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Natur in den Garten!Vögel und Insekten schützen

Nicht nur Insekten sind bedroht, auch den Wildvögeln geht es nicht gut, warnt Professor Peter Berthold, einer der führenden Ornithologen in Deutschland. Wenn etwa Flächen durch Beton oder Kies versiegelt werden, dann erhitzt sich nicht nur das Kleinklima, sondern es wird die Nahrung für Wildtiere dezimiert. Auch Pflanzenschutzmittel schädigen tiefgreifend. Machen Sie es in Ihrem Garten anders: Bieten Sie Wildtieren einen naturnahen Lebensraum und erfreuen Sie sich am Summen und Zwitschern. Professor Peter Berthold im Interview mit Anna Florenske.

Prof. Dr. Peter Berthold

Prof. Dr. Peter Berthold
Direktor em., Max-Planck-Institut für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell © privat

Professor Berthold, Sie haben Ihr Leben dem Natur- und Vogelschutz gewidmet - ob an der Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Instituts, als Professor für Biologie an der Universität Konstanz, im Stiftungsrat der Heinz-Sielmann-Stiftung oder im Biotopenverbund Bodensee. Warum?
Alle Arten von Vögeln haben mich schon als Bub fasziniert. Und jetzt? Der gesamten frei lebenden Tier- und Pflanzenwelt in Deutschland und Europa und in aller Welt geht es hundsmiserabel schlecht. Wenn wir so weiter machen, werden wir wahrscheinlich in den nächsten 10, 20 Jahren über die Hälfte aller Arten verlieren. Leider auch bei uns in Deutschland.

Das Thema Insektensterben ist heute in aller Munde. Sie warnen, dass es den Vögeln nicht besser geht?
Dass die Bestände der Vögel stark bedroht sind, wissen wir schon sehr lange. Die Insekten haben jetzt nur in der Aufmerksamkeit die Vögel rechts und links überholt, weil zu ihnen die Bienen zählen und die sind natürlich ganz unmittelbar bedeutsam für die Bestäubung von ganz vielen Nutzpflanzen, von denen wir leben. Jetzt geht den Leuten - ich sag's einfach mal - "der Arsch auf Grundeis". Bei der Feldlerche hat man gesagt: "Gut, auf die kann ich verzichten!" Mit den Bienen wird es jetzt aber ganz kritisch. Manch ein Experte sagt: In zehn Jahren haben wir keine Bestäuber mehr für Obst, Gurken, Tomaten!

Was sagen die Zahlen? Wie dramatisch ist die Lage?
Die Zahl der einheimischen Wildvögel hat seit 1800 abgenommen - bis heute um 80 Prozent. Zunächst sehr langsam bis 1950, und danach dann sturzbachartig bis jetzt. Und die 20 Prozent, die übrig geblieben sind, sind keinesfalls stabil, sondern nehmen weiter ab. Bei den Insekten ging es noch viel schneller: Die einzelnen Individuen haben in den letzten 30 Jahren um 70 bis 80 Prozent abgenommen. Der Rückgang verläuft querbeet, durch alle Arten.

Was sind die Ursachen?
Hauptursache ist die Intensivierung der Landwirtschaft, die etwa die knappe Hälfte unseres Landes bewirtschaftet. In diesen Bereichen hatten wir die größe Artenvielfalt, Wildtiere und -pflanzen konnten bis in die 1950er Jahre mit der Landwirtschaft auskommen. Danach wurden dermaßen starke Intensivierungen vorgenommen bis hin zu absoluten Monokulturen, die keine Wildpflanzen mehr neben sich dulden. Und wo keine Wildpflanzen wachsen, findet sich kein Insekt mehr. Und wo kein Insekt ist, werden auch Vögel nicht satt. Die chemischen Pflanzenschutzmittel bewirken das ihre. Ein weiteres großes Problem ist die Lichtverschmutzung: In Deutschland haben Sie bei Nacht nur noch ganz wenige dunkle Stellen. Die nachtaktiven Insekten fliegen auf Lichter zu, kommen nicht mehr zur Ruhe und so zu Tode. Ein Riesenproblem!

