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Dämmen: die große FrageTeil 2: Entsorgung

Nicht erst seit dem 23. Weltklimagipfel in Bonn ist klar: Wir verbrauchen zu viel Energie und produzieren zu viel CO2. Wohneigentümer können dem entgegenwirken, wenn sie ihre Immobilie dämmen. Doch Dämmstoffe sind umstritten, auch wegen der schwierigen Entsorgung. Ob dies stimmt, erklärt Philipp Mahler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Interview.

Porträt P. Mahler

Philipp Mahler, Verbraucherzentrale NRW © Verbraucherzentrale NRW

Verband Wohneigentum: Es gibt Dämmstoffe auf Erdölbasis wie Polystyrol (bekannt unter dem Handelsnamen "Styropor"), mineralische Dämmstoffe wie Mineralwolle und Dämmstoffe aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen wie Holzfasern, Hanf oder Kork. Wo gibt es Probleme bei der Entsorgung?

Mahler: Die Entsorgung hängt davon ab, wie gut die Dämmstoffe bei den Abbrucharbeiten von anderen Baustoffen getrennt werden können. Die einzelnen Komponenten der üblichen Wärmedämmverbundsysteme für die Fassade lassen sich zum Beispiel nach dem Rückbau nur schwer wieder voneinander trennen. Probleme bei der Entsorgung von reinem Dämmmaterial ergeben sich vor allem durch im Dämmstoff eingeschlossene Zusatzstoffe, wie z.B. Flammschutzmittel. Bestimmte Flammschutzmittel erschweren eine Deponierung oder das Recycling. Dämmstoffe, welche noch das Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) enthalten, müssen thermisch verwertet (verbrannt) werden, um es zu zerstören.

Verband Wohneigentum: Welche Dämmstoffe sind aus ökologischen Gründen zu empfehlen und unproblematisch in der Entsorgung?

Mahler: Aus ökologischen Gründen ist generell die Verwendung von recycelten oder nachwachsenden Baustoffen zu empfehlen. Neben dem verwendeten Grundstoff werden für die Herstellung bei fast allen Dämmstoffen Zusatzstoffe wie Bindemittel und Flammschutzmittel eingesetzt. Dies variiert je nach Hersteller und erfordert einen detaillierten Vergleich der Inhaltsstoffe. Im Idealfall kann der Dämmstoff später ohne Weiteres recycelt oder kompostiert werden. Bei Dämmstoffen auf Erdölbasis ist dies zwar nicht der Fall, doch ist die Verarbeitung von Erdöl zu Dämmstoff immer noch als ökologischer anzusehen als das Verbrennen dieses Öls zu Heizzwecken eines nicht gedämmten Gebäudes.
Insgesamt ist die Entsorgung von Dämmstoffen genauso aufwändig wie die Entsorgung anderer Baustoffe. Umweltfreundlich ist es, eine möglichst langlebige und zukunftsfähige Konstruktion der Fassadendämmung oder des Daches zu empfehlen, damit die Entsorgung erst in 40 bis 80 Jahren erforderlich wird.


Verband Wohneigentum: Sonderfall Polystyrol: Der weit verbreitete Dämmstoff ist besonders umstritten, auch bei bei der Entsorgung. Zu Recht?

Mahler: Heute eingebautes Polystyrol enthält in der Regel kein HBCD. Daher kann es in die normalen Müllverbrennungsanlagen. Recycling ist auch möglich, jedoch sind die anfallenden Mengen bisher so klein, dass die Verfahren noch nicht wirtschaftlich sind.

Verband Wohneigentum: Die Vorschriften für HBCD-haltige Abfälle änderten sich mehrmals. Seit Juli 2017 gilt eine EU-Richtlinie Verordnung - was bringt die im Kern für selbstnutzende Wohneigentümer?

Mahler: Ab Oktober 2016 galt Polystyrol mit mehr als 0,1 Prozent des Flammschutzmittels (HBCD) als gefährlicher Abfall. Die Folge davon war, dass viele Entsorgungsunternehmen das Material nicht mehr annahmen, denn für den nun plötzlich gefährlichen Abfall fehlten den Verbrennungsanlagen die Genehmigungen. So entstanden erhebliche Kostensteigerungen durch höhere Annahmekosten bei der nun geringeren Anzahl von Verbrennungsanlagen.
Nach einer Übergangsregelung beschloss der Bundesrat am 7.7.2017 diese Neuregelung in einer Verordnung, nach der HBCD-haltiger Dämmstoffabfall nicht mehr als gefährlicher Abfall eingestuft wird und daher wieder in den Verbrennungsanlagen ohne besondere Genehmigung thermisch verwertet werden kann. Es muss jedoch weiterhin ein Nachweisverfahren durchgeführt werden, wie es auch bei gefährlichem Abfall der Fall ist.


Verband Wohneigentum: Was müssen Hausbesitzer beachten, wenn sie Dämmstoffe entsorgen?

Mahler: Generell sollten anfallende Baustoffe möglichst sauber getrennt werden, um möglichst viele Stoffe wiederverwerten zu können. Dadurch können die Materialien getrennt entsorgt werden und Kosten gespart werden. Leider sieht man dem Dämmstoff den HBCD-Gehalt mit bloßem Auge nicht an. Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass Polystyrol-Dämmstoffe, welche vor 2015 eingebaut wurden, HBCD enthalten.

Generell darf HBCD als sogenannter POP (persistenter organischer Schadstoff) nach der Stockholmer POP-Konvention weltweit nicht länger verwendet werden. In der EU dürfen daher HBCD-haltige Dämmstoffe seit 2016 nicht mehr hergestellt oder verkauft werden. Obwohl für einzelne Unternehmen noch bis 2018 Übergangsregeln gelten, enthalten heutige Polystyroldämmstoffe in der Regel kein HBCD mehr. Sie enthalten ein anderes Flammschutzmittel, welches das HBCD ersetzt. Im Zweifel sollten genaue Produktdeklarationen des Herstellers eingeholt werden.
Fl

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