Wohnraum für Geflüchtete Worauf Sie achten sollten

März 2022

Sie haben von heute auf morgen ihr altes Leben verlassen müssen und oft Schreckliches erlebt. Täglich kommen tausende Geflüchtete aus der Ukraine auch in Deutschland an. Viele Menschen wollen helfen, als Eigentümer oder auch Mieter beispielsweise privat Wohnraum zur Verfügung stellen. Auch Mitglieder des Verbands Wohneigentum bieten Hilfe an. Wir haben in einer ersten Übersicht zusammengestellt, worauf Sie dabei achten sollten.

Zwei Modell-Holzhäuschen, eines ist umgefallen
Das eigene Zuhause verloren: Viele Menschen in Deutschland wollen Wohnraum für die Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung stellen. Im besten Fall läuft die Unterbringung organisiert und begleitet durch die Kommune vor Ort oder gemeinsam mit Hilfsorganisationen oder Sozialdiensten, die Erfahrung mitbringen.   © PantherMedia/Lixe48 (YAYMicro)

Vorab: Die Geflüchteten aus der Ukraine müssen kein Asylverfahren durchlaufen und können daher entscheiden, ob sie in einer Erstaufnahmeeinrichtung unterkommen oder privat wohnen möchten. Manche suchen nur einen Schlafplatz für ein paar Nächte, bis sie vielleicht zu Verwandten weiterreisen. Andere müssen für Wochen unterkommen, bis sie eine eigene Wohnung mieten können.

Hilfe durch Hauseigentümer

Wer Wohnraum zur Verfügung stellen möchte - (Einlieger-) Wohnung, kostenfreier Schlafplatz, Zimmer zur Miete - sollte sich bei seiner Kommune melden. Im besten Fall läuft die Unterbringung organisiert und begleitet durch die Kommune vor Ort oder gemeinsam mit Hilfsorganisationen oder Sozialdiensten, die Erfahrung mitbringen.

Auch online können Eigentümer*innen freien Wohnraum anmelden. Das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) kooperiert mit den Online-Portalen www.unterkunft-ukraine.de und der gemeinnützigen Organisation Airbnb.org. Durch eine Authentifizierung der Anbieter und die Begleitung des Prozesses durch die Hilfsorganisation wird Sicherheit für alle Beteiligten erreicht, heißt es beim BMI.

Airbnb.org ist eine unabhängige, gemeinnützige, global agierende Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen in Krisensituationen, Geflüchteten und anderen Vertriebenen auf der ganzen Welt vorübergehend ein sicheres Dach zu bieten.

Unterkunft-Ukraine ist eine gemeinnützige Gruppe digitaler Sozialunternehmen um die gut.org gAG, die am ersten Tag des Ukraine-Kriegs gestartet ist. Wer eine Unterkunft hat, trägt seinen Namen, Adresse, Kontaktmöglichkeiten, Sprachkenntnisse, verfügbare Betten und die mögliche Aufenthaltszeit in ein Formular ein.

Es gibt weitere Plattformen wie beispielsweise host4ukraine.com, außerdem sind inzwischen auch vielerorts regional orientierte Online-Angebote eingerichtet worden.

Hilfe durch Mieter

Mieter*innen können ebenfalls Wohnraum zur Verfügung stellen. Möglich sind sechs bis acht Wochen, ohne dass Vermieter oder Vermieterin informiert werden müssen. Diese Spanne gilt laut Deutscher Mieterbund (DMB) in jedem Fall als erlaubnisfreier Besuch. Dauert die Unterbringung länger, sollten die Vermieter informiert und um Erlaubnis gebeten werden, sonst riskiert man die Kündigung des Mietverhältnisses. Der DMB weist darauf hin, dass Mieter sich das vertragswidrige Verhalten ihrer Besucher anrechnen lassen müssen. Sprich: Sie haften für alle Personen, die sie aufgenommen haben, unabhängig davon, wie lange diese bleiben oder ob sie für die Unterbringung zahlen oder nicht.

Zudem sollte bedacht werden, dass die Nebenkosten natürlich steigen, je mehr Menschen in der Wohnung leben. Höhere Kosten insbesondere für Heizung, Strom und Wasser sollte man einkalkulieren und diese müssen auch vom Mieter oder der Mieterin bezahlt werden.

Wer Geflüchtete gegen eine Mietzahlung aufnimmt, muss in jedem Fall den Vermieter informieren. Eine Untervermietung ist nur mit Erlaubnis des Vermieters möglich.

Hilfe der Kommune

Ukrainische Bürger und Bürgerinnen dürfen ohne Visum nach Deutschland einreisen und können sich drei Monate lang ohne Registrierung in Deutschland aufhalten. Theoretisch muss die Aufnahme von Geflüchteten also nicht angemeldet werden. Aber nur, wenn sie registriert sind, können sie staatliche Leistungen erhalten. Die Behörden bitten vor allem auch deshalb um eine Registrierung, um einen besseren Überblick über die Anzahl der Geflüchteten zu haben und Hilfsangebote koordinieren zu können.

Nach drei Monaten müssen sie eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Dabei handelt es sich aber aufgrund der sogenannten Massenzustromrichtlinie, die die EU jetzt aktiviert hat, um einen rein formellen Akt. Die Geflüchteten erhalten die Aufenthaltserlaubnis zunächst für ein Jahr, sie kann dann um zwei Jahre verlängert werden.

Finden Menschen aus der Ukraine privat Unterkunft und sollen dort Miete zahlen oder sich an Nebenkosten beteiligen, werden sie vom Staat unterstützt, falls ihre Mittel nicht ausreichen.

Hilfe bei Betreuung

Mal weg vom Rechtlichen: Wer Menschen aus der Ukraine bei sich aufnimmt, sollte sich bewusst sein, dass diese oft schreckliche Erfahrungen mitbringen und in Sorge um ihr Land und Angehörige oder Freunde leben. Dieser Situation sollte man sich gewachsen fühlen. Das gilt auch für die Einschnitte in das eigene Alltagsleben, die sich eventuell ergeben.

Wenn Sie helfen, suchen Sie sich Unterstützung in Ihrer Kommune und bei den in Ihrem Ort tätigen Sozialdiensten. Hauptberufliche Sozialhelfer, Trauma-Pädagoginnen und auch erfahrene Ehrenamtler wissen Ihren Schützlingen zu helfen und auch Sie zu unterstützen. Katrin Ahmerkamp