Naiv gefragt: Warum sind Insekten und Wildvögel überhaupt so wichtig? Ein Sommerabend auf der Terrasse ohne Insekten kann doch ganz angenehm sein?
Bei den Insekten ist es noch einfacher als bei den Vögeln. Insekten wie die Honigbienen, aber auch Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen sind verantwortlich für 80 bis 90 Prozent der Bestäubung. Ohne sie gäbe es kein Raps, kein Obst, keine Tomate, keine Weinbeere. In einigen Ländern auf der Welt wie China, wo die Insekten so stark abgenommen haben, muss die Bestäubung schon teils von Menschenhand mit Pinseln vorgenommen werden. Bei den Vögeln ist es nicht viel besser: Vögel sind für uns die wichtigsten Schädlingsbekämpfer, sind Transporteure von Samen - das ist wichtig für den Waldbau.

Jede Art, die in der Natur draußen vorkommt, ob Vogel, Insekt, Milbe oder sonst etwas, hat eine wichtige biologische Funktion. Stellen Sie sich vor: Jede Art ist eine kleine Säule, die für die Stabilität des Ökosystems wichtig ist. Schon wenn eine oder zwei rausfallen, beginnt das Ganze instabil zu werden - etwa, dass Schädlinge überhand nehmen. Fazit: Jede Art hat eine - auch für uns - wichtige Funktion.

Die Bundesregierung hat sich in einem internationalen Abkommen verpflichtet, das Artensterben zu stoppen. Was geschieht konkret?
Ich würde mich nicht auf die Politik verlassen, die Roten Listen der gefährdeten Arten werden jedes Jahr ein bisschen länger. Die Anstrengungen, die gemacht werden müssten, sind so enorm, dass man meinen kann, das am besten gar nicht anzupacken. Damit sich etwas bewegt, kommt es meines Erachtens sehr auf die Bevölkerung an. Dass jeder Einzelne aktiv wird und Oasen schafft - bei sich Zuhause im Garten, in der Gemeinde, in der Stadt. Die Situation ist in Deutschland bedrohlich, aber noch nicht hoffnungslos.

Spatzen

Einst häufig, heute bedroht: der Spatz. © pixabay

Das spricht unsere Mitglieder an. Welche Bedeutung haben Haus- und Kleingärten als Lebensraum für Vögel und Insekten?
Privatgärten haben eine große Bedeutung. Wenn wir alle Gärten in Deutschland flächenmäßig zusammennehmen, sind das vier Prozent der Landesfläche. Das ist ungefähr dieselbe Fläche, die alle Naturschutzgebiete zusammen in Deutschland ausmachen. Wenn diese vier Prozent vernünftig ökologisch betrieben würden - im Hinblick auf Erhalt und Förderung von Artenvielfalt - dann wäre das ein gewaltiger Schub nach vorne. Damit könnte man ein Reservoir erschaffen für wieder bessere Zeiten.

Doch die Realität sieht leider anders aus, oder? Sie haben einmal geäußert, die meisten Gärten hierzulande seien "Psychopathengärten".
Berthold: Ja, das sind Gärten mit monotonem, heruntergehobelten Rasen. Noch viel schlimmer: die sogenannten Schottergärten! Da soll möglichst gar keine Pflanze mehr wachsen. Mit glyphosathaltigen Mitteln (Anmerkung von der Redaktion: das ist verboten) werden darauf wachsende Unkräuter vernichtet.

