Hambühren verfolgten 22 Teilnehmende - darunter der Kreisgruppenvorstand sowie drei ehrenamtliche Gartenfachberater*innen - interessiert die Pflanzaktion.

Baumpflanz-Challenge
Vorbesprechung der Eheleute Hans-Joachim und Inge Jahns mit dem Gartenfachberater Ingo Rodemann   © Werner Muck
Baumpflanz-Challenge
Der Gemeinschaftsleiter Norbert Jahnke begrüßt die Teilnehmenden   © Werner Muck
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Einleitend erklärte Rodemann, dass der Frühjahrschnitt der Verjüngung und Holzbildung dient und das dieser an nur Kernobst (Apfel, Birne, Quitte) vorgenommen werden soll, während Steinobst (Kirsch, Mirabelle, Pflaume, Pfirsich) im Sommer geschnitten wird um zu starkes Wachstum zu bremsen.
Beim Pflanzen des o.a. Apfelbäumchens führte Rodemann aus, dass …
• beim Kauf darauf geachtet werden soll, dass der Stamm drei bis vier kräftige Seitenäste (Leittriebe) haben sollte, die gleichmäßig um den Stamm verteilt sind sowie eine unbeschädigte Mitte, die die Spitzenförderung übernimmt. Weiterhin muss die Veredelungsstelle am unteren Stamm gut verheilt sein und die Rinde darf keine Verletzungen, Risse oder dunkle Flecken aufweisen.
• vor dem Pflanzen eine Baumscheibe angelegt werden sollte. Diese soll einen Durchmesser von etwa vier Männerfüßen bzw. sechs Frauenfüssen haben. In der Mitte der Baumscheibe wird ein Pflanzloch ausgehoben. Trifft man beim Graben auf eine rostbraune harte wasserundurchlässige Schicht (Ortstein), ist diese mit einer Eisenstange zu durchstoßen. Danach wird ein Pflanzstab neben das Loch in den Bo-den getrieben an dem der Baum später angebunden werden kann.
• man Containerpflanzen - außer bei Frost - das ganze Jahr über einpflanzen kann. Diese Containerpflanzen sind zunächst in einem Eimer kräftig zu wässern (bis keine Luftblasen mehr aufsteigen). Anschließend wird das Bäumchen aus dem Container entnommen und der Wurzelballen mit einem scharfen Messer leicht eingeschnitten. Diese Schnitte sind triebfördernd. Danach wird das Bäumchen so in das Pflanzloch gesetzt, dass sich die Veredelungsstelle eine Handbreit über dem Boden befindet und so ausgerichtet, dass der stärkste Zweig nach Norden zeigt, da dieser die wenigste Sonnenstrahlen abbekommt. Befindet sich die Veredelungsstelle im Boden führt dies zur Bildung von Wildtrieben! Das Pflanzloch wird heftig gewässert und mit Erde aufgefüllt sowie eingeschlämmt. Eine Beigabe von Urgesteinsmehl ist nicht unbedingt erforderlich, schadet aber auch nicht. Die aufgefüllte Erde auf keinen Fall festtreten, da dies die Kapillarwurzeln schädigt. Abschließend wurde das Bäumchen am Pflanzstab angebunden. Am Folgetag sollte mit Erde aufgefüllt und nochmals gewässert werden.

• der Wurzelballen durch Kaninchendraht oder Glasscherben vor Wühlmäusen geschützt werden kann.
Im Anschluss daran erklärte Rodemann den direkt nach der Pflanzung durchzuführenden Pflanzschnitt sowie allgemeine Regeln zum Baumschnitt: Er empfahl …
• Handschuhe zu tragen damit kein Salz von den Fingern die Pflanze schädigt.
• beim Schnitt darauf zu achten, dass dieser schräg ausgeführt wird damit Regenwasser abgeleitet wird und die Neigung der Schnittfläche so auszurichten, dass untere Knospen nicht nass werden.
• immer leicht oberhalb einer Knospe schneiden, die nach außen zeigt, da der Zweig weiterhin nach außen wachsen soll.
• im Frühjahr die Schnittflächen mit Lac Balsam zu versiegeln.
• bevor der nächste Baum beschnitten wird, sollte das Werkzeug mit Brennspiritus des-infiziert werden.
• die nach innen wachsenden Zweige, die nach unten wachsenden Zweige, sich überkreuzenden Zweige sowie Konkurrenztriebe abzuschneiden.
Der Wuchs des Stammes (Mitteltrieb) wird erreicht, indem man nur eine Spitze zulässt. Diese sollte mindestens eine Scherenlänge höher sein als die nächsttieferen Äste (Spitzenförderung).
Mit folgenden allgemeinen Tipps beendete Rodemann seine Informationen zu Obstbaumschnitt:
• Baumweiß verhindert im Frühjahr (Februar) das Aufplatzen der Rinde infolge einseitiger Erwärmung des Stammes durch Sonnenstrahlen.
• Die Pflanze nimmt auch über die Rinde Nährstoffe auf.
• Nur die von der Sonne beschienenen Früchte haben den besten Geschmack, Farbe und Lagerfähigkeit.
• Schorfbildung ist ein Indiz dafür, dass die Frucht zu wenig Sonne abbekommen hat.
• Scheinblüten bei Pfirsichen bilden keine Frucht, da das Blattgrün zwischen den Blüten fehlt.
• Um Nematoden von den Wurzeln fernzuhalten sollte man Tagetes in die Baum-scheibe pflanzen.
• Bei Pflaumen empfiehlt sich Kapuzinerkresse für die Baumscheibe. Diese vergrämt Blattläuse.
Abschließend wandte sich Rodemann der Rosenpflege zu. Im Gegensatz zu Obstbäumen muss hier die Veredelungsstelle eine Handbreit in der Erde sein, da die Sonne die die Veredlung sonst verbrennt. Eventuell noch vorhandene Hagebutten abschneiden, da die Rose sonst blühfaul wird. Auch sollten die Schnitte nicht so schräg angesetzt werden wie bei den Bäumen. So wird eine kleinere Schnittfläche erreicht. Abgestorbene, kranke oder schwache Triebe vollständig herausschneiden, um die Gesundheit der Pflanze zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. Wildtriebe, die meist eine andere Blattform und -farbe haben, werden direkt an der Basis entfernt, um ein erneutes Austreiben zu verhindern. Schnitte etwa 5 Millimeter oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe ansetzen, um Fäulnis vorzubeugen und das Wachstum zu fördern.
Am 25. Juli dieses Jahres wird im gleichen Garten das Ergebnis der Pflanzaktion begutachtet und eine Unterweisung im Sommerschnitt erfolgen.
Die Kreisgruppe Celle hat die Siedlergemeinschaft Lachtetal und Kreisgruppe Peine aufgefordert die Baumpflanz Challenge fortzuführen.
Baumpflanz-Challenge
Ingo Rodemann und der Kreisgruppenvorstand   © Sabine Biebuhr-Woltersdorf