Bleibt zu hoffen, dass solche toten Gärten Einzelfälle bleiben. Beim Verband Wohneigentum ist das naturnahe Gärtnern als Satzungsziel festgeschrieben. Was kann man selbst im Garten gegen das Artensterben tun?
In vogel- und insektenfreundlichen Gärten wachsen einheimische Pflanzen. Wenn der Garten nicht allzu klein ist: Pflanzen Sie Bäume! Und einheimische beerentragende Sträucher wie Schwarzer Holunder und Heckenkirschen. Begrünen Sie Wände, darin brüten und verstecken sich Vögel sehr gern. Wählen Sie möglichst viele Stauden für den Unterbau in Beeten. Sie sollen reichhaltig und lange blühen und viele Samen bilden. Lassen Sie Blütenstände den Winter über stehen. Trotzdem bieten die meisten Gärten wegen ihrer zu geringen Größe nicht ausreichend Futter für Vögel. Deshalb empfehle ich: Richten Sie sich eine Ganzjahres-Futterstelle für Vögel ein. Dazu ein paar Nistkästen. Wenn man das alles macht, dann kann man auch in einem Garten wie meinen mit 500 m² bis zu 20 verschiedenen Vogelarten ansiedeln. Eine gewaltige Dimension, wenn man das auf alle Gärten hochrechnet!

Die ganzjährige Fütterung von Wildvögeln war lange umstritten. Was sind Ihre Argumente dafür?
Die meisten Ornithologen sprechen sich heute dafür aus. Denn auch, wenn Sie einen naturnahen Garten anlegen, wird sich dort keine Insektenschwemme einstellen. Dazu kommt: Die härteste Zeit für Vögel ist nicht der Winter, sondern der Frühling. Wenn sie brüten und den Nachwuchs versorgen müssen. Das Futter, dass Sie geben, mildert die Not der Altvögel, die meistens nicht mehr genug Nahrung für sich und ihre Nachkommen finden.

Sie haben eine Garten-übergreifende Aktion ins Leben gerufen: Sie nennt sich "Jeder Gemeinde ihr Biotop". Was hat es damit auf sich?
Hausgärten ökologisch gestalten ist wunderschön, aber dort passt natürlich kein größeres Gewässer rein. Doch nur damit kriegt man eine größere Artenfülle und hohe Individuenzahlen hin. Dafür gibt es in jeder Gemeinde Flächen, die man auch heute unter dem großen Druck der landwirtschaftlichen Nutzung noch bekommen kann. Landwirte nennen solche unproduktiven Flächen "Ödland" oder "Unland". Diese Flächen kann man ohne Weiteres erwerben, kaufen, pachten. Darauf lassen sich wunderbare Habitate anlegen: große Teiche und Schilfgebiete - mitten in der ausgeräumten Kulturlandschaft. So können Sie eine unglaubliche Artenvielfalt vor Ort neu beleben.

Ist es schwierig, so etwas umzusetzen?
Das kann der Einzelne nicht machen, da ist es gut, wenn sich Gruppen zusammentun: Wenn Freunde, Nachbarn, Vereine so etwas planen und Stiftungen involviert werden wie die Heinz-Sielmann-Stiftung. Da weiß vielleicht einer etwas von einem Stück Land eines Bekannten, das der nicht nutzt. Hätte der etwas dagegen, wenn hier ein Biotop entstünde? Der nächste Schritt wäre, mit dem Gemeinderat zu reden. Das kann viel Arbeit sein, aber das ist etwas, was im großen Stil Abhilfe bringt. Auch das Kleinvieh macht Mist. Und wer beispielsweise Insekten im Hausgarten oder der Gemeinde fördert, fördert die Vögel gleich mit.

Buch-Tipps

Zum Weiterlesen und Aktiv-werden, mit Checklisten:
"Vögel füttern - aber richtig", Kosmos,
ISBN 978-3-440-15693-3, 4. Auflage, neu ergänzt und überarbeitet, 9,99 Euro

*****neu: Tipp für Gemeinschaften*****
"Unsere Vögel - warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können.
Jeder Gemeinde ihr Biotop." Ullstein, ISBN 978-3-550-08122-4, 24,- Euro

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